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"Mein gesundes Kind" Folge 1
Wie Kinder richtig essen

Hintergrund: Zwölf Tipps für eine gesunde Ernährung
Hintergrund: Zwölf Tipps für eine gesunde Ernährung FOTO: gms
Düsseldorf. Zum Start der neuen Serie "Mein gesundes Kind" erklären wir, wie Eltern ihre Kinder klug ernähren, welche Tricks es bei konsequenten "Gemüseverweigerern" gibt und warum ein Süßigkeitenverbot zu nichts führt. Manchmal helfen pädagogische Kniffe wie die Schatztruhe. Von Laura Lotz

Ernährung ist in vielen Familien ein leidiges Thema. Vielen Kindern schmecken Burger mit Pommes besser als Geflügel mit Kartoffeln und Gemüse. Trotzdem gilt: Gesunde Ernährung ist das A und O für ein gesundes Kind. Unsere Redaktion erklärt, woraus eine ausgewogene Ernährung besteht und wie Eltern dem Nachwuchs Broccoli und Möhren schmackhaft machen können.

Woraus sollte eine gesunde, ausgewogene Mahlzeit für Kinder bestehen?

Grundsätzlich gilt, dass Kinder bestenfalls fünfmal am Tag zu bestimmten Zeiten etwas essen – drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten. "Morgens und abends sollten vorwiegend Milchprodukte, Obst oder Rohkost auf dem Teller liegen", sagt die Düsseldorfer Kinderärztin Andrea Baumgart. Bei Brot sollten Eltern Wert auf Vollkornprodukte legen.

Wurst und Eier seien nur in Maßen gesund. "Mittags sind vor allem Kohlenhydrate, Gemüse und Salat wichtig. Fleisch wird etwa zweimal die Woche empfohlen, Fisch sollte einmal pro Woche auf den Teller kommen", sagt die Ärztin. Beim Fleisch sei es außerdem wichtig, auf mageres Muskelfleisch zu achten. "In Würstchen zum Beispiel lauern viele versteckte Fette. Sie sollten deshalb nur mit Zurückhaltung gegessen werden." Als Zwischenmahlzeiten eignen sich vor allem Obst, Rohkost und Joghurt.

Welches sind die häufigsten Fehlerquellen in der Ernährung des Kindes?

Kathrin Gabrecht, Ernährungsberaterin im Kinderarztzentrum Düsseldorf-Nord, erlebt oft, dass Kinder kein vernünftig zubereitetes Mittagessen bekommen. "Da wird schnell die Frikadellenpackung aufgerissen und in der Mikrowelle aufgewärmt", sagt sie. Aus Zeitmangel komme "irgendetwas auf den Tisch".

Das beobachtet auch Baumgart. "Gegen eine Tiefkühlpizza zum Mittagessen ist grundsätzlich nichts einzuwenden", sagt die Kinderärztin. Allerdings sollten Eltern dazu stets noch etwas Gesundes auftischen. "Die Pizza kann man zusätzlich mit gesunden Zutaten belegen, einen Salat dazu essen oder zumindest darauf achten, dass es zur Pizza nicht noch Cola, sondern eher Wasser gibt", rät die Medizinerin.

Was sind die Folgen mangelhafter oder fehlerhafter Ernährung bei Kindern?

"Ein großes Problem ist natürlich die schnelle Gewichtszunahme, die vor allem durch fettiges Essen, übermäßigen Süßigkeitenkonsum und wenig Bewegung bedingt ist", sagt Gabrecht. Außerdem könne es zu Eisenmangel kommen, sagt die Ernährungsberaterin: "Dann sind die Kinder häufig müde und blass."

Ist es grundsätzlich falsch, seine Kinder vegetarisch zu ernähren?

"Nein", sagt Gabrecht. "Eltern, die sich vegetarisch ernähren, wissen häufig sehr gut darüber Bescheid, wie sie ihren Kindern die Nährstoffe, die sie sonst durch Fleisch oder Fisch bekommen würden, anders zuführen können." Bis zum fünften Lebensjahr würde sie dennoch empfehlen, einen Kinderarzt hinzuzuziehen, vor allem wenn die Kinder sehr klein oder die Eltern strenge Veganer sind (die auch auf Eier und Milch verzichten).

Manche Kinder vertragen bestimmte Lebensmittel nicht. Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind eventuell an einer Unverträglichkeit leidet?

"Die häufigsten Unverträglichkeiten gibt es bei Milch, Eiern, Nüssen und Weizenmehl", sagt Baumgart. Sollte das Kind das nicht vertragen, treten Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit auf. Dann sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden. "Selbstdiagnosen der Eltern bringen meist nichts, häufig können diese Symptome auch andere Ursachen haben", sagt Baumgart.

Sind Süßigkeitenverbote sinnvoll?

Da sind sich die Experten einig: Verbote bewirken meist das Gegenteil, wecken eher noch den Reiz auf Süßes. "Süßigkeiten in Maßen sind vollkommen in Ordnung", sagt Gabrecht. Sie rät Eltern oft, eine Art Schatztruhe mit den Kindern zu bauen, in denen sieben Süßigkeiten für eine ganze Woche aufbewahrt werden. "So kann sich das Kind selbst überlegen, ob es alles auf einmal essen möchte oder sich Schokolade und Bonbons einteilt", sagt die Fachberaterin.

Welche Getränke ergänzen eine gesunde Ernährung?

"Wichtig ist zunächst, dass die Kinder überhaupt viel trinken", sagt Baumgart. Am besten seien ungesüßte Tees und natürlich Wasser. Viele Eltern würden ihren Kindern Fruchtsäfte zu trinken geben, in dem Glauben, sie würden ihnen etwas Gutes tun. "Fruchtsäfte sind aber häufig Dickmacher und viel kalorienhaltiger als Cola oder Limonaden", sagt Gabrecht.

Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder kein Gemüse essen wollen?

Dann hilft laut Gabrecht oft ein Griff in die Trickkiste. "Man kann Gemüse prima in Suppen oder Soßen untermogeln", sagt sie. Wichtig sei auch die Vorbildfunktion der Eltern. "Wenn Mutter und Vater keinen Blumenkohl essen, sieht das Kind es meist auch nicht ein", sagt sie.

Ein anderer wichtiger Punkt sei es, die Kinder beim Kochen helfen zu lassen, sagt Baumgart. Wenn sie spielerisch an gewisse Gemüse herangeführt werden, verändert sich ihr Verhältnis zu angeblich missliebigen Nahrungsmitteln.

(RP/anch/csi/sap)
 
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