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Schoßhund, Neuverhandler, Alt-Macho
Die Typologie des modernen Mannes

Welcher Typ Mann bin ich? Schoßhund, Terrain-Markierer oder Macho?
FOTO: eranicle/ Shutterstock.com
Düsseldorf . Männer und Frauen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Frauen arbeiten und sind unabhängig, Männer bleiben öfter mit Kind zuhause und werden zu Frauenverstehern. Aber wie geht es den Männern eigentlich dabei? Ein Psychologe hat 1100 Männer nach ihrem Selbstbild gefragt. Mit erstaunlichen Ergebnissen. Von Susanne Hamann

Der moderne Mann steckt in einer Identitätskrise - dieser Satz ist immer wieder zu lesen. Aber was genau bedeutet das eigentlich? Um das herauszufinden, hat Psychologe Frank Quiring im Auftrag des Rheingold Instituts eine tiefenpsychologische Studie angestellt. In 70 ausführlichen Gesprächen und rund 1000 Online-Befragungen ging es um Fragen wie: "Was fällt Ihnen spontan zu Männern ein?"

Sein Ergebnis: Männer lassen sich heutzutage in sechs konkrete Typen einteilen.

Der Schoßhund

Mit 27 Prozent der Befragten die insgesamt größte Gruppe ist jene, die Quiring mit dem Wort "Schoßhund" klassifiziert. "Gemeint sind Männer, die sich zwar als modern empfinden, aber jede Form von direkter Auseinandersetzung vermeiden", erklärt der Psychologe. Sie äußern weder ihre Wünsche noch Kritik vor ihrer Partnerin und geben sich im Zweifelsfall immer damit ab, wenn sie ein Machtwort spricht. "Anders gesagt, er orientiert sich immer am Blick der Frau und verbiegt sich dabei häufig selbst", weiß Quirin. Dass er sich ein neues Computerspiel, ein schickes Handy oder mehr Zeit für seine Freunde wünscht, würde dieser Typ niemals zur Aussprache bringen. 

Der Terrain-Markierer

Die zweitgrößte Gruppe ist der sogenannte Terrain-Markierer mit 21 Prozent der Befragten. "Auch er passt sich an und vermeidet die Konfrontation", sagt Quiring, "aber er gönnt sich seine eigenen Bereiche." Wie kleine Oasen im Alltag hat er etwa regelmäßige Treffen mit seinen Freunden, für ihn ist das ein lebbares Gleichgewicht. Einen Streit würde er zur Durchsetzung seiner Oasen jedoch nicht vom Zaun brechen.

Der Alt-Macho

Auf Platz drei folgt mit 15 Prozent der Befragten das Profil des Alt-Machos. Sein Vorstellung von der Welt ist bekannt: Er ignoriert die moderne Entwicklung, hält nichts von der Emanzipation und sucht sich unsichere, unselbständige Frauen, die ihn anhimmeln. "Den Typen gibt es zwar noch, man muss aber dazu sagen, dass er von den meisten Männern als völlig überholt angesehen wird", sagt Quiring. Auffällig ist hier durchaus das Alter. Vor allem in der Generation 60plus gibt es noch viele mit dieser Einstellung. "Das liegt zum Teil einfach daran, dass sie mit ausschließlich diesem Männerbild erzogen wurden."

Der Souveräne

Rund 13 Prozent der Befragten, lassen sich dagegen als der souveräne Typ einordnen. "Dabei handelt es sich so um die Marke George Clooney", erklärt Quiring. Es ist ein Typ, der die Forderungen seiner Partnerin kennt und akzeptiert, aber zugleich das Selbstverständnis hat, zu dem zu stehen, was ihm wichtig ist. "Er hat schon viele Auseinandersetzungen hinter sich, ist lebenserprobt und weiß deshalb auch, was ihm wichtig ist und was nicht", so der Psychologe. Aus diesen Erlebnissen hat er einen inneren Kern entwickelt. Er weiß, wer er ist.

