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Fragen und Antworten
Wie gefährlich ist die Antibabypille?

50 Jahre Antibaby-Pille - Fragen und Antworten
50 Jahre Antibaby-Pille - Fragen und Antworten FOTO: ddp
Düsseldorf. Die Antibabypille "Diane 35" steht unter Verdacht, tödliche Thrombosen auszulösen. In Frankreich wurde sie daraufhin vom Markt genommen, in Deutschland ist sie weiter frei erhältlich. Doch wie gefährlich ist die Einnahme des Verhütungsmittels? Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Von Anja Streichan

Ursprünglich wurde "Diane 35" als Mittel gegen Akne verschrieben, entwickelte sich dann aber auch zur beliebten Antibabypille. Dass die "Pille" das Thromboseriskio erhöht, ist bei Ärzten derweil lange bekannt, weil sie aber als das sicherstes Verhütungsmittel gilt, wird sie weiterhin verschrieben. In Frankreich wurden nun jedoch vier Todesfälle mit der Einnahme des Verhütungsmittel in Verbindung gebracht. Anfang Januar 2013 entschied die französische Arzneimittelaufsicht deshalb, dass die "Diane 35" innerhalb von drei Monaten vom Markt genommen werden muss.

Das Problem: Viele Frauen werden nicht ausreichend darüber aufgeklärt, was die Risiken des scheinbar unkomplizierten Verhütungsmittel sind.

Wie wirkt die Antibabypille?

Die "Pille" ist ein Ovolationshemmer. Das heißt, dass sie den Eisprung und damit auch die Empfängnis verhindert. Das passiert, weil sie die Sexualhormone Östrogen und Gestagen enthält. Im Gehirn verhindern die Hormone die Bildung von Botenstoffen, die den Eisprung für gewöhnlich auslösen. Außerdem entsteht durch das Gestagen ein Schleimpfropfen im Muttermund. Dadurch können Spermien nicht in die Gebärmutterhöhle gelangen. Weil Östrogen gleichzeitig die Blutgerinnung beeinflusst, wird die sogenannte "Minipille" als Alternative zur handelsüblichen "Pille" betrachtet . Die Minipille enthält ausschließlich Gestagen.

Wird die Pille auch zu anderen Zwecken als nur zur Verhütung verschrieben?

Ja – im Fall der "Diane 35" wurde das Medikament zum Beispiel hauptsächlich als Akne-Mittel verschrieben. In Deutschland ist sie überhaupt nur zu diesem Zweck zugelassen. Zudem soll die Antibabypille im Allgemeinen starke Menstruationsbeschwerden lindern und vor gutartigen Zysten der Eierstöcke schützen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Typische Nebenwirkungen nach der Einnahme der "Pille" sind Stimmungsschwankungen, Depressionen, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, Übelkeit, Brustspannen und Migräne. Außerdem wird diskutiert, ob die Antibabypille das Risiko einer Brustkrebserkrankung erhöht und das Entstehen bösartiger Tumore der Gebärmutterschleimhaut begünstigt. Der Östrogenanteil der Pille verstärkt außerdem die Wahrscheinlichkeit an Gallensteinen und Thrombosen der Venen oder Arterien zu erkanken.

Wer darf die "Pille" nicht nehmen?

Frauen, die ein erhöhtes Thromboserisiko haben – beispielsweise durch eine Gerinnungsstörung – wird abgeraten, die Antibabypille zu nehmen. Auch Menschen mit Leberschäden, Herzfehlern, Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht wird von der "Pille" abgeraten. Auch Raucherinnen sollten auf dieses Verhütungsmittel verzichten, da der Genuss von Tabak ebenfalls die Entstehung einer Thrombose begünstigt.

Warum werden die Todesfälle in Frankreich mit der Einnahme der Antibaby-Pille in Zusammenhang gebracht?

Das Problem an der "Pille" ist, dass sie große Mengen Hormone enthält. Vor allem das Sexualhormon Östrogen beeinflusst die Blutgerinnung – es bilden sich Thrombosen. Diese Verschlüsse der Venen oder sogar Arterien können zu tödlichen Lungenembolien, Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Genau das soll auch bei den mit der Pille "Diane 35" in Zusammenhang gebrachten Tödesfällen passiert sein.

Welche alternativen Verhütungsmethoden gibt es?

Frauen, die die "Pille" nicht mehr nehmen dürfen oder wollen, können auf die Minipille zurückgreifen, die kein Östrogen enthält. Zudem können Hormon- oder Kupferspiralen sowie Dreimonatsspritzen eingesetzt werden. Eine weitere Alternative sind Hormonimplantate – kleine Stäbchen, die unter die Haut des Oberarms gesetzt werden – oder Kondome, die außerdem sicher vor Geschlechtskrankheiten schützen.

Mehr Informationen zur Pille finden Sie hier.

(anch)
 
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