Gegen Meningitis-Erreger
Neue Impfung schützt Babys vor lebensgefährlicher Hirninfektion

Gegen Meningitis-Erreger: Neue Impfung schützt Babys vor lebensgefährlicher Hirninfektion
FOTO: shutterstock/ Dmitry Lobanov
Köln. Meningokokken lösen eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten in Deutschland aus, die vor allem für Kinder oder Immunschwache tödlich sein kann. Jetzt kann man gegen den Typ B, der hier am meisten verbreitet ist, impfen. Von Tanja Walter

Rund zehn Prozent der Deutschen tragen das Bakterium im Nasen-Rachen-Raum mit sich herum, ohne es zu spüren. Treffen die Meningokokken jedoch auf ein geschwächtes Immunsystem, können sie vor allem für Kinder lebensgefährlich werden. In 70 Prozent der Fälle steckt der Meningokokken-Serotyp B dahinter, gegen den man bislang vorbeugend nichts tun konnte. Etwa jeder zehnte, der an dieser Meningokokken-Infektion erkrankt, stirbt.

Das sind die Meningitis-Erreger FOTO: AFP

Gegen diese Typen impft man schon lange

Sich gegen Meningokokken impfen zu lassen, ist an sich nichts Neues. Gegen den wichtigsten Erreger der gefährlichen Hirnhautentzündung allerdings war man bislang machtlos. Bisher konnten Eltern ihren Sprösslingen die schützende Spritze gegen Typ C, der beispielsweise in England, Spanien oder auch in einigen Regionen Deutschlands gehäuft auftritt sowie gegen die Typen A, Y und W135 geben lassen. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ab zwei Monaten kann man Babys nun gegen den Seroptyp B immunisieren. Er ist bei Säuglingen für 85 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich, bei Erwachsenen für 70 Prozent.

Nach Informationen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte tritt die durch den B-Typ ausgelöste Erkrankung in Deutschland etwa 400 Mal pro Jahr auf. Die Bakterien werden per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Ein Anniesen oder Anhusten reicht, um sich mit den hochansteckenden Erregern zu infizieren und eine Meningitis auszulösen. Die häufigsten Ansteckungen ereignen sich im Säuglingsalter, sagen die Kinderärzte.

Daran erkennt man eine Meningitis

"In der Praxis sind Meningokokken-Infektionen besonders gefürchtet, da diese Erkrankung sehr schnell verläuft und tatsächlich innerhalb von 24 Stunden auch tödlich enden kann. Bereits zwei bis vier Tage nach der Ansteckung treten zunächst unspezifische Symptome wie Unwohlsein und Kopfschmerzen auf – oft verbunden mit hohem Fieber", erklärt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Das Krankheitsbild kann sich durch Schüttelfrost, Schwindel und Erbrechen ergänzen. Typisches Zeichen einer Hirnhautentzündung ist die Nackensteifigkeit. Betroffene Patienten überstrecken häufig das Hohlkreuz und drücken den Kopf ins Kissen, als wollten sie es aufspießen. In schweren Fällen kommt es zu kleinen Blutungen, die sich in roten Hautflecken äußern. Bei Babys äußert sich die Erkrankung zunächst wie eine Grippe: Die Kinder schreien viel und verweigern das Essen. Auch können Krämpfe auftreten, bei der sich die Fontanelle zwischen den Schädelplatten vorwölbt.

Wer bei seinem Kind eine Meningitis vermutet, der sollte schnell handeln. "Blutvergiftungen können auftreten, und nicht selten kommt dann jede Hilfe zu spät", warnt Hartmann. Selbst bei Kindern, die gerettet werden, kommt es manchmal zu Spätfolgen wie Hörverlust oder Krampfleiden sowie Behinderungen wie Hirnschäden oder dem Verlust von Gliedmaßen durch Amputation.

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut hat die Impfung zwar noch nicht in den Impfkalender aufgenommen. Doch erwarten die Kinderärzte, das das schnell geschehen wird und damit dann auch von allen Krankenkassen bezahlt wird. Derzeit empfiehlt es sich vor dem Pieks mit seiner Kasse über eine Kostenübernahme zu verhandeln. Verweisen können Sie dann auf andere Bundesländer. Die Sächsische Impfkommission zum Beispiel hat die Immunisierung gegen den Typ B für Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und 18 Jahren ab Januar 2014 empfohlen.

(wat)
 
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