| 10.23 Uhr
Serie "Mein gesundes Kind" Folge 11
Was Eltern erlauben sollten - und was nicht
Fastfood! So dick machen die Burger und Pommes
Fastfood! So dick machen die Burger und Pommes FOTO: AP
Düsseldorf.  Unsere Leser haben uns zahlreiche Fragen rund um das Thema "Mein gesundes Kind" zukommen lassen. Wir haben fünf namhafte und erfahrene Ärzte unserer Region gebeten, die besonders typischen Fragen zu beantworten.

"Meine Tochter hat Dellwarzen in der Kniekehle und am Arm. Der Kinderarzt sagt, die Warzen gehen von allein weg. Der Hautarzt sagt: wegschneiden lassen, damit es nicht mehr werden. Wer hat Recht? (Uwe M. aus Rees)

Eberhard Berg (Kinderarzt aus Mönchengladbach) Dellwarzen entstehen durch eine Infektion durch Viren, meist durch Hautkontakt, manchmal durch Schwimmbadwasser. Die Warzen sind klein, glatt, eingedellt mit einem Durchmesser von zwei bis fünf Millimetern. Sie können auf der ganzen Haut auftauchen.

Gefährdet sind Ekzemstellen wie die Ellenbeugen oder Kniekehlen. In die rissige Haut können Warzenviren gut eindringen. Die Reaktion des Körpers ist erstaunlich gering. Während eine Infektion durch Bakterien Rötung, Schwellung und Eiterbildung hervorruft, rufen Warzenviren keine erhebliche Entzündungsreaktion hervor. Wenn Sie ein Jahr lang warten, werden die meisten Dellwarzen von alleine verschwunden sein, deshalb ist eine Therapie des verschärften Abwartens sinnvoll. Die Frage ist nur, ob in dieser Zeit aus einer Dellwarze ein Dutzend oder mehr geworden sind. Deshalb bevorzugen viele Ärzte die Entfernung.

Hier gibt es verschiedene Methoden: chirurgisch mit dem "scharfen Löffel", das Ausdrücken, die Vereisung oder die Behandlung mit einem hautreizenden Stoff. Dabei wird die Haut mit einer schwachen Säure so gereizt, dass eine Entzündung entsteht, die zum Absterben der Viren führt. Es haben also beide Recht, der Kinderarzt und der Hautarzt.

"Meine Tochter ist mit sieben Jahren schon 1,45 Meter groß. Ist es sinnvoll, eine Größenschätzung per Handknochen-Röntgen zu machen? Was sind die Gefahren?" (Anke S. aus Wegberg)

Eberhard Berg 1,45 Meter sind für ein siebenjähriges Mädchen tatsächlich sehr viel, wir rechnen zum siebten Geburtstag eher mit einer Größe von 1,15 Meter bis 1,35 Meter. Eine Untersuchung beim Kinder- und Jugendarzt ist sicher sinnvoll. Zunächst wird er die Größe der Eltern erfragen. Sehr große Eltern haben eben auch große Kinder.

Das wichtigste Untersuchungsinstrument ist die Wachstumskurve, die man aus dem Vorsorgeheft kennt. Die bisherigen Körpergrößen werden eingetragen und verbunden. Jetzt kann Ihr Arzt erkennen, ob die Größenkurve gleichmäßig ist, ihre Tochter also schon immer größer als die Gleichaltrigen war, oder ob aus einem durchschnittlichen Wachstum irgendwann ein Großwuchs geworden ist. Dies könnte auf eine hormonelle Störung hinweisen.

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt insbesondere auch auf Zeichen einer verfrüht einsetzenden Pubertät achten, auch hier würde es zu einem Knick in der Wachstumskurve kommen. Auch eine Blutuntersuchung kommt infrage, so zum Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion. Um die zu erwartende Endgröße per Formel auszurechnen, braucht man die aktuelle Größe, das Gewicht, die Elterngröße und das Knochenalter der linken Hand. Dafür wird sie geröntgt. Das bedeutet zwar eine Strahlenbelastung, die jedoch akzeptabel ist.

Das Handknochen-Röntgen ist nur ein Puzzleteil in einer Untersuchung, die erst in der Zusammenschau zuverlässige Aussagen zulässt.

