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Kennenlernen ist eine Kunst
Die besten Tipps vom Flirt-Coach

Kennenlernen ist eine Kunst: Die besten Tipps vom Flirt-Coach
Flirten ist eine Kunst, die erlernbar ist, oder? FOTO: Shutterstock.com/ pio3
Düsseldorf . Wenn es draußen kalt und drinnen kuschelig warm ist, fangen viele an, sich besonders nach Zweisamkeit zu sehnen. Doch nicht immer klappt es mit dem Kennenlernen - denn auch Flirten ist eine Kunst. Wir haben mit dem Flirt-Coach Horst Wenzel gesprochen und nach Tipps für das Spiel zwischen den Geschlechtern gefragt. Von Susanne Hamann

Herr Wenzel, Sie leiten die Flirtuniversity und bringen anderen in Kursen bei, wie man flirtet. Da drängt sich mir zunächst die ganz simple Frage auf: Kann man Flirten wirklich lernen oder ist das nicht eher etwas, was man automatisch macht?

Wenzel: Flirten kann man auf jeden Fall lernen. Es gibt nur viele schwarze Schafe unter den Flirtcoaches, die versprechen, dass es ohne Aufwand ganz einfach klappt. Das stimmt natürlich nicht. Ich vergleiche Flirten immer mit Autofahren. Entsprechend habe ich sozusagen eine Fahrschule für zwischenmenschlichen Verkehr. Autofahren wirkt genauso wie Flirten am Anfang furchtbar kompliziert, ist aber mit der richtigen Betreuung sehr schnell sehr einfach - und wird irgendwann automatisch.

Können Sie das näher erklären?

Wenzel: Viele Männer haben zum Beispiel große Angst eine Frau anzusprechen oder etwa bei einem Date die Hand der Frau zu nehmen. Sie denken furchtbar viel darüber nach. Mit dem richtigen Coaching geht das aber irgendwann von ganz alleine. Natürlich könnte man sich das auch selbst beibringen, aber mit einem gezielten Coaching in der Praxis, lassen sich Ängste – wie zum Beispiel die, sich selbst mit der Annäherung an die Frau in eine peinliche Situation zu bringen – schneller überwinden.

Das klingt jetzt so einfach, aber diese Unsicherheiten sind ja sicherlich sehr groß.

Wenzel: Ja, natürlich sind sie das. Aber ich glaube an die Verändungsfähigkeit und die Verändungswürdigkeit von Menschen. Niemand wird schüchtern geboren, sondern Schüchternheit wird antrainiert. Also kann man sie auch wieder abbauen.

Bevor wir mehr über Ihre Methoden sprechen, noch einmal kurz zum Grundverständnis: Was genau ist denn Flirten für Sie?

Wenzel: Flirten ist für mich der Austausch von positiven Emotionen - oder auch das Streicheln der Beziehungsebene. Das heißt, es geht gar nicht mal so sehr um den Inhalt, man kann dabei durchaus auch Small-Talk halten, wichtig ist, was dabei auf zwischenmenschlicher Ebene passiert. Und wenn sich beide dabei gut fühlen, dann passiert Flirten. Die größte Schwierigkeit ist allerdings für viele meiner Klienten, sich überhaupt spontan auf ein emotionales Gespräch einzulassen.

Können Sie noch andere Schwierigkeiten nennen, mit denen viele Ihrer Kunden zu Ihnen kommen?

Wenzel: Also, zu mir kommen ja Frauen und Männer, und beide haben ihre ganz eigenen Schwierigkeiten. Viele der Männer sind Juristen, Banker oder IT-Abteilungsleiter - die typischen Logikdenker eben. Und genau da liegt auch ihr Problem: Durch das logische Denken tun sie sich mit der sozial-emotionalen Komponente schwerer. Männer sind schüchterner und erkennen auch oft die Signale gar nicht, die eine Frau aussendet, wenn sie sich für sie interessiert. Dadurch haben Männer insgesamt mehr Probleme damit, in einen ersten Kontakt mit Frauen zu kommen.

Und was ist Ihrer Erfahrung nach das Hauptproblem von Frauen?

Wenzel: Frauen sind sozial und emotional intelligenter. Das führt leider auch oft dazu, dass die Damen zu viel darüber nachdenken und in männliches Verhalten oft zu viel hineininterpretieren. Sie erkennen es in der Regel sofort, wenn sich ein Mann für sie interessiert, allerdings machen sie sich so viele Gedanken über Details, dass dann schnell falsche Erwartungen oder Vorstellungen entstehen. Die größte Fragestellung von Frauen besteht deshalb auch insgesamt nicht so sehr im ersten Kontakt, sondern darin, wie sie nach dem Sex eine feste Beziehung aufbauen können. 

Und wenn dann also zum Beispiel ein sehr schüchterner Mann zu Ihnen kommt, wie läuft ein Coaching ab?

Wenzel: Das Coaching hat verschiedene Komponenten. Es gibt ein Flirt-Training, aber auch ein Persönlichkeitstraining, und wir haben neben Stimmtrainer und Psychologen auch eine Stylistin im Haus, denn das Aussehen spielt natürlich auch eine Rolle. Das Coaching selbst besteht dann aus etwa 50 Prozent Theorie und 50 Prozent Praxis. Im Trainer-Team ist auch immer eine Frau, damit auch die weibliche Perspektive gehört wird.

Das klingt jetzt eher nach einem Rundum-Programm als nach einem Flirt-Coaching.

