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"Todesengel" wie im "Tatort"?
Warum Krankenschwestern ihre Patienten töten

Warum Krankenschwestern ihre Patienten töten
"Kliniken und Pflegeheime sind, wenn man so will, ideale Tatorte, weil nirgendwo sonst die eingesetzten Tötungsmittel so normal, so unverdächtig wirken." FOTO: ddp, ddp
Hamm. Wie im Schweiz-"Tatort": Tötungsserien von Krankenschwestern und Pflegern an Patienten untersucht der Psychiater Karl Beine. Im Interview verrät er, was dahintersteckt – und was man dagegen tun kann. Von Tobias Jochheim

Nicht nur Krankenschwester Nadine Camenisch (Anna Schinz) im "Tatort" tötet ihre Patienten – auch in Wirklichkeit werden immer wieder einzelne Pfleger oder Krankenschwestern zu Massenmördern, indem sie den ihnen anvertrauten Menschen tödliche Medikamente spritzen oder sie ersticken. Seit 1970 sind weltweit 46 solcher Serientäter entdeckt und verurteilt worden, die hunderte Opfer auf dem Gewissen haben. Vier weitere Prozesse sollen bald beginnen.

Was die Täter dazu treibt und weshalb solche Serien oft erst nach Jahren entdeckt werden, weiß Karl Beine, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am St. Marien – Hospital in Hamm sowie Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Witten/Herdecke. Er forscht seit 25 Jahren zu diesem Thema.

Der Krankenpfleger Niels H. aus Oldenburg, heute 39 Jahre alt, hat zugegeben, zwischen 2003 und 2005 etwa 30 Patienten getötet zu haben. Jüngst meldeten Ermittler Rückstände des von H. verwendeten Medikaments in 24 weiteren Leichen. Wie kann so etwas geschehen?

Beine Lassen Sie mich zuerst klarstellen, wie es nicht geschieht: Durch einzelne, psychisch kranke, sadistische "Hexen", "Todesengel" oder "Vollstrecker", wie sie in den Schlagzeilen genannt werden. Diese reflexartige Dämonisierung mag nachvollziehbar sein, aber sie ist falsch! Es ist von überragender Bedeutung, dass wir verstehen: Diejenigen, die in Kliniken und Pflegeheimen zu Serienmördern werden, sind Menschen wie du und ich. Kein Täter weltweit war so gravierend psychisch krank, dass er im strafrechtlichen Sinn schuldunfähig gewesen wäre. Vielmehr sind die Täter besonders unfähig, Menschen mit schweren Erkrankungen in unserem derzeitigen Gesundheits- und Pflegesystem zu versorgen.

Wie meinen Sie das?

Beine Die Verhältnisse in vielen Kliniken und Heimen sind doch längst bekannt. Dort herrscht ein unsäglicher Druck, Fallzahlen zu erfüllen und Verweildauern nicht zu überschreiten. Viele Studien bescheinigen das, noch mehr Artikel werden darüber geschrieben. Das Problem ist, dass daraus nichts folgt. Wir als Gesellschaft tolerieren diese Verhältnisse. Wenn die Spitzen des Eisbergs wie eben solche Serien bekannt werden, gibt es einen Aufschrei – und nach einer kurzen Empörungswelle läuft alles genau so weiter wie zuvor.

Karl Beine (65) ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am St.-Marien-Hospital in Hamm. Er forscht seit rund 25 Jahren zu Serientötungen in Kliniken und Heimen. FOTO: Christian Weische

Woran liegt das?

Beine Die Überzeugung, dass menschliches Leben wertvoll ist bis zum letzten Tag, gilt nicht mehr so absolut, wie sie sollte. In Hospizen werden Menschen mit unheilbaren Leiden angenommen und liebevoll getragen – in vielen Kliniken und Heimen hingegen werden Patienten und Bewohner, die weniger schwer krank sind oder einfach nur alt, vor allem als Belastung empfunden. Wer eigene Berufserfahrungen mit hilfsbedürftigen Menschen hat, der sollte viel mehr Verantwortung und Einfluss bekommen in Kliniken und Heimen. Gegenwärtig haben da die Ökonomen das Sagen. Wir haben uns längst daran gewöhnt, aber die fehlende Nähe der Entscheider zum Daseinszweck ihrer eigenen Einrichtungen ist fatal. Glauben Sie mir: Sachkenntnis schadet im Zweifel nicht, auch nicht auf der Führungsebene.

