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Erster Schlaganfall-Lotse in Deutschland
Schlaganfall – Jeden Tag ein Kind
Die Ursachen für Schlaganfälle bei Kindern
Die Ursachen für Schlaganfälle bei Kindern FOTO: dpa, Patrick Pleul
Bremen. Mit sieben Jahren lag Marc auf der Stroke-Unit, einer Spezialintensivstation für Schlaganfallpatienten. Sein junges Alter schützte ihn nicht vor einem Hirnschlag. Jeden Tag erleidet ein Kind in Deutschland einen Schlaganfall. Viele von ihnen sind noch nicht einmal geboren. Von Tanja Walter

Es ist ein Irrglaube, Schlaganfälle seinen ausschließlich Sache der älteren Generation. Erbliche Faktoren wie eine erhöhte Thromboseneigung durch die Blutgerinnungsfaktoren II oder V., genetisch bedingte Bindegewebsschwäche, Stoffwechselstörungen oder eine Autoimmunerkrankung sind nur einige wenige der vielen Gründe, die es für ein solches Schicksal geben kann.

Jetzt ist hat in Bremen der erste Kinder-Schlaganfall-Lotse seine Arbeit aufgenommen. Er ist ansprechbar für Eltern wie für Ärzte und kann Spezialisten nennen. Kurz vor und kurz nach der Geburt ist das Risiko für ein Kind besonders hoch, vom Schlag getroffen zu werden. Ein Drittel der Kinder, die jährlich von diesem schicksalhaften Ereignis heimgesucht werden, sind Babys.

Die Risiken der Kinder

Im Pubertätsalter dann steigt das Risiko für einen Schlaganfall erneut an. Hormonumstellung, eventuell das Rauchen, die Einnahme der Pille – all das sind Faktoren, die dann ungünstig auf andere, vielleicht unbekannte Faktoren einwirken und den Schlaganfall verursachen. "Während bei Jugendlichen ab der Pubertät ähnlich wie bei Erwachsenen venöse Thrombosen zu 90 Prozent in den oberflächlichen und tiefen Beinvenen beobachtet werden, treten bei Neugeborenen und kleinen Kindern häufiger Nierenvenenthrombosen, Darmvenenthrombosen, Thrombosen der unteren oder oberen Hohlvene oder Thrombosen der Gehirnvenen auf", sagen Dr. Andrea Kosch, Dr. Ronald Sträter und Prof. Dr. Ulrike Nowack-Göttl, die in der Universitätsklinik in Münster seit vielen Jahren hunderte von Kindern betreuen, die dieses Schicksal teilen. Das UKM ist das deutschlandweit einzige Klinikum, das sich in einer Langzeitstudie mit dem Thema beschäftigt.

Bei einem Schlaganfall oder einer Thrombose kommt es zu einem teilweisen oder vollständigern Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel. Sind mehrere Arterien des Gehirns durch ein Blutgerinsel verstopft und behindern somit die Sauerstoffversorgung dort, kommt es zu einem Schlaganfall. "Von einer Thrombose hingegen spricht man, wenn ein venöses Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft ist", sagen die Experten.

Schwere Diagnose – späte Hilfe

Besonders schwierig macht die Behandlung eines Schlaganfalls oder einer Thrombose bei Kindern die Tatsache, dass sie sich so unterschiedlich zeigen können. Oft werden kommt es erst nach Wochen zur richtigen Diagnose. "Das Wissen um den kindlichen Schlaganfall sei in der Bevölkerung und in der Fachwelt gering", sagt die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe.

Der Bewegungsablauf kann gestört sein und das Kind plötzlich ein Bein nachziehen. Auch hinter unerklärlichen Sprachstörungen, Atemproblemen, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen und Bewegungsarmut vermag sich die Erkrankung verbergen. Kinder stecken mitten in der Hrinreifung. Das ist ihr Glück, denn so sind sie leichter in der Lage Ausfälle in Hirnbereichen noch auszugleichen. Das ist zugleich aber ihr Nachteil, denn dadurch treten Schäden, die entstanden sind oft erst nach Monaten oder Jahren in Erscheinung. Das macht eine Diagnose so schwer. Bei Neugeborenen kann es bis zum Erkennen einer Halbseitenlähmung sechs Monaten dauern.

Bundesweit erster Lotse als Ansprechpartner

Wird das Problem aber erkannt, sind die Heilungschancen groß und die Kinder können in ein normales Leben zurückkehren. Nur bei rund zehn Prozent der betroffenen Kinder bleiben nach einem Schlaganfall Beeinträchtigungen zurück, sagt der Deutsche Berufsverband für Neurologen und der Deutsche Berufsverband für Kinderpsychiatrie.

Wichtig aber ist dafür eine möglichst gezielte und speziell auf Kinder abgestimmte Behandlung. Um diese in Zukunft besser zu gewährleisten hat die Deutsche Schlaganfall-Hilfe einen Schlaganfall-Lotsen installiert. Der Kinderlotse ist Teil des sogenannten Versorgungszentrums Kindlicher Schlaganfall, einem Netzwerk von Experten und spezialisierten Einrichtungen, das die Deutsche Schlaganfall-Hilfe in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Finanziert wird die Stelle zunächst durch Spendenmittel der Stiftung. Außerdem unterstützt der Förderverein des Neurologischen Rehabilitationszentrums Friedehorst in Bremen das Projekt.

Quelle: wat/anch
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