Psychologie
Welcher Paartyp sind Sie?

Passen wir gut zusammen? Test: Welcher Paartyp bin ich?
Eher emotional und auf Tuchfühlung oder eher sachlich distanziert – Paartherapeuten unterscheiden fünf Paartypen. FOTO: Shutterstock/Rock and Wasp
Düsseldorf. Manchmal bleiben die zusammen, die auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen. Paare hingegen, bei denen alles perfekt aussieht, trennen sich schneller, als man gucken kann. Paarguru John Gottman unterscheidet fünf verschiedene Paartypen. Finden Sie hier heraus, zu welchem Sie gehören und wie Ihre Prognose für das gemeinsame Glück aussieht. Von Tanja Walter

Wer die rosarote Brille auf der Nase hat, der denkt nicht an ernüchternde Fakten. Die nämlich belegen zumindest statistisch, dass jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird. Dabei gehen die Paare, die den Bund fürs Leben geschlossen haben, immer schneller auseinander.

Auch, wer das Ja-Wort niemals in dieser Form spricht, ist vor Trennung nicht geschützt. Einen entscheidenden Einfluss darauf, ob wir mit dem oder der Liebsten zusammenbleiben, hat der Paartyp, dem wir zuzuordnen sind. Der amerikanische Psychologe John Gottman hat fünf solcher Typen definiert. Mehr als 40 Jahre lang beobachtete er in seinem "Love-Lab" – einem Appartement mit Seeblick – Menschen im Beziehungsmiteinander und leitete daraus interessante Ergebnisse ab.

  1. Der Vermeider-Typ
    Offene Auseinandersetzung ist nicht ihre Sache. Ebenso wenig sind solche Paare allerdings in der Regel auch für Emotionsgedusel zu haben. Was ihr Gefühlsleben angeht, fallen sie auf durch mangelndes Engagement und sind recht distanziert zueinander. Sie sitzen emotional gesehen eher im Keller und gehen Konflikten wenn eben möglich aus dem Weg. Paare dieses Typus haben ein eingefahrenes Miteinander und sind in ihren Handlungen und Entscheidungen sehr vorhersehbar. Das gibt ihrer Beziehung Stabilität.
     
  2. Der lebhaft-impulsive Paartyp
    Impulsive Paare schweben im siebten Himmel, stürzen aber auch genauso schnell aus diesem ab. Grundsätzlich tragen sie das Herz auf der Zunge, führen intensive Gefühlsbeziehungen, können dann aber ebenso gut mit dem Partner aneinandergeraten. Streit führen sie derweil auch schon einmal mit Absicht herbei, um impulsiv und nahezu lustvoll den Spannungsabbau zu zelebrieren.
    Sie flippt aus, weil er einen gemeinsamen Termin vergessen hat und zu spät zu Hause ist. Es gäbe Möglichkeit Nummer eins, die Situation später in Ruhe zu besprechen und dann gemeinsam zu überlegen, welche Gründe dazu geführt haben, wie sich der jeweils andere fühlt und wie sich das für die Zukunft vermeiden lässt. Stattdessen aber lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf, reagiert impulsiv und auch er diskutiert aus der emotional ohnehin aufgeladenen Situation heraus und lässt so zudem zusätzlich Zeit vergehen, bis beide in emotionaler Wallung das Haus zum gemeinsamen Termin verlassen. Welches Modell erscheint Ihnen selber das bessere zu sein?
    Gottman stellte bei seinen Untersuchungen fest, dass unter den verschiedenen Paartypen ausgerechnet die Impulsiven insgesamt die höchste Paarzufriedenheit aufwiesen. Stutzig wird das die meisten machen, weil es dem allgemeingültigen Konsens zugegen läuft, erst einmal abzukühlen und die Situation wie auch sich selbst zu reflektieren, bevor man versucht reinen Tisch zu machen. Doch Harmonie um jeden Preis, erweist sich Gottmanns Erkenntnissen nach auf Dauer als regelrechter Liebeskiller. Stattdessen hilft impulsiven Paaren eher ein tobender Streit, der anschließend mit Versöhnungssex endet, sagt Psychologin Vasteling, Paartherapeutin der Psychotherapieambulanz an der Technischen Universität Braunschweig.
     
