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Tipps für ein entspanntes Fest
"Es ist normal, wenn Weihnachten Konflikte entstehen"

Tipps für ein entspanntes Fest: Konflikte an Weihnachten
Streit an den Festtagen in der Familie ist leider keine Seltenheit. Es gibt aber Strategien, diesen zu vermeiden. FOTO: Shutterstock
Düsseldorf. 2017 sind die Feiertage extra lang – denn Heiligabend ist ein Sonntag. Das heißt: Noch mehr Stunden, die wir mit der Familie verbringen können. Fluch oder Segen? Eine Familientherapeutin gibt Tipps für stressfreie Weihnachtstage. Von Helene Pawlitzki

Beate Kuhlmann ist Erzieherin, Heilpädagogin und Diplom-Sozialpädagogin mit eigener Praxis in Düsseldorf und Essen. Ihr Plädoyer: Locker mit den eigenen Erwartungen umgehen – und genau überlegen, welche Konflikte man Weihnachten austrägt und welche nicht.

Eigentlich sind wir doch alle zivilisierte Menschen. Warum gibt es trotzdem so oft Streit, wenn die Familie Weihnachten zusammenkommt?

Die Familientherapeutin Beate Kuhlmann von Projekt Familie gibt Tipps für konfliktfreie Weihnachtstage. FOTO: Projekt Familie

Beate Kuhlmann Häufig hat man sich lange nicht gesehen und kommt nur über die Feiertage in dieser Konstellation zusammen. Dann entsteht plötzlich über einen langen Zeitraum eine ungewohnte Nähe. Das ist ein Stress ganz eigener Art. Denn die Erwartungen sind unheimlich hoch.

Seine Freunde kann man sich aussuchen. Die Familie nicht.

Kuhlmann Richtig. Außerdem erwarten wir, dass sich das weihnachtliche Glücksempfinden aus der Kindheit wieder einstellt. Wir haben große Sehnsucht nach Harmonie und ungetrübter Festlichkeit unterm Tannenbaum. Wenn sich diese Erwartung nicht erfüllt, sind wir enttäuscht.

Dazu kommt: Wir betreiben großen Aufwand, damit das Fest perfekt wird.

Kuhlmann Vor allem Frauen fühlen sich verantwortlich. Weihnachten soll etwas Besonderes sein. Das Haus muss auf Hochglanz gebracht werden. Es muss ein opulentes Menü geben. Auch bei ganz jungen Frauen sehe ich, dass sie diese Anforderung an sich stellen. Häufig ist das ein Zuviel an Arbeit, das sie auch nicht delegieren wollen, denn wenn man es nicht selbst macht, wird es vermeintlich ja nicht richtig.

Gibt es noch weitere Faktoren, die das Fest stressig werden lassen?

Kuhlmann Ich glaube, dass wir uns oft zu viele Besuchsverpflichtungen auferlegen. Wir glauben, zu Weihnachten dürfen wir niemanden auslassen, und müssen außerdem bei allen viel Zeit verbringen. Dann können Geschenke zum Problem werden. Ein Geschenk ist nicht nur ein Geschenk, wie ein Essen zu Weihnachten nicht nur ein Essen ist – es hat emotionalen Gehalt. Wenn sich jemand keine Mühe gegeben hat, ist der andere enttäuscht. Genauso wie der Schenkende enttäuscht ist, wenn er sich viele Gedanken gemacht hat, aber das Geschenk trotzdem nicht gefällt.

Mit anderen Worten: Eigentlich ist Streit zu Weihnachten praktisch programmiert.

Kuhlmann Jedenfalls birgt die Art, wie die meisten Menschen feiern, ganz sicher das Potenzial zur Überforderung. Das sollte man einfach im Hinterkopf behalten: Es ist normal, wenn in so einer hochaufgeladenen Situation Konflikte entstehen. Das finde ich ganz wichtig. Selbst wenn eine Familie gut funktioniert, kann es alte Konflikte geben, die zu Weihnachten hochkochen.

Und dann?

Kuhlmann Dann sollte man entscheiden: Können und wollen wir das wirklich jetzt klären? Wenn das nicht geht – was ja gerade bei alten Konflikten häufig der Fall sein wird – dann sollte man das Thema vertagen, bis die Feiertage vorbei und alle wieder runtergekommen sind.

Um so zu priorisieren, braucht man aber wirklich einen kühlen Kopf.

Kuhlmann Meine Empfehlung: Man kennt die Szenen ja meistens bereits und weiß, wie sie sich abspielen werden. Es hilft, sich das im Voraus wirklich mal vorzustellen und für sich zu planen, wie man reagieren möchte.

Fünf Tipps für ein entspannteres Fest

  1. Familienkonferenz Warum nicht mal offen darüber sprechen, wie alle Beteiligten sich das Weihnachtsfest wünschen? Oft entsteht Stress, weil Familientraditionen eingehalten werden müssen. Vielleicht hat aber in Wirklichkeit niemand mehr Spaß daran? Auch Kinder haben bei der Konferenz eine vollwertige Stimme und müssen ernst genommen werden.
  2. Delegieren Gerade für gestresste Familienoberhäupter (egal, ob Mutter oder Vater) gilt: Aufgaben abgeben – und zwar wirklich abgeben. Wenn der große Sohn in diesem Jahr fürs Tannenbaum holen zuständig ist, sollte ihm keiner dazwischenfunken. Auch wenn der Baum vielleicht ein bisschen krumm ist. Auch Kinder können Aufgaben übernehmen.
  3. Raus an die Luft! Gerade, wenn Kinder im Haus sind, gehören ein Spaziergang im Park oder ein Ausflug in den Wald unbedingt dazu – einmal am Tag. Das gibt allen buchstäblich die Möglichkeit, durchzuatmen. Wie wäre es mit einem Feuer im Garten oder einer winterlichen Grill-Session auf dem Balkon am zweiten Feiertag? Auch schön: Beim gemeinsamen Fußballspielen auf dem Bolzplatz zusammen Festtagskalorien verbrennen.
  4. Es ist okay, allein zu sein Gönnen Sie sich eine Stunde am Tag, in der Sie tun, was Sie wollen. Ziehen Sie sich zurück, lesen Sie ein Buch, schauen Sie eine Folge Ihrer Lieblingsserie, machen Sie Sport oder einen einsamen Spaziergang. 24 Stunden mit den Menschen zusammen zu sein, die man am meisten liebt, kann wahnsinnig anstrengend sein. Geben Sie sich Zeit, Ihre sozialen Batterien aufzutanken.
  5. Erstes Weihnachten nach einer Trennung Eltern haben oft den Wunsch, ihren Kindern das gleiche Weihnachtsfest wie immer bieten zu können. Wenn die Wunden noch frisch sind, merken Kinder aber sofort, dass die Harmonie nur gespielt ist. Dann können getrennte Weihnachten entspannter und schöner sein. Ansonsten: Vorher mit dem Ex-Partner absprechen, wie man die Situation handhaben will und welche Themen unterm Weihnachtsbaum Tabu sind.

Homepage der Praxis von Beate Kuhlmann: www.projektfamilie.de

 
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