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"Mein gesundes Kind" - Folge 6
Warum Impfen bei Kindern wichtig ist
"Mein gesundes Kind" - Folge 6: Warum Impfen bei Kindern wichtig ist
Der aktuelle Kalender der Ständigen Impfkommission erklärt, wann und wogegen man bei Kidnern vorbeugen sollte. FOTO: RKI/STändige Impfkommission
Köln. Kaum ein Thema in der Gesundheitsvorsorge ist so umstritten wie das Impfen. Die Angst vor Risiken ist groß, doch ernste Nebenwirkungen sind selten. Wogegen bei Kindern vorgebeugt werden sollte, zeigt der Kalender der Ständigen Impfkommission. Von Natalie Urbig

Köln Kaum ein Kind lässt sich gerne impfen. Die Angst vor der Spritze und das schmerzende Gefühl im Arm sind nicht angenehm. Auch Eltern stehen dem Thema Impfen oft zwiespältig gegenüber.

Ab wann kann ich mein Kind impfen lassen, wogegen sollte es am besten geimpft werden, und ist das Prozedere wirklich ungefährlich – oder fügt es dem Immunsystem gar Schaden zu? Kaum ein Thema in der Gesundheitsvorsoge ist so umstritten wie das Impfen. Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko), klärt im Gespräch mit unserer Zeitung auf über Möglichkeiten und Risiken der Schutzimpfungen.

Warum überhaupt impfen?

Impfungen beugen vor. Sie verhindern, dass Kinder oder Erwachsene bestimmte Infektionskrankheiten bekommen. Doch nicht nur den Einzelnen schützt solch eine Immunisierung. Rasend schnell können sich Krankheiten in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten verbreiten und sich dort zu Epidemien entwickeln.

Wenn die Mehrzahl der Menschen geimpft ist, können solche Massenerkrankungen verhindert werden. Lange Zeit waren Pocken eine weit verbreitete und schreckliche Krankheit. Durch Impfungen ist es gelungen, diese Krankheit auszumerzen. Bei der Kinderlähmung werden ähnliche Erfolge verzeichnet: Seit 2002 gilt Europa als poliofrei.

"Wir sprechen von einer Herdenimmunität", sagt Jan Leidel. "Je mehr Menschen geimpft sind, desto eher können auch diejenigen geschützt werden, die sich nicht impfen lassen wollen oder die es aus gesundheitlichen Gründen nicht können."

Keine Impfpflicht

Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Deutschland keine Pflichtimpfungen mehr. Geimpft wird nur mit dem Einverständnis der Eltern oder des volljährigen Kindes. Dazu gehört eine genaue Aufklärung über den Ablauf und die möglichen Risiken. Die Eltern dürfen entscheiden, ob und wogegen ein Kind geimpft wird. Dennoch rät der Experte davon ab, einen Impfplan auf eigene Faust zusammenzustellen. "Eltern empfehlen wir, dass sie sich nach dem Impfkalender richten."

Impfkalender befolgen

Bei dem sogenannten Impfkalender handelt es sich um eine Empfehlung, die von der Stiko gegeben wird. Aus den bereits vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) oder den in ganz Europa zugelassenen Impfstoffen trifft die Stiko ihre Auswahl.

Dabei werden die Stoffe noch einmal einer genauen Prüfung unterzogen. "17 Experten, unterstützt von Wissenschaftlern des RobertKoch-Instituts, wälzen manchmal bis zu einem Jahr die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und achten genau auf Effektivität und Sicherheit", erklärt Leidel.

Die Kalender seien so zusammengestellt, dass Eltern nicht mehr vor der Entscheidungsschwierigkeit stehen, gegen was geimpft werden soll und was zu viel des Guten wäre. Ein weiterer Vorteil: Seit 2007 sind die Krankenkassen dazu verpflichtet, Impfungen zu übernehmen, die in der sogenannten Schutzimpfungsrichtlinie aufgenommen sind.

Wogegen impfen lassen?

Zurzeit empfiehlt die Stiko die erste Impfung für Kinder im Alter von zwei Monaten. Mit einer Sechsfachimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hämophilus influenza Typ b (HiB), Poliomyelitis und Hepatitis B. Am gleichen Tag zur gleichen Stunde empfiehlt es sich auch noch, eine Impfung gegen Pneumokokken vorzunehmen.

Mit zwei Pieksern ist das Baby so vor gleich sieben Krankheiten geschützt. Wiederholt werden sollten die Impfungen dann in Monatsabständen, einmal mit drei, mit vier – und das letzte Mal im Alter von elf bis 14 Monaten. Ab zwölf Monaten kann das Kind dann auch gegen Meningokokken, Windpocken sowie Masern, Mumps und Röteln geimpft werden, wobei letzteres auch mit einer Kombinationsspritze erreicht wird.

Danach ist eine Grundimmunisierung des Kindes erreicht, die zum Teil im Schuleintrittsalter und dann noch einmal mit neun bis 17 Jahren aufgefrischt werden sollte. Überfordern Kombinationsimpfungen das Kind?

Der Experte von der Stiko kennt die Bedenken der Eltern, wenn es um Kombinationsimpfungen geht. Gerade die Sechsfachimpfung im Babyalter wird häufig in Frage gestellt. Bedenken, die Leidel nicht teilt.

Es komme nicht darauf an, gegen wie viele Krankheiten eine Impfung schützt, sondern wie viele Antigene in dem Stoff enthalten sind. Bei der früheren Keuchhusten-Impfung seien es viele hundert gewesen, heute enthalte die Sechsfach-Impfung noch knapp 30. Und möglichst viel Schutz mit wenig Pieksern ist wohl auch im Interesse der Kleinen.

Wieso noch gegen Diptherie und Kinderlähmung impfen lassen?

"Hier ist das Problem, dass die Schutzimpfungen so erfolgreich sind", sagt Leidel. Beides waren Krankheiten, die vor einiger Zeit noch in Deutschland gewütet haben und zahlreiche Todesfälle forderten. "Der Schrecken ist den Menschen nicht mehr bewusst, da erinnert man sich höchstens noch an den Arm, der nach der Impfung weh getan hat", sagt Leidel.

Das stehe jedoch in keinem Verhältnis zu der Bedrohung, die von den Krankheiten ausgeht. Seit 2002 sei Deutschland zwar poliofrei, doch gab es erst kürzlich noch einen Ausbruch in Tadschikistan. "Solange diese Krankheiten nicht weltweit ausgerottet sind, werden wir weiter immunisieren müssen", sagt der Experte. Impfschäden und Schadensersatz

Bei kaum einem Thema in der Medizin ist die Angst vor Gefahren so hoch wie beim Impfen. "Impfen schadet mehr, als es nützt", so die Worte der Kritiker. Das stimmt so nicht. Im Gegenteil: "Im Vergleich zu anderen Arzneimitteln sind ernste Nebenwirkungen bei Impfungen deutlich seltener", sagt Leidel.

Die Zeiten, in denen Pockenimpfungen sogar Todesopfer forderten, sind vorbei. Auch bei den Schluckimpfungen gegen Kinderlähmungen traten gelegentlich Nebenwirkungen in Form von Lähmungen auf. "Das hat man damals in Kauf genommen, um Tausende vor Krankheit oder gar Tod zu schützen", erklärt der Stiko-Vorsitzende. "Heute ist das nicht mehr tolerabel."

Außerdem: Für Gesundheitsschäden, die durch eine öffentlich empfohlene Impfung auftreten, haben die Betroffenen laut Infektionsschutzgesetz einen Anspruch auf Entschädigung.

Quelle: RP
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