Das ist kein Problem der Pflege allein.

Beine Absolut nicht – es ist ein Megatrend, das diejenigen, die leiten und führen, angeblich nichts mehr verstehen müssen von dem, was sie leiten und führen. Aber in diesem Fall trifft es die Verwundbarsten. Patienten und Heimbewohner werden zu Kunden gemacht. Das ist eine Verhöhnung dieser Menschen! Wer alt und dement ist oder gerade einen medizinischen Notfall erlitten hat und einen Klinik- oder Heimplatz sucht, ist doch in einer völlig anderen Verfassung als jemand, der online Urlaubspreise vergleicht oder zu einem Autohaus schlendert, um ein Auto zu kaufen. Diese Menschen können sich nicht verhalten wie Kunden, nämlich marktgerecht und rational. Sie können nie auch nur die grundlegendsten Kompetenzen eines Kunden aufweisen.

Wie viel Gewalt erfahren Bewohner deutscher Pflegeheime?

Beine Das wissen wir leider nicht wirklich. Je nach Untersuchung schildern 81% der Pflegekräfte, verbale Gewalt beobachtet zu haben und 36% körperliche Gewalt. Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 40% der Pflegekräfte problematisches Verhalten gegenüber Patienten miterlebt haben. Wie hoch die Dunkelziffern sind, weiß kein Mensch, aber wir schätzen, dass auf jedes entdeckte Tötungsdelikt zwei bis drei unentdeckte kommen. Kliniken und Pflegeheime sind, wenn man so will, ideale Tatorte, weil nirgendwo sonst die eingesetzten Tötungsmittel so normal, so unverdächtig wirken.

Was verwandelt Pfleger und Krankenschwestern in Mörder?

Beine An die Menschen in diesen Jobs werden sehr hohe Anforderungen gestellt, doch wir alle gehen verlogen mit ihnen um. Wir betonen unsere Wertschätzung für sie in Sonntagsreden. Aber Arbeitszeiten, Stress und Bezahlung bleiben, wie sie sind. Und gerade eine hohe idealistische Motivation ist nicht ohne Risiko. Alle späteren Täter litten an einem geringen Selbstwertgefühl – und wählten diesen auch Beruf in der Hoffnung, dass ihnen dort Anerkennung zu Teil werde. Im Alltag wird sehr schnell klar, dass dieser Plan nicht aufgeht. Die Arbeit ist schwer, die Patienten nicht immer dankbar, die Kollegen selbst unter Dauerstress und deshalb nicht immer kollegial. Die eigene Verstimmung über diese Zustände – die es ja ähnlich in vielen Jobs gibt – wird dann verstärkt durch die Konfrontation mit permanenter Krankheit und Schmerzen, Altern und Tod.

Was lässt diese Menschen die Hemmschwelle zu töten überwinden?

Beine Wir alle wissen, dass wir die Welt um uns herum völlig anders erleben, je nachdem, ob es uns gut oder schlecht geht. Ein Pfleger, dem es sehr schlecht geht, entwickelt auch einen negativen Blick auf die Patienten. Sein eigenes Leid lässt das Leiden seiner Patienten schlimmer aussehen als es ist – und das wiederum verschlechtert sein eigenes Befinden. Eine Abwärtsspirale, an deren Ende die Grenze verschwimmt zwischen eigenem Leid und dem der anderen. Der Helfer projiziert sein eigenes Leiden auf den Patienten. Hilfe suchen kann oder will er nicht, und seine berufliche Umgebung lädt auch nicht dazu ein, weil jeder gestresst ist. Schließlich erachtet er das Leben des Patienten als sinnlos. Indem er ihn tötet, will er das eigene Leid lindern.

Viele Täter geben als Motiv Mitleid an.

