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Deutscher Wetterdienst
"Es ist ein rekordmilder Dezember in NRW"

Hintergrund: Test – Allergie oder Erkältung?
Hintergrund: Test – Allergie oder Erkältung?
Düsseldorf . Den Weihnachtsmonat Dezember wünschen sich viele winterlich kalt und am besten mit Schneefall. In diesem Jahr ist jedoch nicht mehr mit weißen Weihnachten zu rechnen. Laut Deutschem Wetterdienst ist der Dezember so warm, dass Allergiker sogar schon mit Pollenflug zu kämpfen haben. Von Susanne Hamann

"Wenn man das Wetter in NRW für die nächsten zehn Tage ansieht, dann muss man sagen, dass ein Winter- oder Kälteeinruch nicht in Sicht ist", sagt Thomas Kesseler-Lauterkorn, Meterologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen. Ganz im Gegenteil: "Sowohl am Donnerstag als auch am vierten Adventssonntag muss mit Temperaturen bis zu 15 Grad gerechnet werden." Es wird also sogar noch wärmer in diesem Dezember.

Normal ist das dem Experten zufolge ganz und gar nicht: "Das Klimamittel beträgt in NRW im Dezember normalerweise durchschnittlich 2,3 Grad. Dieses Jahr verzeichnen wir davon aber eine Abweichung von rund fünf Grad." Klimatologisch sei das ein dramatischer Wert.

Zum Vergleich: Seit der Aufzeichnung der Klimadaten im Jahr 1881 gab es nur zwei Dezember in NRW mit ähnlichen Bedingungen. 1934 kam es zu einer Abweichung von 4,3 Grad; 1974 waren es 3,9 Grad. Beide Werte liegen jedoch unter der Abweichung von rund sieben Grad, die sich - wegen des milden Trends für die nächsten Tage - am Ende für den Dezember 2015 abzeichnet. "Bei aller Vorsicht, die man bei Wetterprognosen walten lassen muss, ist es ein rekordmilder Dezember in NRW. Und auch in ganz Deutschland", sagt Kesseler-Lauterkorn. 

Das milde Klima hat Konsequenzen für Pollenallergiker

Weiße Weihnachten sind nach dieser Prognose extrem unwahrscheinlich. Doch das milde Klima hat noch eine andere Auswirkung: Der Pollenflug der Hasel setzt ungewöhnlich früh ein. Der Baum ist der erste, der im Jahr blüht. Typischerweise macht sich das für Allergiker ab Anfang Februar bemerkbar. 

"Durch das extrem milde Wetter hat sich der Blühbeginn jedoch in einigen Regionen um sechs bis sieben Wochen verschoben", sagt der Meterologe. Das ist nicht nur deutlich zu früh, sondern ebenfalls ein Rekordwert. "Seit 1949 gab es nur ein einziges Jahr, in dem es auch schon im Dezember zum Haselpollenflug kam, das war 2001. Man kann also sagen, dass es wirklich ein sehr ungewöhnliches Ereignis ist."

Ob die Pollen fliegen und wie stark, ist regional sehr unterschiedlich und kann dem Pollenflug-Gefahrenindex des DWD entnommen werden. "Aber in den nächsten Tagen wird es eben noch einen Tick milder, und es kommt auch noch zu etwas mehr Wind", sagt Kesseler-Lauterkorn. Vor allem starke Allergiker müssen sich deshalb darauf einstellen, über die Feiertage etwas von dem Pollenflug zu spüren. 

Welche Ursachen das außergewöhnlich milde Klima hat, lässt sich nicht ganz eindeutig bestimmen. "Man spricht dann von der Großwetterlage, die eben entsprechend ist, und die derzeit keine Chance dafür bietet, dass die Kaltluftfronten von Skandinavien zu uns herüber ziehen", sagt der Experte. 

Dass die Klimaerwärmung einen Teil dazu beiträgt, ist für den Meterologen unbestritten. "Aber man darf trotzdem nicht den Fehler machen, einzelne Monate als Beweis für den Klimawandel anzuführen, sie passen nur sehr gut ins Bild." 

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