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Pro und Contra
Das sagen zwei Raucher über die neuen Schockbilder

Neue Schock-Fotos sollen Raucher abgewöhnen
Neue Schock-Fotos sollen Raucher abgewöhnen FOTO: afp, WILLIAM WEST
Meinung | Düsseldorf. Schwarze Raucherlungen, tote Menschen, verfaulte Zähne – seit diesem Freitag müssen Hersteller auch in Deutschland Schockbilder auf Zigarettenschachteln drucken. Zwei Raucher sagen, was sie davon halten. Von Marcel Romahn und Dana Schülbe

  • Journalistenschüler Marcel Romahn sagt: Schockbilder, nein Danke!

Bilder von Krebsgeschwüren, verstümmelten Zähnen und sogar der Schnappschuss aus der Leichenkammer – sieht so heutzutage gesundheitliche Aufklärung aus? Und muss diese auf einer Zigarettenschachtel stattfinden? Ich glaube nicht.

Auch ich bin Raucher und sehe dies ebenfalls als großes Handicap. Rauchen ist ungesund, teuer und macht süchtig. Aber das habe ich auch ohne diese grotesken Horror-Bildchen gelernt, etwa in der Schule oder von meinen Eltern.

Wer raucht, weiß um die Risiken – und ignoriert sie. Das heißt jedoch nicht, dass man Raucher ab sofort täglich mit solch ekelhaften und geschmacklosen Warnhinweisen belästigen muss. Das mag zwar abschreckend sein, hat jedoch mit sinnvoller Aufklärung über die Folgen des Zigarettenkonsums wenig zu tun.

Leserstimmen: Schockbilder ohne Wirkung? FOTO: AP

Als damals die Warnhinweise erstmals auf der Packung auftauchten, haben auch viele Raucher zunächst die Miene verzogen. Heute beachten wir diese schlauen Sätze nicht einmal mehr. Wir ignorieren sie bewusst. Warum? Weil uns diese Tatsachen längst bekannt sind, weil wir sie von Kindesbeinen an verinnerlicht haben und trotzdem sagen: Wir gehen eine rauchen. Daran wird der tote Mann auf meiner Packung nichts ändern.

Diese Bildchen werden nur dazu führen, dass Raucher noch weiter zu Außenseitern erklärt werden, und sei es nur dadurch, dass sie ihre Schachtel nicht einmal mehr offen auf dem Tisch liegen lassen können, ohne ihr Umfeld damit anzuekeln.

Und wenn schockierende Warnhinweise tatsächlich nun bei uns angesagt sind, dann möchte ich diese Bilder ab sofort auch auf jedem vor Fett triefenden Cheeseburger und auf jeder Flasche Bier wiederfinden – damit auch alle Fastfood-Fans und Kneipengänger gesundheitlich perfekt aufgeklärt sind.  

  • Redakteurin Dana Schülbe sagt: Schockbilder? Warum nicht?

Klar, die Bilder sind ekelhaft und unappetitlich, aber so funktioniert nun mal Abschreckung.

Zehn Mittel zur Rauchentwöhnung FOTO: NGZ

Seien wir doch mal ehrlich: Fast jeder von uns Rauchern hat schon daran gedacht, mit dem Gequalme aufzuhören. Denn so gerne wir gerade in geselliger Runde zum Glimmstengel greifen, letztlich stört uns doch, dass wir einfach nicht die Finger davon lassen können.  

Wenn solche Schockbilder also dafür sorgen, dass der eine oder andere von uns das Rauchen lässt, dann ist das der richtige Weg. Studien aus Kanada und England belegen, dass die Abschreckung funktioniert. Auch Australien vermeldet Positives seit Einführung der Schockbilder im Jahr 2012. Das sind doch positive Nachrichten.

Natürlich wissen wir auch, dass sich starke Raucher nicht von diesen Bildern irritieren lassen und munter weiter zur Zigarette greifen. Dass alle mit einem Schlag aufhören, erwartet auch keiner.  Aber wären wir nicht tief im Inneren froh, wenn wir diejenigen sind, die dank der Schockbilder die Sucht loswerden?

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