Beine Sie reden sich ein, ihren Opfern einen Gefallen zu tun – aber gefragt haben sie nie. Deshalb sind diese Taten nicht zu verwechseln mit Tötungen auf Verlangen. Die größere Gruppe der Täter tötet die ihnen Anvertrauten direkt. Einige produzieren auch künstlich Notfälle, um sich nach der Verabreichung von Gegenmitteln als Retter feiern zu lassen – falls diese "Rettung" gelingt und das Opfer nicht doch stirbt.

Wie werden solche Serien entdeckt?

Beine In den betroffenen Einrichtungen selbst kann nicht sein, was nicht sein darf. Häufig erfolgt die Entdeckung erst, wenn die Indizien unübersehbar geworden sind. Auch dann ist sie oft der besonderen Aufmerksamkeit einzelner Kollegen zu verdanken, die nicht locker lassen. In Delmenhorst hat eine Krankenschwester dafür gesorgt, dass Niels H. freigestellt wurde und nicht weiter töten konnte.

Sind Patienten und Bewohner größerer, anonymerer Einrichtungen tendenziell stärker gefährdet?

Beine Bei Gewalt gegen Schutzbefohlene im Allgemeinen scheint das so zu sein. Für Serientötungen gibt es allerdings keinen "typischen" Ort. Sie geschehen in kleineren wie größeren Heimen, auf Intensiv- und anderen Stationen. Das einzige, was alle Einrichtungen verbindet: Sie sind der Entwicklung unterworfen, dass Patienten und Bewohner immer häufiger als Kostenfaktoren betrachtet werden und die Pflege als Experimentierfeld für Prozessoptimierung.

Kann nicht die oft als Zeitfresser beklagte umfassende Dokumentierung Gewalt an Patienten verhindern?

Beine Nein, denn ein Täter wird falsch oder gar nicht dokumentieren, was er Patienten antut. Entscheidend ist die preisgesteuerte Dokumentation auf den Ebenen darüber. Häufig wird nicht einmal die Entwicklung der Sterbehäufigkeit in einzelnen Abteilungen nachverfolgt. Spätestens bei einem Abgleich von Todeszeitpunkten mit Dienstplänen würde man bemerken, wenn jemand überzufällig häufig bei Todesfällen anwesend ist. Niels H. beispielsweise wäre so sicher früher entlarvt worden. Ebenso auffällig in diesem Fall: Der Verbrauch des Medikaments Gilurytmal® stieg unbemerkt an, etwa auf das Achtfache. Verordnet worden war das zur Linderung von Herzrhythmusstörungen gedachte Medikament dort kaum, bestellt hat es H. selbst. Verdacht erregt hat das nie. Kontrolliert wurde nur die Ausgabe teurer Medikamente. Hätte H. mit teureren Medikamenten getötet, wäre sein Treiben höchstwahrscheinlich eher aufgefallen und gestoppt worden.

Wie lässt sich das Risiko solcher Serien minimieren?

Beine Wir müssen uns eingestehen, dass es sie gibt und die Mitarbeiter in der Ausbildung dafür sensibilisieren. Dadurch darf natürlich kein generelles Misstrauen geschürt werden. Es muss aber eine neue Balance geben zwischen blindem Vertrauen und gesundem Misstrauen. Vor allem sind die Vorgesetzten gefordert, Resignation und Zynismus in ihren Teams besser zu erkennen. Sie müssen öfter vor Ort sein, um wirklich beobachten und reagieren zu können. Keiner der verurteilten Täter ist ernsthaft gefragt worden: "Wie geht es dir? Hast du ein Problem? Kann ich dir irgendwie helfen?" Völlig normale kollegiale Reaktionen sind in diesen Tötungsserien ausgeblieben, weil jeder froh ist, wenn er seine eigene Arbeit schafft, aber von morgens bis abends nicht rechts und nicht links gucken kann. Dieser Tunnelblick verhindert wirksame Achtsamkeit.

Was brauchen die Pflegekräfte es am dringendsten, um Gewalt gegen Patienten zu verhindern?

