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Verhütung der Zukunft?
Dieses Kondom soll Syphilis sichtbar machen

Verhütung der Zukunft?: Dieses Kondom soll Syphilis sichtbar machen
FOTO: Shutterstock.com/ blackboard1965
Sex gehört zum Leben dazu, birgt aber auch das Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Zum Schutz gibt es Kondome mittlerweile in allen möglichen Farben, Formen, mit Noppen oder ohne. Dass ein Kondom aufleuchtet, wenn sein Träger mit dem Syphilis-Erreger in Kontakt kommt, ist allerdings neu. Diese kuriose Art der sexuellen Verhütung haben drei britische Schüler aus Essex entwickelt, die selbst erst 13 und 14 Jahre alt sind. Von Lara Schwenner

Sobald das Kondom mit sexuell übertragbaren Erregern in Kontakt kommt, wechselt es die Farbe, so das Prinzip der Erfindung. Dafür wollen die Schüler die Oberfläche der Kondome mit Molekülen ausstatten, die sich an Bakterien oder Viren heften. Je nach dem, welcher Erreger auf der Gummi-Oberfläche haften bleibt, leuchtet das Kondom in einer anderen Farbe: Blau zum Beispiel für Syphilis, Grün für Herpes oder Lila für Humane Papillomaviren.

Wer regelmäßig Sex hat, sollte sich auch regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten (STIs) testen lassen, proklamiert die Aidshilfe auf ihrer Webseite. Autos müssten schließlich auch in gewissen Abständen zum TÜV. Mit ihrer Kondom-Erfindung wollen die britischen Schüler einen Beitrag zur Früherkennung leisten. Denn je früher eine Sexualkrankheit erkannt wird, desto besser ist sie behandelbar und desto geringer ist die Möglichkeit, andere unwissentlich mit dem Erreger zu infizieren. Normalerweise lassen sich Geschlechtskrankheiten über einen Bluttest beim Arzt nachweisen. Mit den fluoreszierenden Kondomen soll das in Zukunft auch in Eigeninitiative von Zuhause aus funktionieren. 

Ein Nachteil der Erfindung: Aufgrund ihrer erhöhten Funkionalität würden die leuchtenden Kondome den Normalpreis deutlich übersteigen, der in Deutschland je nach Marke aktuell bei etwa drei Euro pro Packung liegt. Ob die gemeine Masse bereit wäre einen solchen Preis zu zahlen, bleibt fraglich. Außerdem könnte die Gefahr bestehen, dass Menschen nach Eigen-Identifikation einer Sexualkrankheit keinen Arzt aufsuchen, weil sie sich für die Krankheit schämen.

Nichts desto trotz greift die Erfindung der britischen Jungs ein ernstzunehmendes Problem auf. Denn Sexualkrankheiten wie Syphilis sind in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Laut Robert-Koch-Institut steige die Anzahl der gemeldeten Syphilis-Fälle seit 2010 kontinuierlich an und lag zuletzt im Jahr 2013 bei über 5000 neu gemeldeten Fällen im Jahr. Die meisten Neuinfektionen registrierte das RKI in Berlin, Hamburg und Bremen. Aber auch in Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der Neuinfektionen über dem Bundesdurchschnitt.

Verbraucher sollten Geschlechtskrankheiten unter keinen Umständen unterschätzen. Syphilis zum Beispiel bleibt als schmerzloses kleines Geschwür an der Eintrittsstelle meist lange unerkannt. Erst viele Wochen nach der Infektion können sich Hauterscheinungen bemerkbar machen, im schlimmsten Fall kann es im letzten Stadium der Krankheit zur Schädigung des Gehirns und der Blutgefäße kommen.

Zwar sind Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Chlamydien und Tripper heutzutage gut behandelbar, aber nur, solange sie frühzeitig erkannt werden. Die Erfindung der britischen Schüler könnte dazu beitragen. Noch ist das Produkt jedoch nicht marktreif, es wurde aber bereits mit dem britischen TeenTech-Award für die beste Gesundheits-Innovation ausgezeichnet.

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