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Neun Monate auf Instagram
Schwangerschaft im Live-Ticker

Schwangerschaft auf Instagram
Schwangerschaft auf Instagram FOTO: instagram/twists.and.turns
München. Eine Münchnerin betreibt den Instagram-Account "twists.and.turns", auf dem sie Tausende Unbekannte durch ihre Schwangerschaft begleiten. Von ihnen holt sich die 29-Jährige auch Ratschläge. Von Lena Köhnlein

Im September vergangenen Jahres postete Svenja auf ihrem Instagram-Account ein ganz besonderes Bild: Es zeigt sie selbst in einem Hochzeitskleid und ihren leicht gewölbten Bauch. Mit dieser Verkündung der Schwangerschaft begann der Live-Ticker bis zur Geburt von Töchterchen Frieda vor wenigen Wochen. Tausende folgten der 29-Jährigen auf ihrem Instagram-Profil "twists.and.turns".

Fast vier Millionen Beiträge zu #pregnant

Die junge Frau ist nicht die einzige, die ihre Schwangerschaft öffentlich in dem sozialen Netzwerk darstellt. Auf Instagram kann man kostenlos Bilder und Videos teilen. Diese können dann von Freunden, aber auch von Unbekannten kommentiert werden. Unter dem Hashtag (Stichwort) pregnant (schwanger) gibt es fast vier Millionen Beiträge - Tendenz steigend.

Ihren Account betreibt Svenja seit Februar 2015. Dort veröffentlicht die gebürtige Kölnerin, die bereits seit sechs Jahren in München wohnt, Bilder aus ihrem Alltag. Als die Kinderkrankenschwester schwanger wurde, beschloss sie, einfach weiterzumachen und auch die Schwangerschaft zu thematisieren. Bedenken hat Svenja, die Grundschullehrerin werden will und deshalb noch studiert, nicht. Denn sie achtet sehr auf die Privatsphäre und die Ästhetik der Bilder. "Einen nackten Bauch würde ich nie posten, auch mein Gesicht zeige ich selten", sagt die 29-Jährige. Stattdessen zeigt sie den wachsenden Bauch, hübsch in Kleidern, Blusen oder Pullis verpackt, erste Kinderbrei-Kochversuche oder ihr Abendessen. In kleinen Texten unter den Bildern lässt sie andere an ihrem Alltag und ihren Sorgen teilhaben.

Austausch mit anderen Müttern

Ein Austausch zu bestimmten Themen sei gerade durch neue Medien einfacher geworden, sagt Florian Mayer vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni Bamberg. Dieser Austausch sei für viele Frauen ein Grund, sich in den sozialen Netzwerken zu bewegen. Dazu ist eine Schwangerschaft ein besonderes Erlebnis. Es gibt viele Fragen und Sorgen. "Da tut es gut zu sehen, wie es anderen damit geht", sagt der Social-Media-Experte. Dass sich so viele für das Thema begeistern können und einer völlig Fremden auf Instagram folgen, ist gar nicht so abwegig: "Die Schwangerschaft auf Instagram hat auch einen narrativen Charakter, ähnlich wie bei einer Serie. Die User möchten wissen, wie es weitergeht." Außerdem sei eine Schwangerschaft visuell sehr gut umsetzbar. "Genau darum geht es ja bei Instagram", sagt Mayer.

So schreibt Svenja etwa am 22. Oktober: "Pünktlich zum Wochenwechsel ist es nun doch ein bisschen mehr geploppt"- dazu ein Bild von ihrem Bauch in einem weißen Shirt. Auch dass der Nachwuchs ein Mädchen wird, dürfen die Follower sofort erfahren. "Guten Morgen, ihr Lieben! Wir starten noch einmal in eine aufregende Woche. Mal sehen, was sie alles bereit hält", schreibt Svenja zu einem Foto des Baby-Bettes mit selbstgebasteltem Wolken-Mobile. An diesem Tag und am nächsten Morgen folgt kein Foto mehr. Die Abonnenten bemerken es: "Ich hab da so ein Gefühl"; "So lange nichts von dir gehört...? Ist es vielleicht schon so weit...?" oder "Ich fiebere mit!" sind einige der Kommentare.

Ein großes Thema: Schlafmangel

Einen Tag später folgt die Auflösung: Das erste Bild der kleinen Frieda - zumindest ein Teil von ihr, denn komplett zu Gesicht bekommen, werden sie die Follower nie, betont Svenja. Online bezeichnet sie die Kleine in vielen Posts auch häufig als "Little F.". Seit der Geburt veröffentlicht sie trotz Baby-Stress und Studium weiterhin täglich Bilder, erzählt von ihrem Leben als junge Mutter - ein großes Thema: Schlafmangel. Und sie holt sich auch Ratschläge, etwa beim Thema Schnuller: "Wie das Stillkind daran gewöhnen?", fragt sie die Internet-Gemeinde. Darauf erhielt sie rund 140 Antworten. "Als junge Mutter sehe ich den Kanal auch als Hilfe, denn im realen Leben hat man weniger Zeit, sich mit anderen Müttern auszutauschen."

Neben den positiven Aspekten gibt es auch einiges zu beachten. So sollten Nutzer von Online-Plattformen nicht zu viel von sich preisgeben - vor allem keine Identifizierungsmerkmale, sagt Florian Mayer. Er rät generell zu einem Umdenken der Gesellschaft. Es gehöre heute dazu, auch etwas Privates im Internet zu veröffentlichen. Schließlich würden auch Frauen in der Öffentlichkeit ihre Schwangerschaft leben, ohne dafür kritisiert zu werden. Heftige Kritik musste Svenja noch keine einstecken. Sie kontrolliert ihre Follower aber auch. "Wenn mir etwas seltsam vorkommt, blockiere ich die Person auch."

Quelle: RP
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