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Sieben Tipps vom Coach
So kommen Sie gelassen durch die Weihnachtstage

Tipps gegen Weihnachtsstress: Wie Geschenkelisten und Humor helfen
FOTO: Shutterstock.com/ Sebastian Gauert
Düsseldorf . Vorweihnachtsgeschäft, Einkaufsstress, Vorbereitungsdruck - Heiligabend steht zwar kurz bevor, doch besinnlich und festlich fühlt sich kaum jemand. Wir haben einen Coach für Gelassenheit nach Tipps gefragt, mit denen es auch Supergestresste schaffen, schnell herunterzuregeln und die Feiertage doch in Ruhe und Harmonie zu verbringen. Von Susanne Hamann

"O du fröhliche" - singen wir an Heiligabend unter dem Baum. Wirklich fröhlich fühlt sich dabei so mancher aber nicht, vielmehr außer Atem von den zurückliegenden vier Wochen. Denn Weihnachten, so viel ist klar, muss organisiert werden, von Büro über Braten bis hin zu Deko und Geschenken. Da ist viel zu tun. 

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Wenn dann das Fest beginnt, ist es oftmals gar nicht so leicht, den inneren Schalter umzulegen und sich von Stress und Hektik auf Ruhe und Besinnlichkeit zu polen.

Christian Bremer ist Coach für Gelassenheit.

Einer, der eigentlich immer entspannt reagieren kann, ist Gelassenheitscoach Christian Bremer. Er kennt die Probleme genau, die es vielen schwer machen, die Feiertage zu genießen: "Ich erlebe immer wieder, dass rund um Weihnachten bei den Menschen ständig das Gefühl 'zu müssen' mitschwingt", sagt der Coach, "aber man es gibt einiges was man tun kann, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen." Seine besten Tipps, um an Heiligabend schnell runterzuregeln: 

  1. Zwei Geschenkelisten: "Was sich zum Beispiel als sehr effektiv erwiesen hat, ist zwei Geschenklisten zu machen." Auf die eine Liste kommen die Namen der Menschen von denen man glaubt, man müsse sie beschenken. Auf die andere kommen die Personen, die man beschenken möchte. Die man also aus dem Herzen heraus beschenkt. "Wir glauben immer, dass wir 50 Geschenke kaufen müssen, wenn wir aber mal genau überlegen, dann reichen vermutlich sogar 20 oder noch weniger", sagt der Coach.
  2. 5-Minuten-Inseln: Eine andere sehr hilfreiche Maßnahme ist, sich auch zu Weihnachten 5-Minuten-Inseln zu schaffen. "Das heißt, man nimmt sich ein paar Minuten für sich selbst, um kurz Ruhe und Erholung zu tanken." Was in dieser Zeit geschieht, muss nicht kompliziert sein. Da reicht es schon, sich einen Tee zu kochen, kurz Zeitung zu lesen oder sich mit dem Hund die Beine zu vertreten. "Wir glauben immer, wir brauchen ein Yoga-Retreat in Asien oder lange Urlaub, um Kraft zu schöpfen", sagt der Coach, "dabei reichen schon zwei bis drei solcher - wie ich sie gerne nenne - Zeiten des absichtslosen Verhaltens am Tag, damit wir uns besser fühlen."
  3. Aufwand hinterfragen: Wem man das Gefühl "zu müssen", wie Bremer es nennt, an Heiligabend wohl am meisten anmerkt, ist dem Koch des Abends. Das Festmahl ist immer wieder Anlass für Zeitdruck, Selbstzweifel und emotionalem Stress - der sich dann wiederum gerne auch auf die Gäste am Essenstisch überträgt. Damit es gar nicht so weit kommt, rät der Coach: "Fragen Sie sich mal kurz, was Sie da eigentlich machen. Muss es wirklich der handgepflückte Edel-Bio-Spinat aus dem Hinterland sein, oder reicht Ihnen auch einfach der Tiefkühlspinat?" Wer sich so in der Küche, bei der Deko oder bei den Weihnachtsanrufen immer mal wieder hinterfragt, könnte schnell merken, dass er vieles nur tut, weil er denkt "man" mache das so.
  4. Mit Humor betrachten: Geht dann das Festtagsprogramm so richtig los, lauern meistens noch ganz andere Gefahren: unterschwellige Seitenhiebe, belehrende Phrasen und der oft parodierte Familienzwist müssen irgendwie vermieden werden. Bremer rät hierfür als erstes zu innerem Humor: "Ich erinnere mich, dass mein Großvater immer Musikhefte zum Mitsingen gemacht hat. Und obwohl er das jedes Jahr gemacht hat, hat er es nie geschafft, dass alle gleich waren. Das hat uns mit der Zeit ziemlich genervt." Damit so eine Situation nicht eskaliert, hilft es, sich nicht der Wut zu ergeben, sondern innerlich die Schrulligkeit der Familienmitglieder mit Humor zu nehmen. Immerhin meint es die Person, wie der musikheftschreibende Opa, an diesem Abend ja doch gut. Das sollte man sich laut Bremer mit einem zwinkernden Auge bewusst machen. 
  5. Flucht aufs Klo: Funktioniert das alles nicht so richtig, wirken kleine Pausen Wunder. "Damit man leichter von Hektik und Genervtsein auf Heiligabend umschalten kann, hilft es sich immer wieder mal aufs Klo oder in eines der umliegenden Zimmer zurückzuziehen und einfach für einen Moment die Ruhe zu genießen", sagt Bremer. So fällt es auch leichter, die typischen Kommentare von Eltern, Tanten oder Großeltern an sich abperlen zu lassen. 
  6. Mit dem Herz reagieren: Angenommen, man sitzt an Heiligabend mit der Familie zusammen und jemand bringt einen schwierigen Spruch, was ist dann die beste Reaktion? "Anstatt zu sagen: Der Spruch hätte jetzt aber nicht sein müssen, wäre es besser sich einfach zu denken, ich liebe oder mag die Person einfach so, wie sie gerade ist", sagt der Gelassenheitscoach. Das löse sehr viel inneres Konfliktpotenzial. "Denn es gibt keinen schlechteren Zeitpunkt als solche Feste, um jemanden umzuerziehen."
  7. Weihnachten, das beste Trainingscamp: Am Ende bleibt eines übrig: Weihnachten ist das beste Trainingscamp für die eigene Gelassenheit. "Man weiß ja im Grunde, was da auf einen zukommt, von den Menschenmassen beim Einkaufen, über den nervigen Cousin oder Schwager bis hin zu den vielen Besuchen an den Feiertagen, und darauf kann man sich einstellen." Bremer nennt das "Die Kunst der Antizipation". Dafür soll man sich, bevor man etwas tut, schon einmal im Detail klar machen, was auf einen zukommt. Gerade zu Weihnachten fällt das leicht, weil es bei den meisten jedes Jahr fast gleich abläuft. "Wenn man das dann für sich klar hat, kann man dahin gehen, und die stressige Situation als persönliches Training sehen, um sich nicht aus der eigenen Gelassenheit bringen zu lassen."
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