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Kinder vor heißen Gefahren schützen
Schwerste Verbrühungen durch eine Tasse Tee
Erste Hilfe bei Verbrennung und Verbrühung
Erste Hilfe bei Verbrennung und Verbrühung FOTO: AOK
Berlin. Heißer Punsch oder kuschelige Wärmflaschen können für Kinder zur Gefahr werden. Der Inhalt einer einzigen Tasse heißen Tees genügt, um bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kindes zu verbrühen. Sie hinterlassen Narben für ein ganzes Leben. Von Tanja Walter

Brandverletzungen bei Kindern verändern oft das Leben einer ganzen Familie. Die Verletzungen, die Kinder durch heiße Flüssigkeiten, Verbrühungen beim Inhalieren, heiße Ofenscheiben, Verpuffungen beim Fondue oder Silvesterkracher erleiden sind nicht nur sehr schmerzhaft. Schwere Verbrennungen oder Verbrühungen ziehen langwierige Behandlungen nach sich, machen manchmal Hauttransplantationen notwendig und haben lebenslange Narben zur Folge.

Sichtbare Male

Am häufigsten sind es Kopf, Gesicht und Oberkörper, auf denen sich die Verbrennungsmale für immer abzeichnen. Es kann der Flaschenwärmer sein, ein Wasserkocher, ein Teller Brei oder Kannen und Kochtöpfe mit heißem Inhalt, in die der Nachwuchs neugierig einen Blick werfen will. Sie können unerwartet zur gefährlichen Falle werden. Heruntergezogen ergießt sich der heiße Inhalt über die neugierigen, kleinen Späher und verletzt sie mitunter so schwer, dass die Verbrühungen tiefe Male hinterlassen. Schon zehn Sekunden mit über 50 Grad heißer Flüssigkeit reichen aus, um die Haut von Kindern vollständig zu zerstören.

Mehr als 30.000 Kinder werden in jedem Jahr Opfer solcher ungewollten Verbrühungen, die ärztlich versorgt werden müssen. Rund 6.000 von ihnen erleiden so schwere Verletzungen, dass sie stationär behandelt werden müssen. "Gerade jetzt behandeln wir gehäuft Kinder mit Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten und vermehrt Kinder mit Kontaktverbrennungen an Ofenscheiben", berichtet Dr. Axel Hennenberger, Chefarzt der Schwerbrandverletztenabteilung am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg.

Je jünger das Kind, desto schlimmer die Schäden

Verbrühungen und Verbrennungen sind die zweithäufigste Ursache für Unfälle im Kleinkindalter, die im Haushalt passieren. Den größten Schaden richten sie bei kleinen Kindern an. Denn ihre Haut ist noch sehr dünn und bildet dickere Narben. Nur einen halben Millimeter ist bei Kindern der schützende Hautmantel dick. Die Haut von Erwachsenen ist fünf Mal dicker. "Deshalb erleiden Kleinkinder auch viel schneller tiefere und schwere Brandverletzungen als Personen anderer Altersgruppen", erklärt Prof. Dr. Karin Rothe, Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie ab der Charité in Berlin.

Leichte und oberflächliche Verletzungen – auch Verbrennungen ersten und Grades und Grad uu a genannt – sind zwar schmerzhaft, heilen in der Regel aber innerhalb kurzer Zeit folgenlos ab, sagt die Chirurgin. Die Haut ist an diesen Stellen gerötet oder bildet Blasen. Tiefer gehen Verbrühungen und Verbrennungen des Grades II b oder III. Die Haut ist bei diesen Graden so zerstört, dass sie sich nicht regenerieren kann und als Ersatzgewebe Narben bildet. Die sind oftmals wulstig, erhaben, gerötet und jucken stark. "Das liegt daran, dass in der Wachstumsphase die Zellaktivität des kindlichen Organismus deutlich erhöht ist. Das führt zu einer Überproduktion von Bindegewebe während der Wundheilung", erläutert Prof. Rothe, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie.

Körperliche Einschränkungen nach Verbrennung

Kinder, die solche schwerste Verbrühungen erlitten haben, müssen ein Leben lang höchste Disziplin bei der Narbenpflege zeigen und können keinen Sport mehr treiben. Durch die Zerstörung der Haut sind auch die Schweißdrüsen mit zerstört worden.

Es kann sogar vorkommen, dass der Körper Wucherungen bildet, die über die eigentliche Wundstelle hinausgehen. Sichtbare Narben sind dann häufig nicht nur ein kosmetisches Problem, Sie führen zu Ausgrenzung und Schamgefühl bei den Kindern und können sogar körperliche Funktionsstörungen mit sich bringen. Denn wird das Kind größer, wächst zwar die Haut mit, nicht aber die Narben. Sitzen diese an Gelenken, können sie die Beweglichkeit einschränken und das Wachstum behindern. Im schlimmsten Fall versteifen die Gelenke. "Solche narbenbedingten Versteifungen müssen wir dann operieren und chirurgisch nachkorrigieren", erklärt Prof. Karin Rothe.

Mit einer guten Narbenpflege können Eltern und Angehörige nach einer Verbrühung dazu beitragen, dass es so nicht kommen muss. Gut gepflegte Narben werden weniger häufig schwulstig. Wird das narbige Gewebe zudem von Anfang an gut bewegt und gedehnt, kommt es seltener zu Problemen. Zur Narbenpflege zählt dabei unter anderem die tägliche Massage mit rückfettenden Cremes. Die Haut wird dadurch weicher und Narben flacher.

Quelle: wat/anch/csr
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