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Vater als Hausmann
"Sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, ist gar nicht so viel Stress"

Arne Ulbricht: Wie sich das Leben als Hausmann für Väter anfühlt
Mann mit Kindern und Wäschekorb (Symbolbild). FOTO: Shutterstock/Monkey Business Image
Wuppertal. Arne Ulbricht wohnt in Wuppertal, arbeitet in Teilzeit als Lehrer - aber vor allem ist er Hausmann. In Elternzeit hat er beide Kinder groß gezogen, seine Frau ging weiter arbeiten. Was das mit seinem Leben macht, erklärt er im Interview.  Von Susanne Hamann

Herr Ulbricht, es ist jetzt 14 Uhr, wie sah Ihr Tag bislang aus?

Arne Ulbricht Zuerst habe ich mal eine Wäsche angeschmissen. Dann habe ich Frühstück für meine Kinder gemacht. Die sind um 7.30 Uhr aus dem Haus. Danach habe ich den Tisch abgedeckt, die Wäsche aufgehängt, direkt eine zweite Wäsche angeworfen und dann einige Sachen für unseren Urlaub vorbereitet. Danach habe ich das Mittagessen für meine Tochter gemacht, ihr eher schlecht als recht versucht, Mathe zu erklären. Dann kam mein Sohn nach Hause und er musste ihr Mathe erklären. 

Wie alt sind Ihre Kinder?

Ulbricht Mein Sohn ist 13, meine Tochter 10 Jahre alt. 

Buchautor und Hausmann Arne Ulbricht. FOTO: DANIEL SCHMITT

Sie haben ein Buch darüber geschrieben, wie es ist, Hausmann zu sein...

Ulbricht Ja, weil ich derjenige war, der Elternzeit genommen hat und derjenige bin, der sich bis heute um Kinder und Haushalt kümmert. Meine Frau ist die ganze Zeit weiter arbeiten gegangen. Sie zahlt die Miete und den Urlaub und auch wenn wir essen gehen, übernimmt meistens sie die Rechnung. Ich habe erst dann irgendwann wieder angefangen, als Lehrer in Teilzeit zu arbeiten. Das ist jetzt leichter, da die Kinder zur Schule gehen.

Dass der Mann zuhause bleibt und die Frau voll arbeitet, ist immer noch eher ungewöhnlich. Wie hat sich das ergeben?

Ulbricht Das lag bei uns nahe. Sie war sehr gut in der Schule und hat magna cum laude promoviert. Ich bin dagegen während des Referendariats fast durchgefallen und wusste eigentlich immer, dass ich Schriftsteller werden will. Wir haben deshalb schon ganz früh immer darüber gesprochen, dass sie weiter arbeiten geht, wenn Kinder kommen, und ich zuhause bleibe. Das ist auch sinnvoll, weil sie als Biochemikerin in leitender Position sehr gut verdient. 

Es hat Ihre Frau also nie gestört, weiter arbeiten zu gehen?

Ulbricht Sie ist sehr ehrgeizig und hat immer gerne gearbeitet. Zudem hat sie sich auch nie über die Situation beschwert. Ich glaube also nicht. 

Und Sie?

Ulbricht Das einzige, was mir immer wieder fehlt, ist ein Mann, der in der gleichen Lebenslage ist wie ich. Seit Jahren sind meine einzigen Kontakte andere Mütter. Ich empfinde mich nicht als Weichei, das zuhause geblieben ist, sondern als normaler Mann, der nur gerne Zeit und Spaß mit seinen Kindern hat. Es gab nur eine schwierige Situation. Damals war ich eine Zeit lang arbeitslos, habe aber kein Arbeitslosengeld bekommen, weil ich vorher zu unregelmäßig im Job war. Ich war also vollständig abhängig von meiner Frau. Das war nicht einfach. 

Aber davor, sich plötzlich 24 Stunden am Tag um einen Säugling zu kümmern, hatten Sie keine Angst?

Ulbricht Doch. Ich hatte große Angst, dass ich es nicht hinkriege. Mütter haben immerhin automatisch eine Verbindung zum Kind, als Vater muss man sich die etwas aufbauen. Aber ich habe die Kinder dann viel am Körper herumgetragen und dann ging es. 

Wie wurden die Kinder gestillt?

Ulbricht Ich bin mit meiner Tochter einmal am Tag zu ihr gefahren, dann hat sie einmal die Brust bekommen und dann abgepumpt für den Rest des Tages. Bei der Geburt meines Sohnes war meine Frau am Anfang noch ein paar Monate Zuhause. 

Sie sagen, Sie haben immer nur mit Müttern zu tun. Wie war das beim ersten Aufeinandertreffen -  haben die Sie direkt akzeptiert?

