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Sexueller Angriff auf Seniorin in Düsseldorf
"Die Täter verlieren auf allen Ebenen die Kontrolle"

Nach Sexuellem Angriff auf Seniorin in Düsseldorf
Tatort Lambertusstraße: Hier wurde die Seniorin angegriffen, nachdem sie in der nahen Lambertus-Basilika eine Kerze angezündet hatte. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf . Der Fall hat viele Menschen in Düsseldorf und Umgebung schockiert: In der Altstadt wurde eine Seniorin beraubt und sexuell angegriffen. Jutta Muysers, Chefärztin der Psychiatrie der LVR-Kliniken in Langenfeld erklärt, was einen solchen Täter antreibt.  Von Susanne Hamann

Frau Muysers, in Düsseldorf ist es zu einem sexuellen Übergriff auf eine über 80-Jährige gekommen. Nun fürchten sich die Anwohner vor weiteren Attacken solcher Art. Kann man sagen, dass es in Deutschland inzwischen zu mehr sexuellen Übergriffen auf Senioren kommt?

Muysers: Nein. Diese Sexualstraften werden nicht mehr. Es kann nur sein, dass es sich für viele so anfühlt, weil man besonders fassungslos ist, wenn so etwas passiert, und somit die Aufmerksamkeit besonders hoch ist. 

Senioren sexuell zu belästigen, wirkt wie eine ungewöhnliche Straftat. Ein Raub alleine scheint einleuchtend, weil sie sich schlecht wehren können, vielleicht sogar Körperverletzung, wenn jemand ein sehr hohes Aggressionspotenzial hat - aber ein sexueller Übergriff... Wie ist das zu erklären?

Muysers: Es gibt dazu nur wenige Studien. Aber man kann sagen, dass es wirklich nur ein ganz kleiner Kreis von Tätern ist, der eine sexuelle Fixierung auf alte Leute hat, dass also wirklich eine sexuelle Erregung dadurch entsteht. Und wenn dem so ist, handelt es sich meistens nicht um Menschen, die straffällig werden, sondern um Handlungen, die innerhalb einer Beziehung passieren. Meistens sind die sexuellen Handlungen dann sogar einvernehmlich. Das mag erstmal merkwürdig klingen, aber man muss in solchen Fällen sehr aufpassen, was man bestraft, denn es handelt sich letztlich um zwei Erwachsene. 

Jutta Muysers ist ärztliche Direktorin in der LVR-Klinik. FOTO: Thomas Goetz

Aber wie kommen dann diese spontanen Straftaten zustande? 

Muysers: In den meisten Fällen geht es nicht um eine ausschließliche Fixierung, sondern die Täter nehmen sozusagen alles mit, was möglich ist.In der Regel geht es um einen Raub und dann passiert noch etwas anderes, weil das Erregungsniveau sehr hoch und auch sexuell aufgeladen ist. Die Täter verlieren auf allen Ebenen die Kontrolle. Das kann auch ohne Pathologie der Fall sein. Und man darf auch nicht vergessen, dass es sich um eine Person handeln muss, die sich zum Opfer machen lässt, um überhaupt zu einem Opfer werden zu können. 

Wie meinen Sie das?

Muysers: Junge Mädchen oder ältere Frauen sind Personen, die sich nicht besonders gut wehren können. Das macht sie zu einem einfachen Opfer, weil sie sich schnell klein machen lassen. Wenn sich Opfer stark wehren, lassen Täter oftmals ab, oder sie müssen sogar ablassen, weil es bei Tritten, Schreien und ähnlichem nicht leicht ist, jemanden beispielsweise auszuziehen. Außerdem kostet das viel Zeit, die die Täter meist nicht haben. Deswegen kann ich auch nur jedem raten sich stark zu wehren, wenn er angegriffen wird - außer der Täter ist bewaffnet. 

(ham)
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