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Serie "Mein gesundes Kind" Folge 9
Sucht - So schützen Eltern ihre Kinder
Rauchen, Kiffen, Komasaufen - das sagt das Jugendschutzgesetz
Rauchen, Kiffen, Komasaufen - das sagt das Jugendschutzgesetz FOTO: AP, AP
Düssel. Alkohol, Zigaretten, ungesunde Ernährung: Eltern haben eine Schlüsselrolle als Vorbilder und sollten mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, einen besonnenen und maßvollen Umgang mit Suchtmitteln aller Art zu zeigen. Das soziale Umfeld ist ebenfalls entscheidend; erbliche Faktoren spielen keine besonders große Rolle. Von Michael Wenzel

Was ist Sucht aus wissenschaftlicher Sicht?

Die Hirnforschung erklärt die Entstehung von Sucht mit einer Fehlsteuerung der Mechanismen, über die positive Handlungen oder Verhaltensweisen im Gehirn belohnt werden. So kann ein Kuss als Zeichen der liebevollen Bindung zwischen Eltern und Kind oder zwischen Verliebten im Gehirn Hormone freisetzen, die ein Gefühl von Glück auslösen.

Nicht nur Handlungen, die unterbewusst einen sozialen Vorteil versprechen, sondern auch Essen und Trinken werden auf diese Weise belohnt. Das Problem ist die Gewöhnung: Denn gerne verlangt der Körper nach mehr des Guten. Aus dem gesteigerten Verlangen kann eine zwanghafte Abhängigkeit, eine Sucht, entstehen.

Was kann süchtig machen?

Alkohol und Tabak sind seit Jahrtausenden bekannte und wegen der gesellschaftlichen Akzeptanz leicht erhältliche Drogen. Das Nikotin im Zigarettenrauch und der Alkohol verändern die sensiblen Stoffwechselvorgänge im Gehirn und sorgen für ein trügerisches Glück.

Andere Suchtmittel imitieren körpereigene Botenstoffe, deren Produktion als Antwort auf einen regelmäßigen Konsum heruntergefahren wird und die vom Suchtmittel ersetzt wird. Die Wirkstoffe bestimmter Medikamente und illegaler Drogen wirken meist stärker als ihre natürlichen Gegenstücke und können daher auch schneller in eine Abhängigkeit führen.

In Deutschland sind Alkohol- und Tabakkonsum die häufigsten Ursachen für Suchterkrankungen bei Kindern. Aber auch Verhaltensweisen können süchtig machen: der Nervenkitzel beim Diebstahl, Essen über den Appetit hinaus oder exzessiv betriebener Sport. Computer- oder Videospiele, Mobiltelefonieren und SMS oder Chatten im Internet gehören ebenfalls dazu.

Können Kinder auch süchtig nach Süßigkeiten werden?

Es gibt Parallelen zwischen einer Drogensucht und der Lust auf Süßigkeiten, aber Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich dabei nicht um eine Suchterkrankung handelt. Schokolade zum Beispiel enthält die Aminosäure Tryptophan, die vom Körper in den stimmungsaufhellenden Botenstoff Serotonin umgewandelt wird. Tryptophan liegt noch viel konzentrierter in Nahrungsmitteln wie Sojabohnen oder Cashew-Kernen vor, für die eine Sucht unbekannt ist.

Zudem bevorzugen Kinder eher helle Schokoladensorten, die aber weniger Tryptophan enthalten als die dunklere Zartbitterschokolade. Das Suchtverhalten folgt hier eher dem psychologischen Phänomen, dass Kinder immer danach verlangen, was sie nicht bekommen sollen.

Sind Kinder verstärkt gefährdet?

Wie die Forschung zeigt, wird der Konsum von Kindern und Jugendlichen weniger durch erbliche Faktoren als durch ihr soziales Umfeld geprägt. So weisen Kinder aus alkoholbelasteten Familien ein bis zu sechsmal höheres Risiko auf, selbst abhängig zu werden.

Was können Eltern tun, um einer Sucht ihrer Kinder vorzubeugen?

Eltern haben zweifellos eine Schlüsselrolle als Vorbilder und sollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, einen besonnenen und maßvollen Umgang mit Suchtmitteln aller Art zu zeigen. Damit Kinder zu selbstsicheren Persönlichkeiten heranreifen können, hilft die Vorgabe angemessener und fairer Regeln, wenn es zum Beispiel um die Nutzung von Medien wie Computern und Mobiltelefonen geht. Eltern können hier Alternativen anbieten, wobei die Gesundheit und Sicherheit des Kindes beste Argumente sind.

Wie erkennt man eine Sucht bei Kindern?

Ein typisches Anzeichen für eine Sucht ist der Drang, das Suchtmittel zu konsumieren, und der Verlust der Fähigkeit, aus eigener Kraft den Konsum einzuschränken. Auch können das Vernachlässigen sozialer Kontakte, von Pflichten und anderen Interessen, die nicht das Suchtmittel betreffen, Zeichen sein.

Die Pubertät ist eine Zeit großer Veränderungen, in der es sein kann, dass sich ein Kind verschließt, Schulprobleme entwickelt und Veränderungen im Freundeskreis auftreten. Entsprechend schwer ist es für die Eltern, in dieser Lebensphase eine Sucht zu erkennen. 

Was können Eltern tun, wenn ein Kind Suchtverhalten zeigt?

Wichtig ist es, das Vertrauen des Kindes zu behalten und das offene Gespräch zu suchen. Eltern sollten zeigen, dass sie besorgt sind, und ihrem Kind das Gefühl vermitteln, dass sie sich um das, was ihm widerfährt, kümmern.

Was wird für Kinder getan, um Suchterkrankungen vorzubeugen?

In diesem Zusammenhang kommt eine besondere Bedeutung dem gesundheitlichen Früherkennungsprogramm für Kinder und Jugendliche zu. Seit dem Jahr 1998 umfasst es die Untersuchung J1 für Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren. Sie umfasst neben der Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustandes auch das vertrauliche Gespräch mit dem Hausarzt.

Dabei können als "erwachsen" geltende Themen wie Drogen, Essstörungen oder Probleme in der Familie, im Freundeskreis oder der Schule besprochen werden. Den Termin kann das Kind auf Wunsch selbstständig oder mit seinen Freunden wahrnehmen. Der Arzt unterliegt dabei – trotz Minderjährigkeit der Patienten – seiner Schweigepflicht.

Quelle: RP/anch/csi
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