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Schmerzen durch XXL-Busen
Wenn große Brüste zur Qual werden

Der schwere Weg zur Brustverkleinerung
Der schwere Weg zur Brustverkleinerung FOTO: afp, bb/grd/LV
Düsseldorf. Manche Frauen haben besonders schwer an ihren Brüsten zu tragen. Was manche nett anzusehen finden, ist für sie eine Qual: Schmerzen und Belastung Tag und Nacht. Gigantomastie heißt die Krankheit, bei der die weibliche Frontalrundung zehn Kilo und mehr wiegt. Von Tanja Walter

Die einen helfen verzweifelt mit Push-up-BHs der vorderen Optik nach, anderen hingegen helfen auch optische Tricks nicht über ihr Problem hinweg. Minimizer-Büstenhalter lassen für das Auge vielleicht eine Größe verschwinden, aber das belastende Gewicht bleibt.

Frauen mit XXL-Brüsten wissen selbst nachts nicht, wie sie sich betten sollen, um nicht von der eigenen Busenpracht erdrückt zu werden.  Die Folgen der prallen Rundungen sind untragbar. Den Betroffenen schmerzen Nacken und Rücken, Verspannungen im Hals-Wirbelsäulenbereich gipfeln in Kopfschmerzen. Die BH-Träger schneiden sich rot in die Schultern, denn das Gewicht, das sie in Körbchengrößen wie "H" schultern müssen, ist zu hoch. Zum Vergleich: Eine Durchschnittsfrau trägt Größen wie "B" oder "C".

Ärzte scheitern mit Therapieversuchen

Besonders im Sommer sind die Falten unter den Brüsten ständig Sammelbecken für Schweiß. Die Haut weicht und quillt auf. Pilzinfektionen haben nun leichte Hand, im anderen Fall auch Ekzeme, die selbst der Hautarzt nur schwer behandeln kann. Denn die Ursache bleibt. "Hautärzte bescheinigen Patientinnen immer wieder Therapieresistenzen", sagt Beate Hanak, Sprecherin der Techniker Krankenkasse Nordrhein-Westfalen (TK NRW). Solche Feststellungen können die Betroffenen darin unterstützen, eine Brustverkleinerung in Erwägung zu ziehen und deren Kostenübernahme bei den Krankenkassen durchzusetzen.

Zu schwer für Körper und Seele

Für viele Frauen beginnt das Leid mit der Pubertät. Durch die hormonelle Umstellung setzt das Brustwachstum ein. Manchmal relativiert sich das Größenverhältnis nach dem Pubertätsende wieder. Bei manchen der jungen Frauen reicht es genetisch bedingt aber dauerhaft ins Uferlose. Daneben können auch eine Schwangerschaft oder massives Übergewicht den Grundstein für das übermäßige Brustwachstum legen. Im einen Fall hormonell bedingt, im anderen Fall durch einen zu großen Fettanteil.

Erreichen beide Brüste ein Gewicht von über 1200 Gramm und eine Größe, die BH-Körbchen "D" locker füllen, sprechen die Mediziner von Makromastie. Bei mehr als drei Kilogramm oder Körbchen-Größe "F" und mehr von Gigantomastie. Besonders für junge Mädchen ist es im doppelten Sinne schwer, die Last zu tragen. Zu dem physischen Gewicht kommt das psychisch. Sie werden gehänselt und fühlen sich im eigenen Körper so unwohl, dass sie durch weite Kleidung und nach vorne gezogene Schultern zunächst versuchen, ihr Problem zu überspielen.

Auf Dauer stellt sich durch die Gewichtsbelastung gepaart mit einer eigentümlichen Körperhaltung eine Fehlhaltung ein, die physiotherapeutisch begleitet werden muss. "Besonders die Brustwirbelsäule ist betroffen", sagt Beate Hanak. Verschleißerscheinungen dort sowie an der Halswirbelsäule sind typisch. Mit dem Alter lässt die Spannkraft der Haut nach und der Busen beginnt zu hängen.

Foren – Kummerkasten für Betroffene

In verschiedenen Foren machen sich viele der betroffenen Frauen Luft und schildern verzweifelt ihr Leid. Nachts können sie nicht schlafen, denn egal in welcher Haltung, der XXL-Busen drückt und schmerzt. An Sport ist nicht zu denken. Für die meisten beendet erst die Brustverkleinerung, auch Mamma-Reduktion genannt, die Qual. "Eine Brustverkleinerung ist keine Seltenheit", sagt die TK-Sprecherin. Allein bei der TK stellten im vergangenen Jahr 325 Betroffene einen Antrag bei der Krankenkasse.

"In der Regel übernehmen die Kassen die Verkleinerung, vorausgesetzt es liegt eine medizinische Indikation vor", sagt Hanak weiter. Um zu ermitteln, ob das der Fall ist, wird zunächst das Körper- wie Brustgewicht bestimmt. "Grundsätzlich muss die Brustgröße zum Habitus des Körpers passen", so Hanak. Wenn eine entstellende Wirkung feststellbar ist und Physiotherapie, Rückenschulen sowie weitere Therapieformen den Patientinnen nicht weitergeholfen haben, stehen die Chancen auf eine Kostenübernahme nicht schlecht. Eine Magnetresonanztherapie beleuchtet Wirbelsäulendeformationen, die ebenfalls eine mediznische Indikation darstellen.

Tipps für den Antrag auf Brustverkleinerung

Dem, der den operativen Weg beschreiten möchten, rät Beate Hanak: "Legen Sie Stellungnahmen aller Ärzte bei, die Sie in dieser Angelegenheit besucht haben, vom Gynäkologen über den Hautarzt. Auch Berichte des Physiotherapeuten fallen bei der Beurteilung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen ins Gewicht." Außerdem sollten die Betroffenen in einer eigenen Stellungnahme möglichst ausführlich beschreiben, welche Einschränkungen und Leiden sie durch den großen Busen erfahren. Das können Einschränkungen bei der Hausarbeit oder der Verrichtung täglicher Aufgaben sein, beim Sport oder beim Schlafen.    

(wat)
 
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