"Meine Kinder spielen viel draußen und haben auch schon Zecken mitgebracht. Ist eine Impfung gegen FSME sinnvoll?" (Sabine G. aus Duisburg)

Eberhard Berg Nein. Die Viren der Frühsommer-Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Gehirnhäuten), gegen die wir einen Impfstoff haben, kommen in NRW praktisch (noch) nicht vor. Wenn aber ein Urlaub in Baden-Würtemberg, Bayern oder Österreich ansteht, kann Impfen sinnvoll sein. Gegen die andere Erkrankung, die Zecken übertragen, die Borreliose, gibt es keinen Impfstoff.

Allerdings handelt es sich bei den Erregern, den Borrelien, um Bakterien, die, anders als FSME-Viren, mit Antibiotika behandelt werden können. Da sich die Borrelien im Darm der Zecke aufhalten, dauert es lange, bis sie bei einem Stich in den Körper übertreten. Deshalb ist der beste Schutz, die Kinder abends auf Zecken abzusuchen und diese zu entfernen - am besten mit einer Pinzette, flach über der Haut, ohne den Bauch der Zecke zu quetschen. Videos dazu gibt es im Internet.

"Wie viel Schlaf braucht meine zwölfjährige Tochter? Wir finden, sie soll um 21 Uhr im Bett liegen, und zwar ohne Handy und elektronisches Spielzeug." (Matthias P. aus Hilden)

Prof. Ertan Mayatepek (Uni-Kinderklinik Düsseldorf) Kinder und Jugendliche sollten unbedingt genug schlafen. Ein ungestörter Schlaf ist wichtig für die Gesundheit, die Lernfähigkeit und das Wachstum. Die Schlafdauer bei Kindern und Jugendlichen kann je nach Typ schwanken. Zwölfjährige benötigen etwa acht bis zehn Stunden Schlaf.

Empfohlen werden mindestens 8,5 Stunden Schlaf, und zwar in geregeltem Rhythmus. Ob ein Kind genug geschlafen hat, merkt man am nächsten Tag. Wenn es fahrig, unkonzentriert und launisch ist, kann das ein Anzeichen für einen Schlafmangel sein. Die Erholungsfunktionen im Schlaf arbeiten vor allem bis drei Uhr früh. Diese Zeit ist wichtig für die Arbeit des Wachstumshormons, für die Regeneration des Immunsystems und die Erholung. Zwölfjährige sollten um 21 Uhr ins Bett - ohne Handys und elektronische Geräte.

"Wir haben noch ein Fieberthermometer mit Quecksilber. Sind die nicht verboten?" (Ute B. aus Neuss)

Ertan Mayatepek Laut EU dürfen Fieberthermometer, Barometer und Blutdruckmessgeräte seit 2009 kein Quecksilber enthalten. Dieses Verbot betrifft nicht Geräte, die noch in Haushalten genutzt werden. Diese können weiterhin bedenkenlos genutzt werden.

"Meine Söhne (11 und 9 Jahre) gehen ab und zu mit mir ins Burger-Restaurant. Sonst legen wir Wert auf gesundes Essen. Meine Frau ist prinzipiell gegen Fast Food. Wer hat Recht?" (Jürgen K. aus Rees)

Prof. Tim Niehues (Kinderklinik im Helios Klinikum Krefeld) Zunächst entnehme ich Ihrer Frage, dass das Thema Ernährung bei Ihnen überhaupt eine Rolle spielt. Dies ist der erste Schritt, um das Bewusstsein bei Kindern und Jugendlichen zu schärfen, das die Basis für eine gesunde Entwicklung darstellt. Kinder und Jugendliche haben nicht selten einen sehr hohen Energiebedarf, vor allem dann, wenn sie sehr aktiv sind oder in die Pubertät kommen.

Die Kalorienzahlen, die Kinder benötigen, schwanken von 1600 bis 2800 Kilokalorien pro Tag, nach Angaben der "American Heart Association". Eine Mahlzeit mit einem Fast-Food-Hamburger, mit Pommes Frites und einer 0,3-Liter-Cola deckt schon knapp 1000 Kalorien ab. Es kommen Frühstück, Abendessen und Snacks hinzu, und schnell ist der normale Tagesbedarf an Kilokalorien überschritten.