Wenzel: In gewisser Hinsicht ist es das auch. Wenn jemand zum Beispiel keine Freunde und keine Hobbies hat, dann hat er auch nichts Spannendes zu erzählen. Also helfe ich ihm erst einmal dabei, sein Leben wieder auf Vordermann zu bringen. Eine andere Sache sind die inneren Glaubenssätze. Wenn ein Klient glaubt, eine Beziehung sei die Lösung all seiner Probleme, dann kann das nur schiefgehen, auch beim Flirten. Dating ist letztlich eben auch einfach ein Indikator dafür, wie gut es im Leben von jemandem grundsätzlich läuft.

Das verstehe ich. Aber ganz ehrlich Herr Wenzel, es geht natürlich darum, dass Sie ein paar Tipps aus Ihren Coachings erzählen.

Wenzel: Also wir sehen uns zum Beispiel die Gewohnheiten an und analysieren, wie es bisher gelaufen ist, wie das Selbstbild und das Fremdbild des Klienten ist. Und dann gehen wir raus in die Praxis, denn nichts hilft so sehr wie eine positive Erfahrung mit dem anderen Geschlecht.

Ein Beispiel für ein Flirt-Coaching sehen Sie hier:

Und wie geht das?

Wenzel: Machen wir es konkret und nehmen die typische Situation in einer Bar. Der Grund, warum so viele Männer bei den Frauen abblitzen ist, weil sie hingehen und nur etwas von ihnen wollen. Sie meinen, dass sie es besonders gut machen, wenn sie ihnen die typischen Checklisten-Fragen stellen: 'Wie heißt du, wo kommst du her, was arbeitest du uns so weiter' - tatsächlich nehmen sie dabei aber die ganze Zeit etwas vom Gegenüber. Also trainieren wir, wie man Frauen anspricht und einen sozial-spürbaren Wert mitbringt. In einer Bar kann das zum Beispiel Spaß sein. Sie zum Lachen zu bringen wird sicherlich besser ankommen, als sie auszufragen. Der Leitsatz ist immer: Wenn die Frau sich gut fühlt, dann klappt auch der Flirt. Und dafür trainieren wir das Einfühlungsvermögen der Männer.

Aber wenn ich Sie richtig verstehe, sind doch viele Männer zu schüchtern, um überhaupt in ein erstes Gespräch zu kommen. Was raten Sie den Betroffenen denn, damit ihnen das leichter fällt?

Wenzel: Da gibt es zum Beispiel die einfache Übung, immer dann, wenn man öffentliche Verkehrsmittel benutzt, mit einem Fremden ein Gespräch anzufangen. Das kann etwa auf dem Weg zur Arbeit und zurück sein. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob es eine alte Dame, ein junger Mann oder eben eine schöne Frau ist. Es geht darum, täglich zu üben, in lockeren Kontakt mit anderen zu kommen. Und dann klappt das irgendwann auch beim Flirten. Das hat sich gerade bei Sozialphobikern sehr bewährt.

Und wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?

Wenzel: Über 80 Prozent meiner Kunden haben am Ende des Coachings ein Date oder eine Telefonnummer oder zumindest eine halbe Stunde mit einer Frau geredet. Ein einst besonders schüchterner Teilnehmer aus Bayern hat gerade erst geheiratet, das hat mich besonders gefreut.

Gerade dieser Praxisteil, in dem Sie mit Ihren Kunden bewusst losziehen, um Frauen anzusprechen, klingt natürlich gerade nach der Geschichte um den amerikanischen Flirtcoach Julien Blanc nach einer ziemlich gezielten Abschlepp- oder zumindest Anbaggermasche.

Wenzel: Vor 2 Jahren hab ich mich mit Julien Blanc wegen seinen frauenfeindlichen Ausschweifungen schon mal persönlich gestritten. Ich halte gar nichts von seinen Methoden. Bei den Kursen der FlirtUniversity spielt Ethik eine sehr große Rolle. Mit jeder Telefonnumer und mit jedem Flirt geht natürlich auch eine große Verantwortung einher. Ich sage immer, man sollte Menschen besser hinterlassen, als man sie angetroffen hat. Dazu gehört natürlich auch, die emotionale und körperliche Grenzen beim Flirten zu respektieren. Mir ist wichtig in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuweisen, dass es nicht nur unter den Männern schwarze Schafe gibt. In unserer Gesellschaft wird ihnen diese Rolle nur sehr schnell zugeschoben. Das liegt auch daran, dass Frauen über sexuelle Abenteuer stillschweigen bewahren. Wobei Frauen beim Dating real nicht weniger Lügen, Betrügen und Herzen brechen als Männer. Es gibt für beide Geschlechter also noch einiges zu tun in der Liebe.

Da sprechen Sie jetzt auch so etwas an wie Rollenbilder zwischen Männern und Frauen. Inzwischen wird es ja auch immer moderner, dass Frauen Männer ansprechen. Wie schätzen Sie als Flirtcoach das ein?

Wenzel: Ich bin überzeugt, Frauen müssen in Wirtschaft und Politik mindestens genausogroßen Einfluss bekommen, wie wir Männer. Aber im Dating-Bereich muss ich sagen, da ist es schon so, dass wir von Natur aus eben unterschiedliche Rollen haben. Und dass sich Frauen letztlich wünschen, dass der Mann den ersten Schritt macht und der Mann doch auch ein Gefühl der Eroberung haben möchte. Selbst wenn ihm das Flirten schwer fällt.

 
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