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Medizin
Risiko Eileiterschwangerschaft

Medizin: Risiko Eileiterschwangerschaft
Starke Unterleibsbeschwerden und Schwindel zählen zu den Symptomen einer Eileiterschwangerschaft. (Symbolbild) FOTO: Shutterstock/Leszek Glasner
Düsseldorf. Der Schwangerschaftstest ist positiv, die Regel bleibt aus - für viele ist das ein Grund zu größter Freude. Doch manchmal hält die Freude nur wenige Wochen. Kommt es zur Eileiterschwangerschaft, muss diese sofort abgebrochen werden. Sonst kann sie zur Lebensgefahr werden. Von Tanja Walter

Manchmal läuft eine Schwangerschaft am falschen Ort ab. Dann schafft es die befruchtete Eizelle nicht innerhalb von vier bis fünf Tagen durch den Eileiter bis zur Gebärmutter, um sich dort einzunisten. In einem von hundert Fällen ist das so.

Dennoch scheint alles wie bei einer normalen Schwangerschaft: Die Regel bleibt aus, die Brüste beginnen zu spannen und der Schwangerschaftstest ist positiv. Der Grund: Der Spiegel des Schwangerschaftshormons (HCG-Wert) steigt in Blut und Urin an. Er gilt als frühester Marker einer Schwangerschaft.

Jähes Ende einer Schwangerschaft

Noch deutet äußerlich nichts darauf hin, dass mit der Schwangerschaft etwas nicht in Ordnung sein könnte. Dennoch ist schon in diesem frühen Stadium klar, dass der heranreifende Embryo niemals zum Fötus weiterreifen wird und zur Welt gebracht werden kann. Da er am falschen Ort wächst, wird es keine Chance geben, ihn in die Gebärmutter zu überführen.

Ektope Schwangerschaft ist der medizinische Fachbegriff für das, was die meisten als Eileiterschwangerschaft bezeichnen. Sie bedeutet nach dem Glücksgefühl, schwanger zu sein, meist einen seelischen Tiefpunkt für die betroffenen Frauen und deren Partner. Zwar ist bekannt, dass das Risiko, eine Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen zu verlieren, am höchsten ist, doch steckt jedes Paar eine solche Diagnose anders weg. Das weiß auch Tanja Fehm, Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf. Vor allem für Paare, die die Schwangerschaft oft nach erheblichen Mühen über eine künstliche Befruchtung erreicht haben, sei die Diagnose schwer zu verkraften. "Auch Frauen über 30 bis 40 Jahre, die ihre "biologische Uhr" ticken hören, empfinden diese Situation als belastend", sagt Fehm.

Unerkannte Eileiterschwangerschaft bedeutet Lebensgefahr

Nur ein schwacher Trost scheint in einem solchen Moment die meist frühe Diagnose in der sechsten oder siebten Woche, also einem noch sehr frühen Schwangerschaftsstadium. Diese frühzeitige Diagnostik ist der Schwangerschafts-Vorsorge in Deutschland zu verdanken, sagt Fehm. In Deutschland wird die Eileiterschwangerschaft meist in einer der ersten Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. "In den USA sterben hingegen immer noch Frauen durch Eileiterschwangerschaften", sagt Birgit Seelbach-Göbel, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Dabei lässt sich bei einer Ultraschalluntersuchung relativ leicht feststellen, ob die Fruchthöhle in der Gebärmutter angekommen ist oder nicht. Liegt eine Eileiterschwangerschaft vor, hat die Eizelle den Eileiter in 95 Prozent der Fälle erst gar nicht verlassen.

Oft sind Störungen im Transport der befruchteten Eizelle oder Verwachsungen, Gewebewucherungen oder Beschädigungen des Eileiters der Grund dafür, sagt Seelbach-Göbel. Die Eizelle nistet sich dann an dessen Wand ein. Wächst nun der Embryo weiter, dehnt er den Eileiter gefährlich auf. Wird das nicht rechtzeitig erkannt, reißt er unter diesem Druck, und es kommt zu lebensgefährlichen inneren Blutungen. Ähnliche Komplikationen drohen auch, wenn sich das befruchtete Ei im Muttermund, in der Muskelwand der Gebärmutter, im Eierstock oder in der Bauchhöhle entwickelt.

Grundsätzlich kann zwar jede Frau eine Eileiterschwangerschaft erleiden, doch gibt es einige Voraussetzungen, die ein höheres Risiko dafür mit sich bringen. Dazu zählen:

  • Unterleibsentzündungen: Entzündungen der Eileiter, des Gebärmutterhalses oder daran angrenzende Gewebe können Eileiterschwangerschaften nach sich ziehen.
     
