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Glücksforschung
Macht Geld doch glücklich?

Macht Geld glücklich: Wie viel Geld brauchen wir wirklich?
Viel Geld zu haben bringt einen Gewöhnungseffekt mit sich, der nicht glücklicher macht. FOTO: shutterstock/ gualtiero boffi
Köln. In der Vorweihnachtszeit geht den meisten viel Geld durch die Finger. So mancher wünschte sich in Anbetracht dessen schnell mehr davon. Doch würde das wirklich glücklicher machen? Hier lesen Sie, welche Rolle Geld für die meisten spielt – und wie wir unser Glück tatsächlich durch Geld vergrößern können.  Von Tanja Walter

Kaum eine Frage ist in der Glücksforschung derart umstritten wie die nach dem Zusammenhang zwischen Geld und Glück. Wohlhabende werden für die glücklicheren Menschen gehalten. Doch die Wissenschaft hat berechtigte Einwände dagegen.

Geld und Glück – ein Paradoxon

Schaut man auf den Anfang der Forschungsbemühungen, zeigt sich schon: Es beginnt mit einem Paradoxon, entdeckt vom amerikanischen Forscher Richard Easterlin. Er untersuchte im Jahr 1974, welcher Zusammenhang zwischen materiellem Wohlstand und Lebenszufriedenheit existiert. Das Ergebnis seiner länderübergreifenden Meta-Analyse stellt die Forschung bis heute vor ein Rätsel. Denn alle Untersuchungen belegten einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Lebenszufriedenheit, egal in welchem der untersuchten Länder. Im Vergleich zwischen diesen Ländern jedoch zeigte sich diese Verknüpfung nicht. Die Bewohner reicher Länder waren, wenn überhaupt, nur ein wenig zufriedener mit ihrem Leben als die armer Länder.

Reisen, die glücklich machen FOTO: 101 Reisen für die Seele, Iwanowski Reisebuchverlag

"Nationale und internationale Studien zeigen, dass es wohlhabenden Menschen besser geht als armen", sagt die Glücksforscherin und Persönlichkeitspsychologin Professor Maike Luhmann von der Universität Köln. Sie macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: "Doch mehr Geld zu haben, hat kaum langfristige Auswirkungen. Man gewöhnt sich daran und schraubt seine Ansprüche höher." Das genau sei der Grund dafür, warum die überschwängliche Freude über eine Gehaltserhöhung bald wieder verschwunden ist.

Zahlreiche Untersuchungen der vergangenen 40 Jahre bestätigen das. Dazu gehört der World Happiness Report 2015. Er nahm unter die Lupe, wie glücklich die Menschen rund um den Globus sind. Trotz belebter Wirtschaftslage findet sich Deutschland lediglich auf Platz 26 wieder. Ernüchternd ist das vor allem in Anbetracht einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Laut dieser bewerten rund 60 Prozent der Deutschen ihre finanzielle Lage als gut oder sogar sehr gut. Lediglich neun Prozent halten sie für schlecht.

Warum Geld doch glücklich macht

Geld macht also nicht glücklich, könnte man meinen. Doch jeder kennt das Gefühl der Freude, wenn man sich einen Wunsch finanziell erfüllen kann. Glücksgefühle nach dem Kauf eines schicken Kleidungsstücks oder diebische Freude nach dem Erwerb eines marktneuen Smartphone-Modells – Emotionen, die jeder in irgendeiner Form schon erlebt hat. Sie können noch größer sein, wenn man einer der ersten ist, der sich das schmucke Teil leisten kann.

Finanzielle Anschaffungen machen ein gutes Gefühl, weil sie das Belohnungssystem ansprechen. Das Gehirn schüttet das Glückshormon Dopamin aus. Anfällige Menschen lechzen so sehr nach dem Moment der Belohnung, dass sie einen Kaufzwang entwickeln. Sie brauchen das berauschende Erlebnis, um Glück überhaupt zu spüren. Doch leider hält es nicht lange an.

Neues Smartphone macht Freude, wenn es andere nicht haben

Das Beispiel vom Kauf eines ersehnten Handys zeigt aber noch etwas anderes: Etwas zu haben, was andere nicht haben, macht uns froher. "Den meisten Menschen geht es dabei nicht wirklich ums Geld, sondern um den sozialen Vergleich", sagt die Kölner Psychologin. Verschiedene Forscher haben genau diesen Aspekt unter die Lupe genommen, unter anderem Hirnforscher der Universität Bonn.

Kaufsucht - Sind Sie gefährdet? FOTO: ddp

Sie ließen im Experiment mehrere Probanden als Spielpartner im Lösen von Schätzaufgaben gegeneinander antreten. Nach dem Schätzen teilte man ihnen mit, ob sie selbst richtig lagen, und auch wie der Spielpartner abgeschnitten hat. Ein richtiges Ergebnis wurde zudem mit einem Geldbetrag belohnt. Während des Versuchs führten die Wissenschaftler einen Hirnscan durch. Der machte sichtbar, was in der Schaltzentrale der Teilnehmer passierte: Das Belohnungszentrum war weit stärker aktiv, wenn ein Proband mehr Geld erhielt als sein Mitspieler.