Beine Zeit! Zeit für Patienten und Heimbewohner, Zeit für Kollegen. Und Anerkennung als kompetente Kräfte, die sich auch in besserer Bezahlung niederschlägt. Das wäre die effektivste Prävention.

Gibt es Warnsignale?

Beine Meinem Eindruck nach gab es in den Einrichtungen, in denen sich Tötungsserien ereigneten, viele ungelöste Konflikte und gleichzeitig wenig Interesse und Anteilnahme an den Patienten und an den Mitarbeitern. Auf erste kleinere, alltägliche und dann später auch gravierende Fehler blieb jede Reaktion aus. Häufig hatten einer oder sogar mehrere Kollegen den späteren Täter schon sehr früh im Verdacht, aber ihre Hinweise versandeten irgendwo in der Meldekette zu höheren Hierarchieebenen. In der Folge breitete sich die Haltung aus: Für unsere Arbeit interessiert sich ohnehin keiner. Was wir tun oder lassen, ist egal. Die Menschen wurden gleichgültig und verrohten. Sprache ist ein guter Indikator dafür: Wird vom Sterben von Patienten als "Abnippeln" oder "Abkacken" gesprochen? Werden Patienten entwertet oder gar beschimpft, sogar im Beisein von Kollegen? Das hat nichts mehr mit dem berühmt-berüchtigten "Krankenhaushumor" zu tun. Da herrscht Alarmstufe Rot.

Was kann ich tun, um mich diesem Risiko nicht aussetzen zu müssen?

Beine Sie sollten alles versuchen, um möglichst lange in Ihrer eigenen Wohnung bleiben zu können. Kümmern Sie sich frühzeitig um Wohnmöglichkeiten im Alter für sich selbst oder Ihre Eltern. Heime sind nicht alternativlos. In Schweden und Norwegen sind Krankenversorgung wie auch Altenpflege patientennäher gestaltet als hier. Die finanziellen Anreize für medizinisch fragwürdige Eingriffe oder Unterbringungen in stationären Altenheimen sind dort sehr viel geringer. Gleichzeitig sind die Anreize für den Umzug in eine Mehr-Generationen-WG oder den Verbleib in der eigenen Wohnung mit Betreuung durch Nachbarschaftsnetze sehr viel höher.

Woher soll das Geld dafür kommen? Die Sozialkassen sind schon jetzt an der Belastungsgrenze.

Beine Dass eine andere Versorgung teurer wäre, ist ein Irrglaube. Derzeit wird viel zu viel Geld für Maßnahmen und Leistungen ausgegeben, die nicht aufeinander abgestimmt sind und von uns nicht gewollt sind. Möchten Sie in ein Altenheim?

Nicht, wenn ich es irgendwie vermeiden könnte. Gibt es denn konkrete Ergebnisse aus der Forschung, die eine anderen Umgang mit Kranken und Alten nahelegen, aber ignoriert werden?

Beine Ja. Wir wissen sicher, dass sich der Zustand von alten Menschen regelmäßig verschlechtert, wenn ihre Umgebung und Bezugspersonen wechseln. Wir wissen, dass gut vergütete Operationen wie z.B. in der Wirbelsäulenchirurgie häufiger durchgeführt werden als medizinisch notwendig. Die Verantwortung eines Krankenhauses endet heute mit der Entlassung des Patienten. Aus der Forschung wissen wir sehr genau Bescheid über mittel- und langfristige Krankheitsverläufe, aber auf die Versorgungsstrukturen haben diese Erkenntnisse bislang kaum Einfluss. Ich werbe sehr dafür, stärker auf die Nachhaltigkeit von Behandlungen zu schauen statt auf die einzelne preisgesteuerte Behandlungsepisode.

In den USA, wo man praktisch ohne Krankenversicherungen auskommt, ist das noch weitgehender der Fall.

