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RTL besucht schwangere Annegret R. (65)
"Ich bin fit! Warum sollte sich das ändern?"

RTL-Extra: Vierlinge mit 65 - "total aufregend"
RTL-Moderatorin Birgit Schrowange traf die mit Vierlingen schwangere 65-Jährige zum Interview. FOTO: Pfeiffer / infoNetwork / RTL
Düsseldorf. Eine 65-jährige Berlinerin ließ sich künstlich befruchten und bekommt jetzt Vierlinge. RTL-Moderatorin Birgit Schrowange besuchte die Lehrerin – und machte das riskante Experiment mit Menschenleben zum Plauderthema. Von Philipp Stempel

Seit Sonntag ist Annegret R. mit ihrer Vierlings-Schwangerschaft in den Medien, exklusiv begleitet von "Bild" und RTL. Mediziner sind entsetzt über den Fall. Eine Mehrlingsschwangerschaft ist schon für eine Frau in jungen Jahren gefährlich. Größer noch ist das Risiko für die Kinder.

Jede zweite Vierlingsmutter muss den Tod oder die schwere Behinderung eines Kindes in Kauf nehmen, heißt es. Von einem "Experiment am Leben" spricht laut "Süddeutscher Zeitung" die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin.

Bei RTL kümmert sich am Montagabend Birgit Schrowange um das Thema. Sie wolle sich ein eigenes Bild machen von "Deutschlands umstrittenster Schwangerer". Dass es zum Zeitpunkt, als der Beitrag produziert wurde, noch gar keinen Streit um die 65-Jährige gegeben hat, weil ihr Fall noch nicht öffentlich bekannt war, sei nur am Rande angemerkt.

Man trifft sich zum Plauderstündchen im Haus der Grundschullehrerin. Mit dabei ist gelegentlich auch die neunjährige Tochter von Annegret R., das jüngste von insgesamt 13 Kindern. Die anderen sind schon erwachsen und ausgezogen. Vor der RTL-Kamera reden wollen sie lieber nicht. Das haben sie bereits in den 1990er Jahren beim Besuch einer RTL-Show getan.

"Total aufregend für eine Neunjährige. Dann bist du nicht mehr die einzige Prinzessin?" So klingt das nun bei Schrowange. Auch das Mädchen kommt zu Wort. "Ihre Falten stören mich nicht", sagt sie über ihre Mutter.

Wenn Schrowange mit dem Kind über die hochriskante Schwangerschaft der Mutter spricht, dann oftmals so wie über die einer ganz normalen Mutter. Dann befasst sich der Beitrag etwa mit der Frage, wie anstrengend es ist, mit vier Babys gleichzeitig den Alltag meistern zu müssen. "Sie hat ja gar keinen Mann", warnt Vierlingsvater Stefan Schindler im Rückblick auf die extreme Zeit. Annegret R. hingegen ist alleinerziehend.

Das Thema Verantwortung und Risiko streift Schrowange nur vorsichtig. Auch weil Annegret R. nicht darüber reden will. "Angst habe ich eigentlich nicht", sagt sie. Sie fühle sich ausgesprochen fit. "Warum sollte sich das ändern?" Schrowange attestiert der 65-jährigen Vierlingsmutter Optimismus. Kritisches Nachhaken bei den unangenehmen Fragen bleibt aus. Über den Verlauf der künstlichen Befruchtung will Annegret R. gar nicht reden.

Auch beim Arzt-Besuch ist RTL dabei. Der Gynäkologe Kai Hertwig sei wenig begeistert von der künstlich herbeigeführten Schwangerschaft, behandele sie jetzt aber wie eine ganz normale Patientin. Die Bilder vom Ultraschall zeigen die pulsierenden Herzen der Kinder im Bauch der Schwangeren, maximal drei passen gleichzeitig auf das Bild. "Zurzeit läuft das sehr gut", sagt der Frauenarzt. Sorge macht ihm die Frage, ob das Herz-Kreislaufsystem alles mitmacht.

Dabei zielt RTL auch wie üblich auf das Zwischenmenschliche. Beim Arztbesuch erzählt Dr. Hertwig, dass die werdende Mutter möglicherweise dauerhaft in der Klinik bleiben muss, wenn der Druck auf die Gebärmutter zu groß wird. Die kleine Tochter erschrickt. Das war ihr neu. Und RTL fragt besorgt: Wer kümmert sich dann um sie?

Für RTL und Birgit Schrowange gibt es viele Fragezeichen. Immer wieder werden Fragezeichen in den Raum gestellt. "Was geht in einer solchen Frau vor? Total egoistisch oder überdimensionale Mutterliebe?", heißt es an anderer Stelle.

Kritiker kommen nur indirekt zu Wort, indem man die Mutter darauf reagieren lässt. In ihren Augen ist das eine individuelle Entscheidung. Dass in Deutschland Befruchtungen mit einer fremden Eizell- und Samenspende verboten sind, hält sie für unsinnig. "Das muss man für sich selbst entscheiden". Mit 65 Jahren müsse man offensichtlich immer bestimmten Klischees entsprechen.

Am Ende stellt "RTL-Extra" wieder eine Frage: Darf eine Frau über sich selbst bestimmen? Der Zuschauer darf per kostenpflichtiger SMS abstimmen. 

Hier kann man sich den RTL-Beitrag im Web ansehen.

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