Höhenflüge wegen sozialer Überlegenheit

Zu ähnlichen Resultaten kamen auch der amerikanische Soziologe Glenn Firebaugh und seine Kollegin Laura Tach einige Jahre später. Um herauszufinden, welchen Einfluss Geld auf das Wohlbefinden hat, untersuchten sie für eine 2010 publizierte Studie die Daten von rund 23.000 Menschen. Auch dort zeigte sich, wie wichtig es Menschen ist, finanziell besser dazustehen als andere. Diejenigen, die mehr Geld verdienten, waren im Schnitt zufriedener als ärmere Mitbürger. Das Wichtigste war für sie, über mehr Geld zu verfügen als die anderen. Der Wunsch nach sozialer Überlegenheit war so groß, dass er im Versuch sogar seltsame Blüten trieb: Die Probanden entschieden sich freiwillig für ein geringeres Gehalt, wenn der Abstand zum Gehalt der Konkurrenten dann höher war.

Neben dieser Untersuchung gibt es zahlreiche andere, die Belege für den negativen Einfluss von Geld finden wollen. So soll es nach Erkenntnis der amerikanischen Sozialpsychologin Kathleen Vohs weniger kooperativ und hilfsbereit machen. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Reichtum asozialeres Verhalten fördert und egoistischer mache. Maike Luhmann aber denkt darüber anders: "Geld hat relativ wenige Nebenwirkungen. Wohlstand an sich ist eher etwas Positives. Denn wer zu wenig hat, der kann darüber sowohl körperlich als auch psychisch krank werden. Menschen mit wenig Geld sterben zudem schneller." Allerdings wird man durch seinen Besitz nicht automatisch glücklicher.

Die Kölner Glücksforscherin sieht zudem einen Schwachpunkt in vielen der Studien zum Thema: "Sie finden unter Laborbedingungen statt. Dort kann man alle Störvariablen weitestgehend ausschalten. Das bringt zwar interessante Ergebnisse zu Tage, doch sind die nicht immer auf die Realität übertragbar." Unstrittig hingegen ist laut Luhmann eine andere wissenschaftliche Erkenntnis: "Wer Geld in materielle Dinge wie zum Beispiel ein Schmuckstück investiert, zieht daraus langfristig weniger Wohlbefinden, als wer in Erlebnisse wie ein gemeinsames Essen investiert", so die Psychologin aus Köln. Der Grund: Es sei etwas Bleibendes, an das man sich noch lange erinnern kann. "Zudem stärkt es die soziale Beziehung" zu Freunden, dem Partner oder Familie, so Luhmann weiter.

Glücksatlas 2013: So glücklich sind die Menschen in NRW FOTO: dpa, Patrick Pleul

Wie man sein Glück maximiert

Wie man Geld investieren sollte, um im Gegenzug zu einem maximalen Zufriedenheitsgefühl zu kommen, das untersuchten auch die Finanzpsychologen Michael Norton und Elizabeth Dunn von der University of British Columbia. Am Anfang stand für sie die Frage danach, warum Geld manche Menschen nicht glücklicher macht. Ihre Grundannahme: "Vielleicht geben sie es für die falschen Dinge aus." Um die Frage beantworten zu können, überließen sie verschiedenen Probanden zwischen fünf und 20 Euro. Diese durften damit tun, was sie wollten: es spenden, ein Geschenk für sich selbst oder andere kaufen.

Am Abend riefen die Forscher jeden der Teilnehmer an und fragten, was er gemacht hatte und wie er sich nun fühle. Es gab solche, die ihr Geld für Obdachlose gespendet hatten, andere, die dafür ein Stofftier als Geschenk kauften. Einige waren sich selbst der Nächste und hatten davon für sich selbst etwas erstanden. Zum Teil war das ganze Geld weg, bei anderen hingegen nur ein kleiner Betrag. Was auffiel: Die Versuchsteilnehmer, die jemandem für kleines Geld einen Kaffee spendiert hatten, waren abends besser gelaunt. Offenbar kommt es also gar nicht so sehr darauf an, viel Geld zu lassen. Auch mit kleinen Dingen lässt sich Freude gewinnen und verbreiten. Wer sein Glück maximieren möchte, der sollte mehrere kleine Beträge für andere ausgeben, so fassen die Forscher in ihrer Untersuchung aus dem Jahr 2011 zusammen.

Geld besser für andere als für sich selbst auszugeben, rät auch die Kölner Psychologin Professor Maike Luhmann. "Eine Uhr für den Partner zu kaufen, macht glücklicher, als sich selbst etwas zu gönnen", sagt sie. Das wirft ein besonderes Licht auf das herannahende Weihnachtsfest. Wer immer noch überlegt, ob er für den Liebsten oder die Kleinen noch einen drauflegen sollte, dem sei geraten, sich das Geld zu sparen. Maike Luhmann sagt Warum: "Alles, was die Beziehung zum anderen fördert, macht besondere Freude. Wichtiger als ein teures Geschenk ist es, mit der Auswahl des Geschenks zu zeigen, dass man sich Gedanken über den anderen gemacht hat."

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