Beine Ja. Dort existiert kein Solidaritätsprinzip europäischer Prägung. Letztlich wird dort nur behandelt, wer es sich leisten kann. Das ist inhuman und inakzeptabel. Ich kann das nicht begreifen. Aus Diskussionen mit amerikanischen Kollegen weiß ich, dass dort die Sorge des Staats um die Gesundheit seiner Bürger begriffen wird als Bevormundung, als Beschneidung der persönlichen Freiheit. Wenn wir die Spaltung unserer Gesellschaft in wenige Wohlhabende und viele Arme nach diesem Muster verhindern wollen, dann dürfen wir nicht verzichten auf eine solidarische Krankenversicherung. Gleichzeitig haben wir auch die Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl, dass die von uns allen stammenden Mittel dafür sinnvoll verwendet werden. Dafür brauchen wir mehr Vernetzung und mehr Transparenz.

Was sind die Hindernisse dafür?

Beine Wir haben viele einzelne, in sich geschlossene und gegeneinander abgeschottete Systeme. Krankenhausbehandlung gegen ambulante Behandlung, stationäre Pflege gegen ambulante Pflege usw. In diesem System gibt es viele Akteure, die sehr darauf achten, dass bei ihren eigenen Interessen keinerlei Abstriche gemacht werden, sondern dass die Umsätze und Profite wachsen. Gesamtbetrachtungen sind Mangelware. Es gibt keine Stelle, die nachprüft, wie effektiv einzelne Maßnahmen sind, ob sie tatsächlich die erhoffte Heilung oder Linderung dauerhaft bewirkt haben. Es ist ja nicht so, dass viel immer viel hilft. Es ist klar, dass wir da mehr Transparenz brauchen, mehr Datenaustausch.

Was aber der Alptraum jedes Datenschützers wäre.

Beine Solche Bedenken kann ich sehr gut nachvollziehen. Ein transparentes System wäre tatsächlich hochgradig anfällig gegen Missbrauch. Aber wenn der Patient selbst gut informiert wäre, dann hätten wir schon viel erreicht. Im aktuellen System sind zum Beispiel schon Operation und die Reha danach strikt voneinander getrennte Vorgänge – kostentechnisch. Das ist doch absurd! Ein Zugang zu den eigenen Daten – was ist weshalb über welchen Zeitraum und von wem gemacht worden? –, die man dann zum Beispiel einem Arzt seines Vertrauens zur Verfügung stellen könnte, wäre in meinen Augen ein Segen.

Der nächste Schritt wären Risikoprofile für Versicherer…

Beine…oder potenzielle zukünftige Arbeitgeber. So etwas darf es niemals geben, denn das würde das Solidarprinzip aushöhlen!

Den Zugriff auf diese Daten habe ich heute nicht?

Beine Wenn Sie viel Aufwand betreiben, könnten Sie Einsicht bekommen in einzelne Arztbriefe und andere Unterlagen. Das hilft Ihnen aber in aller Regel nicht, denn selbst wenn Sie diesen Einblick bekommen, haben Sie als Laie große Schwierigkeiten, die Informationen zu verstehen und zu bewerten.

Was muss sich ändern, um Gewalt gegen Patienten und Bewohner bis hin zum Mord besser zu vermeiden?

Beine Ich bin sicher, dass viele Gewaltakte vermeidbar gewesen wären, wenn man in unserer Gesellschaft die eigene Erschöpfung, das eigene Ausgebranntsein nicht als Schwäche empfinden würde, die man verbergen muss. Diese Mentalität kann fatale Konsequenzen haben. Wer leidet und glaubt, sich niemandem anvertrauen zu können, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch die ihm Anvertrauten. Das kann Alte und Kranke treffen, aber letztlich uns alle. Ich erinnere auch den Co-Piloten, der das Germanwings-Flugzeug absichtlich abstürzen ließ.

Wie gehen Sie selbst damit um, seit 25 Jahren zu diesem Thema zu forschen, ohne Fortschritte zu sehen?

Beine Manche Dinge erträgt man nur, indem man sie bekämpft. Gegen den Frust muss ich aufklären, reden, schreiben, darauf hinweisen, dass der Weg, den wir der Pflege gehen, ein Holzweg ist. Die Kraft, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, beziehe ich aus der Hoffnung, dass wir auch große Änderungen bewirken können, wenn wir die Herzen und Köpfe der Menschen erreichen. Diese Hoffnung trage ich in mir.

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