  3. Wertschätzende Paare
    Sie pflegen einen sehr konstruktiven Partnerschaftsstil, haben viel Verständnis füreinander, nehmen Rücksicht und fühlen sich rundum glücklich, wenn sie viel gemeinsam unternehmen können und Intimität erleben. Misstrauen hat in einer konstruktiven Partnerschaft kaum Platz, denn beide Seiten gehen sehr offen und kommunikativ miteinander um. Das höchste Gut in der Partnerschaft ist für beide, möglichst viel Zeit gemeinsam miteinander zu verbringen. Wertschätzende Paare bringen eine Eigenschaft automatisch mit sich, die von Paartherapeuten als sehr vorteilhaft gesehen wird: Sie zeigen dem anderen gegenüber gerne ihre Zuneigung.
    Paartherapeutin Ilka Vasteling bezeichnet das als einen der Grundfaktoren für eine stabile Partnerschaft. "Aktiv Nähe herzustellen und am Leben des anderen teilzuhaben und sich zu verstehen bewahrt Untersuchungen nach Paare eher vor dem Aus". Psychologen nennen das den non-verbalen Bereich. Paare, die auch im Streit noch Blickkontakt halten oder Körperkontakt zueinander aufnehmen, stecken den Zwist leichter weg.

    Konstruktive Paare beherrschen häufig das Streiten mit Gesprächsregeln perfekt. Das sorgt dafür, dass jeder die Chance hat, sein Gesicht zu wahren und so in kooperativer Art zu Lösungen zu kommen. So stellen diese Tandems grundlegend Übereinstimmung in wichtigen Fragen ihres Lebens her.

    Gemeinsam haben diese drei Paartypen, dass sie eine Beziehung mit guten Aussichten führen. Zwei Paartypen hingegen haben eine eher schlechte Voraussetzung, dauerhaft zusammen zu bleiben. Manchmal kommen diese fünf Typen in ähnlicher Form vor, manchmal allerdings mischen sich auch verschiedene Eigenschaften, merkt Ilka Vasteling an.
     
  4. Feindselig-verstrickter Paartyp
    Auch in aller Öffentlichkeit den anderen wegen seiner Fehler und Schwächen herunterzuputzen, das ist bei diesem Paartyp an der Tagesordnung. Es gehört bei solchen Paaren fast zum guten Ton, den anderen möglichst oft zu kritisieren und ihn abzuwerten. Sie stimmen in ihrer Meinung oft nicht überein und wirken streitsüchtig. Wenn beide miteinander sprechen, dann provozieren sie ihr Gegenüber gerne. Dadurch können sie Konflikte nicht konstruktiv lösen.
     
  5. Feindselig-distanzierter Paartyp
    Außenstehenden kommt die Lebensgemeinschaft eher so vor wie eine Art Wohngemeinschaft. Beide Partner unternehmen viel getrennt voneinander und verhalten sich dem anderen gegenüber oft unbeteiligt und emotional distanziert. Auf Außenstehende wirkt eine solche Partnerschaft wie eine Zweckgemeinschaft, in der es über Banalitäten zu Streit kommt, der kein gutes Ende nimmt.

Erfolgsrezepte für jede Partnerschaft

Neben der Typenfrage stellt sich auch die Frage nach der Art des Umgangs miteinander. Alles andere als beziehungsfördernd sind verständnislose Maßregelungen wie beispielsweise diese, wenn der Partner vergessen hat, beim Einkauf Joghurt mitzubringen und man ihn darum abends mit den Worten empfängt: "Das hab ich mir schon gedacht, dass du das wieder mal vergisst" und ihm danach eine Persönlichkeitsdiagnose Marke Eigenbau nachschiebt: "Du bist so furchtbar zerstreut. Achte doch mal darauf, dich nicht ständig zu verzetteln und priorisier mal, was du willst. Dann vergisst du nicht ständig alles." Häufig sind es Alltagsdinge, über die Paare miteinander streiten, weiß Paartherapeutin der Psychotherapieambulanz Braunschweig, Dr. Ilka Vasteling. Sie empfiehlt Paaren für ihr Beziehungsglück, aus einer Kleinigkeit heraus nicht zum Rundumschlag auszuholen und klar zu signalisieren, was man möchte, statt zu erwarten, dass der Partner zum Gedankenleser mutiert.

Paarguru John Gottman unterscheidet diesbezüglich die regulierten Paartypen und die unregulierten. Bei letzteren lässt die grundsätzliche Art der Kommunikation miteinander nichts Gutes erhoffen: Oft klafft sie im negativen Sinne auseinander und jedem geht es darum, seine Position durchzudrücken. Die Paare gehen sehr defensiv miteinander um, ziehen sich zurück uns sind weniger positiv. Solche Beziehungen stehen auf Dauer schlecht da und werden der Wahrscheinlichkeit nach schneller geschieden.

Und welcher Paartyp sind Sie? In einem kurzen Selbsttest können Sie dies hier herausfinden!

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