Der regelhafte Besuch von Schnellrestaurants bedeutet fast zwangsläufig Überernährung. Im Kindes- und Jugendalter setzt eine Prägung des Stoffwechsels ein: Ernährungsgewohnheiten werden sich auch später fortsetzen. Ein gelegentlicher Besuch eines Burger-Restaurants wird an der langfristigen Stoffwechsellage der Kinder nichts ändern.

Dennoch ist der Einfluss nicht zu unterschätzen. In einer Studie der Texas University wurden Kindern zwischen drei und acht Jahren Werbespots der Nahrungsmittelindustrie gezeigt und einer der beiden Gruppen zusätzlich elterlicher Rat gegeben. Die Reklame hatte einen stärkeren Einfluss auf die Ernährung als der Rat der Eltern. Die Studie zeigt den Trend, dass Kinder und Jugendliche schon sehr früh auf gewisse Ernährungsweisen hin beeinflusst werden. Daher sollten sie so oft wie möglich zu Hause oder unter Aufsicht essen.

"Soll ich meine Kinder (fünf und sieben Jahre) gegen Grippe impfen lassen? Vielleicht mit dem neuen Impfstoff, der nicht gespritzt, sondern über die Nase gegeben wird?" (Karin S. aus Viersen)

Oberarzt Markus Vogel (Uni-Kinderklinik Düsseldorf) Grundsätzlich ist eine Grippe-Impfung von Kindern ab sechs Monaten möglich. Eine jährliche Influenza-Impfung wird jedoch nicht für alle gesunden Kinder empfohlen, sondern nur für Kinder mit Grunderkrankungen, für die eine Grippe-Erkrankung ein möglicherweise schweres Risiko bedeuten würde. Dazu gehören Krankheiten der Atmungsorgane, Herz-, Kreislauf-, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten und neurologische Erkrankungen.

Der "neue" Impfstoff, der für Kinder von zwei bis 17 Jahren zugelassen ist, wird international schon angewendet. Allerdings werden statt lebloser Virusteile lebendige, in der Wirkung geschwächte Grippe-Viren verabreicht. Studien zeigen, dass so bei Kindern ein besonders guter Impfschutz erzielt wird. Derart Geimpfte können aber über Wochen Viren ausscheiden und auf Ungeimpfte übertragen.

Nachteilig ist auch, dass bei wesentlichen Grundleiden der Impfstoff nicht gegeben werden darf oder von der Anwendung abzuraten ist, so bei schwerem Asthma. So ist gerade für die Patienten, für die die Impfung besonders empfohlen wird, der Lebendimpfstoff möglicherweise gar nicht geeignet.

"Unser sechsjähriger Sohn leidet an einer Phimose. Ich habe es dummerweise versäumt, mich des Themas anzunehmen - und jetzt muss er vermutlich beschnitten werden. Muss er wirklich?" (Alex F. aus Velbert)

Urologin Sibille Weiss (Praxis in Möchengladbach) Oft höre ich von Eltern, dass sie einen Termin zur Beschneidung bei angeborener Phimose (Vorhautenge) machen. Das entspricht nicht den Leitlinien. Vorher sollte eine Salbentherapie durchgeführt werden. Sollte die Phimose nicht durch das übliche Zurückziehen der Vorhaut beim Waschen verschwinden, sollte den Jungs und seinen Eltern erklärt werden, wie sie eine leicht cortisonhaltige Salbe auf die Vorhaut auftragen und diese leicht dehnen, indem sie sie zurückziehen. Dies bringt eine Heilung in 70 bis 80 Prozent der Fälle.

Als Ärztin in einer kinderurologischen Sprechstunde frage ich immer, ob bereits eine Salbentherapie (mindestens sechs Wochen) durchgeführt wurde und ob eine Beschneidung dringend gewünscht sei. Meistens werden beide Fragen mit Nein beantwortet. Diese Kinder bekommen "Zaubersalbe" mit und eine ausführliche Anleitung.

Nach sechs Wochen sind die meisten sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wichtig ist ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema. Wenn gesellschaftlich kolportiert wird, man dürfe "da unten nicht anfassen", ist es generell sehr schwierig, einen guten Einstieg in die Genitalhygiene zu finden.

Quelle: RP/anch
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