  • Zurückliegende Bauch- oder Beckenoperationen: Manchmal führen beispielsweise Blinddarmentzündungen zu Verwachsungen im Bauchraum und einer Verengung des Eileiters.
     
  • Chlamydieninfektion: Häufig bleibt diese bakteriell verursachte Geschlechtskrankheit unentdeckt, führt aber zu Schäden oder Narben im Eileiter.
     
  • Endometriose: Frauen mit dieser Erkrankung leiden an Entzündungen, die durch versprengte Gebärmutterschleimhaut am Bauchfell verursacht werden. Heftige und schmerzhafte Regelblutungen können ein Hinweis darauf sein. Durch die Wucherungen werden die Eileiter undurchgängig oder vernarben.

    Wenn Sie mehr über das Thema Endometriose wissen wollen, lesen Sie hier weiter.
     
  • Künstliche Befruchtung: Tritt die Schwangerschaft nicht auf natürlichem Wege ein, entscheiden sich Paare manchmal für eine künstliche Befruchtung. Nachteil der Vereinigung von Ei- und Samenzelle im Labor, auch In-Vitro-Fertilisation genannt: Das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft steigt.
     
  • Kupferspirale: Sollte es trotz der Verhütung mit einer Spirale zur Schwangerschaft kommen, ist das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöht.
     
  • Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für viele Erkrankungen und Komplikationen. So auch für eine Eileiterschwangerschaft.
     
  • Vorherige Eileiterschwangerschaft: Bei Frauen, die bereits eine Eileiterschwangerschaft hatten, erhöht sich das Risiko für eine weitere von 1 zu 100 auf statistisch 1 zu 10.
     
  • Alter: Mit fortschreitendem Alter steigt die Gefahr für eine solche Komplikation.

Diese Warnsymptome sollten Sie ernst nehmen

"Ein bis zweimal im Jahr passiert es, dass Frauen ihre Schwangerschaft nicht bemerkt haben und wir eine fortgeschrittene Eileiterschwangerschaft akut notfallmäßig behandeln müssen", sagt Fehm. Eines der wichtigsten Symptome sind in einem solchen Fall heftige Unterbauchschmerzen. Daneben sind folgende Beschwerden Warnhinweise für eine Eileiterschwangerschaft:

  • Einseitige Schmerzen im Unterbauch zählen zu den frühen Symptomen. Sie können leicht oder heftig sein und sollten in jedem Fall ärztlich untersucht werden, weil sie ein Hinweis auf eine Eileiterschwangerschaft sein könnten.
  • Vaginale Blutungen, die zu einem anderen Zeitpunkt als die übliche Monatsblutung auftreten oder in irgendeiner Art anders sind als normal, zählen ebenfalls als Warnhinweis. Die Blutung kann heller, dunkler, wässriger, stärker oder schwächer als gewohnter Weise sein.
  • Plötzlich einsetzende starke Schmerzen im Unterleib, Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Ohrensausen und Unwohlsein gelten als möglicher Hinweis auf eine nicht erkannte, späte Eileiterschwangerschaft.
  • Zu den späten Symptomen zählen zudem Schulterschmerzen, die durch innere Blutungen und in Folge einer Reizung des Zwerchfells auftreten können.
  • Schockzustand oder Zusammenbruch als Folge schwerer innerer Blutungen.

Je früher die ektope Schwangerschaft erkannt wird, desto eher kann man den betroffenen Eileiter erhalten. Die wachsende Eizelle wird dann bei einer Bauchspiegelung minimalinvasiv durch einen kleinen Schnitt aus dem Eierstock entfernt.

Operation oder medikamentöse Behandlung

Abhängig davon, wie hoch der Schwangerschafts-Hormonwert ist, wo die Eileiterschwangerschaft genau sitzt und wie beschädigt der Eileiter ist, kann jedoch auch eine Entfernung nötig sein. Auch diese ist minimalinvasiv über drei kleine Schnitte möglich. Nach einer Operation ist es notwendig, über einen drei bis viermonatigen Zeitraum zu beobachten, ob der Wert des Schwangerschaftshormons konstant abfällt.

"Geschieht das nicht, kann es der Hinweis sein, dass sich irgendwo Zellreste befinden, die nicht sichtbar waren", sagt Tanja Fehm. Diese werden dann mit dem Zellgift Methotrexat medikamentös behandelt. Möglich ist eine solche Behandlung auch, wenn die Eileiterschwangerschaft noch sehr klein ist. Durch das auch bei Krebserkrankungen eingesetzte Chemotherapeutikum, das in der Regel in den Gesäßmuskel oder über eine Vene gegeben wird, sterben die den Embryo umgebenden Zellen ab und damit auch schließlich das embryonale Gewebe. Es wird dann vom Körper selbst abgebaut.

 
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