Ulbricht Ja, das war nie das Problem. Ich habe ein großes Mütternetzwerk, in dem wir Termine absprechen und uns beraten. Mit einer der Mütter saß ich immer zusammen, wenn unsere Kinder beim Kampfsportunterricht waren. Sie war meine häufigste Gesprächspartnerin - neben meiner Frau. Aber da sehen Sie es auch schon, ich hatte eben nie einen Mann, mit dem ich mal über die anderen Mütter hätte sprechen können. 

Was hätten Sie denn gerne mit ihm besprochen?

Ulbricht Ich hätte zum Beispiel auch mal gern über Mütter, und nicht nur immer mit Müttern geredet. Außerdem kann man über Themen wie Sport eben am besten mit Männern reden. 

Und Ihre Frau war nie eifersüchtig darauf, dass Sie so viel Zeit mit anderen Frauen verbringen?

Ulbricht Nein. Sie war eigentlich immer froh, dass ich dieses Netzwerk hatte. Ich war mal eifersüchtig auf einen Kollegen, mit dem sie abends noch etwas trinken gegangen ist. 

Kennen Sie denn auch die Situation, dass Ihre Frau gestresst von der Arbeit nach Hause kommt, auf nichts mehr Lust hat, Sie würden aber eigentlich gerne Zeit mit ihr verbringen?

Ulbricht Es kommt schon vor, dass sie gestresst von der Arbeit zu mir in die Küche kommt und erst einmal darüber schimpft, dass es nicht ordentlich genug ist. Um dann anschließend mit den Kindern zu essen und danach mit ihnen Cello zu üben - ohne ein Wort der Würdigung, das ist schon mal schwierig. Früher habe ich in meinem falschen Männerstolz immer gedacht, sie müsste sich groß bedanken. 

Und heute?

Ulbricht Heute weiß ich, dass das Quatsch ist. Wir haben eben beide unsere Aufgaben, und ich zwinge sie nicht dazu, abends noch etwas im Haushalt zu machen. Dafür muss sie damit leben, dass das Essen noch nicht auf dem Tisch steht, wenn sie mal früher nach Hause kommt. 

Haben Sie denn jetzt ein anderes Verständnis für Hausfrauen entwickelt?

Ulbricht Manche Sachen kann ich nicht verstehen. Den Spruch 'Jetzt kannste mal sehen, was Hausfrauen früher geleistet haben' zum Beispiel. Es ist nicht so viel Stress, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, wie immer behauptet wird. Ich gebe zu, ich habe das Glück, dass meine Kinder auch immer gesund waren. Wenn sie viel krank sind, ist das sicher noch mal anders. Aber zuhause zu sein hat so viele schöne Seiten. Man geht viel mit den Kindern spazieren und kann sich den Tag  selbst einteilen. Vielleicht kann ich es aber auch besonders genießen, weil ich immer weiß, das macht sonst so kaum ein anderer Mann. 

Und was noch?

Ulbricht Wie man sich ganz auf das Muttersein reduzieren lassen kann. Wenn die Kinder noch Babys sind, ist das okay, aber irgendwann ist es dann auch genug. Und es tut gut, wenn die Kids dann eigene Freunde haben und Hobbys entwickeln. Es hat gut getan, wieder arbeiten gehen zu können. 

Sie haben es immerhin geschafft, ihren Traum vom Schriftstellerleben zu verwirklichen. 

Ulbricht Ja, genau. Meine Frau finanziert mir sozusagen meine Selbstverwirklichung. Aber es ist mehr als das. Ich bin wirklich gerne mit meinen Kindern zusammen. Es macht sehr viel Spaß und ich bin froh, dass ich so eine enge Bindung zu ihnen aufbauen kann. Und wenn ich dann zwischendurch am Tag so dasitze, in die Sonne schaue und einen Kaffee trinke, dann bin ich mit meinem Leben schon sehr zufrieden. 

Ihre Kinder sehen allerdings, dass bei ihren Freunden eher die Mutter Zuhause bleibt. Was sagen sie dazu? 

Ulbricht Es stört sie nicht, sie kennen es ja nicht anders. Dafür kriege ich es eben genauso ab wie andere Mütter. Wenn das Essen nicht schmeckt, werde ich von meinen Kindern angemotzt - und nicht meine Frau. 

Ihr Tipp an alle Mütter?

Ulbricht Geben Sie den Männern ruhig mal die Kinder an die Hand und lassen Sie sie mit ihnen alleine. Männer wollen das nämlich meistens sogar. Gerade bei meinen Lehrerkollegen bleibt immer die Frau zuhause. Das müsste wirklich nicht sein. Klar ist es eklig, wenn die Windel voll ist und nervig, wenn das Kind nicht aufhört zu schreien, aber letztlich habe ich nie die Nerven verloren. Ich war höchstens mal entnervt. 
 

Arne Ulbrichts Buch "Mama ist auf Dienstreise. Wenn Eltern die Rollen tauschen" ist im Vandenhoeck & Ruprecht Verlag erschienen. 

 
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