Der Neuaushändler

Es verbleibt mit rund zehn Prozent der Befragten der Neuaushändler. Er scheut die Auseinandersetzung nicht, wenn sie dazu dient, Grenzen, Perspektiven und Abmachungen immer wieder neu zu definieren. Aus diesem Grund ist es für ihn auch normal, die Perspektive seiner Partnerin als gleichwertig zu betrachten. Zudem fällt es ihm erstaunlich leicht, Freunde und Familie unter einen Hut zu bringen. Der Neuaushändler ist der Typ, dessen Kumpels auch Väter sind - und die gemeinsam mit dem Kinderwagen in den Park gehen, um dort über Sport und anderes zu reden.

"Man sieht ja, dass der Schoßhund und der Terrain-Markierer mit 48 Prozent insgesamt die größte Gruppe darstellen", sagt Quiring. "Und ihr Kernproblem ist eben, die Frage nach ihrer Rolle neben der Frau." Was der Psychologe damit meint ist, dass der größte Teil der Männer an einem Spagat scheitert, bei dem sie versuchen Frauenversteher und cooler Typ zugleich zu sein.

Am stärksten äußert sich dieser Zwiespalt darin, wie sie ihre eigenen Bedürfnisse zum Ausdruck bringen. "Natürlich wollen Männer auch ihre eigenen Bereiche haben", sagt Thomas Kirschmeier, Pressesprecher des Rheingold Instituts. "Sie wollen zum Beispiel Sport machen, mit Freunden Ski fahren oder einfach mal ein Bier trinken gehen. Aber sie wissen nicht, wie sie das rüberbringen sollen." Denn Frauen wollten ja auf der einen Seite, dass Männer Kante zeigen, das sähe man an der Beliebtheit von Goerge Clooney, andererseits forderten sie Gleichberechtigung und vor allem Verständnis ein. 

Was tun ohne männliches Rollenvorbild?

Einer, der sich mit eben diesem Problem viel befasst hat, ist Männertherapeut Björn Süfke. Er weiß genau, in welcher Klemme die Männer stecken. "Das Problem ist, dass Männer keine Rollenvorbilder mehr haben. Den alten Macho aus den Filmen gibt es nicht mehr, aber eine neue Definition vom souveränen Mann gibt es auch noch nicht." Frauen sind die neuen Superhelden der Blockbuster und Bestseller. Der Action-Film ist für sie längst kein Sperrgebiet mehr. Für den Mann aber gibt es weder im Film noch im Leben ein neues Genre.

"Eben diese Luftlehre Raum sorgt für Unsicherheit", sagt Süfke. Etwas mehr bei den Mid-40ern. Etwas weniger bei den Mid-20ern, weil die direkt in das Macho-freie Rollenverständnis hineinwachsen. Insgesamt aber müssen sich Männer in den nächsten Jahren vor allem einer Aufgabe stellen: "Sie müssen sich mit sich selbst auseinandersetzen und herausfinden, wer sie sein wollen - als Mann und als Mensch", sagt der Männertherapeut.

Eine Lösung oder eine neue Männerschablone, hat auch der Therapeut nicht. "Es ist ein Prozess, der beinhaltet, dass Männer sich fragen müssen, welche Rolle sie in Zukunft zuhause als Väter einnehmen wollen, und was für Aspekte ihnen persönlich und im Privatleben wichtig sind."

Wichtig ist das auch, weil nicht jedem Mann jedes Rollenbild zugänglich ist. "Nicht jeder ist eben auch ein Goerge Clooney in seinem Charakter", sagt Süfke mit Bezug auf die Rheingold-Studie. "Andere sind eben eher der Familienvater. Und das ist vollkommen in Ordnung."

Bis Männer aber wissen, wer sie sind und sein wollen, lautet der Rat des Therapeuten für Männlein und Weiblein vor allem so: Reden, reden, reden. "Nur, wenn Vorstellungen und Wünsche regelmäßig miteinander neu ausgelotet werden, können Beziehungen auf der Basis von sich verändernden Rollenvorstellungen auch auf Dauer funktionieren."

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