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Wenn die Hände auch im Frühling nicht warm werden

"Frostbeulen" sind manche Menschen auch noch im April. Bei ihnen bleiben Hände und Füße nicht selten ganzjährig kalt. Woran liegt das? Und warum sind Frauen so oft betroffen? Von Susanne Hamann

Wenn die Temperaturen in Herbst und Winter sinken, macht das vielen zu schaffen. Bei Menschen, die empfindlich auf Kälte reagieren, macht sich das meist an kalten Händen und Füßen bemerkbar, die manchmal auch über Stunden nicht mehr richtig warm werden. Aber diese Leute behalten kalte Füße oft auch im Frühjahr, etwa in diesen Tagen, in denen sich die Temperaturen noch nicht recht zu entscheiden scheinen, ob sie steigen oder sinken wollen. Doch woher kommt das? Zunächst einmal: Frieren ist ein ganz normaler Prozess, denn das Blut im Körper wird dorthin geschickt, wo es am meisten gebraucht wird. Priorität hat dabei das Gehirn. Es wird konstant auf 37 Grad gehalten. Arme und Beine dürfen etwas mehr auskühlen.

Langes Sitzen im Büro kann deshalb dazu führen, dass zwar die obere Körperhälfte warm ist, sich die Füße aber plötzlich ausgekühlt anfühlen - der Körper durchblutet sie schlechter, weil sie gerade nicht gebraucht werden. Ein bisschen Bewegung bringt aber schnelle Erlösung von den Eisfüßen.

Warum Frauen mehr

frieren als Männer

Vor allem junge Frauen klagen häufig über kalte Füße. Und tatsächlich bestätigt auch die Wissenschaft: Männer scheinen grundsätzlich weniger kälteempfindlich zu sein als Frauen. So zeigen Untersuchungen, dass Frauen etwa fünf Grad früher anfangen zu frieren als Männer, wenn die Umgebungstemperatur sinkt. Gründe dafür sind der niedrigere Blutdruck und die geringere Muskelmasse bei Frauen.

Arbeitet die Muskulatur, entsteht dabei Wärme. Das ist auch der Grund, warum Menschen zittern, wenn ihnen kalt ist. Der Körper versucht über die Kontraktion der Muskeln, Wärme aufzubauen. Das gleiche passiert in reduzierter Form, wenn sich der Körper im Normalzustand befindet: Er produziert Wärme, von der ein Teil in den Körper abgegeben wird. Während Männer jedoch über rund 40 Prozent Muskelmasse verfügen, haben Frauen gerade mal halb so viel. Ihr Körper produziert also von Natur aus weniger Wärme.

Und noch ein anderer Faktor ist entscheidend: Wird es kalt, schaltet der weibliche Körper schneller auf eine Art Notfallerwärmung um. Die Kerntemperatur im Körper bleibt dann konstant bei 37 Grad, um die Arbeit aller lebenswichtigen Organe zu sichern. Der Nachteil: Die Blutgefäße in Händen und vor allem Füßen ziehen sich zusammen, und die Temperatur darin kann auf bis zu acht Grad Celsius fallen.

Gesundheitlich gefährlich sind kalte Füße nicht. Trotzdem sollte man versuchen, die Treter aufzuwärmen. Wer dort auf Dauer friert, muss mit Erkältungssymptomen wie triefender Nase rechnen. Bei Frauen kann eine Reizblase bis zur Blasenentzündung die Folge sein.

Warme Socken und heiße Fußbäder sind Maßnahmen, die auch täglich hilfreich sind. Besonders nützlich sind außerdem Saunagänge und Bewegung. Beides sorgt dafür, dass der Kreislauf und somit die Blutzirkulation in Schwung kommen - und das ist die beste natürliche Heizung.

Warum die Hände

eiskalt werden

Neben den Füßen werden auch die Hände gerne eiskalt. Das kann an den Außentemperaturen liegen, aber auch körperliche Ursachen haben. Menschen mit Eisenmangel beispielsweise haben eine geringere Kältetoleranz. Sie reagieren auf kalte Temperaturen mit gesteigerter Adrenalinausschüttung und erhöhtem Sauerstoffverbrauch, können Kälte also schlechter verkraften. Grund dafür ist, das der Körper bei Eisenmangel die letzten Reserven aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin zieht. Es ist ein eisenhaltiges Molekül, das dem Blut seine rote Farbe gibt und den Körper mit Sauerstoff versorgt. Ist davon zu wenig vorhanden, kommt es zu Kopfschmerzen, Frösteln und Leistungsabfall. Bei einem gesunden Menschen zieht der Körper das Eisen aus der Nahrung oder aus Eisendepots in der Leber. Ob ein Eisenmangel vorliegt, lässt sich durch einen ärztlichen Bluttest abklären.

Zudem kann eine Schilddrüsenerkrankung das Problem sein. Das bedeutet, das Organ produziert zu wenig Hormone, wodurch der Stoffwechsel des Betroffenen reduziert wird. Weil nicht mehr so viel Energie umgesetzt wird, kommt es zu Dauerfrösteln.

Auch der Blutdruck sollte bei ständigem Frieren an den Händen kontrolliert werden. Vor allem zierliche Frauen tendieren dazu, unter chronisch niedrigen Werten zu leiden. Dadurch ist die Blutzirkulation im Körper gestört. Sollten die kalten Hände immer dann auftreten, wenn der Betroffene aufsteht, ist der Fall etwas spezieller.

Das ist ein klassisches Zeichen für orthostatische Hypotonie. Dabei ist die Zirkulation gestört, die dafür zuständig ist, dass das Blut auch im Stehen durch den Körper nach oben fließt. Es kommt zu einer kurzfristigen Unterversorgung des Gehirns und der schlechte Blutdruck wirkt sich auf die Temperatur der Hände aus.

Wenn Hände nicht nur kalt, sondern auch taub werden

Werden die Hände nicht nur kalt, sondern auch taub, denkt der Arzt an die Raynaud-Krankheit. Dazu kommt es, wenn sich die Blutgefäße in den Händen extrem stark zusammenziehen und sie nicht mehr genügend durchblutet werden können. Wodurch dieser Effekt entsteht, ist nicht ganz klar. Manche reagieren besonders stark auf Stress und Kälte. Bei einigen wird er von einer Arthritis ausgelöst.

Ob das Raynaud-Syndrom vorliegt oder nicht, lässt sich relativ leicht erkennen, denn die Symptome treten anfallartig auf. Hände und auch oft die Füße werden plötzlich weiß oder auch blau und beginnen zu schmerzen. Wenn das Blut wieder einschießt, verfärbt sich die Haut rot. Der ganze Vorgang kann sehr schmerzhaft sein. Meist verfärben sich die Fingerkuppen stärker als der Rest der Hände. Der Spuk ist in der Regel nach wenigen Minuten vorbei. Nur selten dauert ein Anfall mehrere Stunden.

Jeder Fünfte leidet am Raynaud-Syndrom. Frauen sind viermal so häufig betroffen wie Männer. Rauchen ist ein großer Risiko-Faktor für Patienten. Das Nikotin zieht die Gefäße zusammen und begünstigt somit einen entsprechenden Anfall. Der stärkste Auslöser ist jedoch Kälte. Schon bei milden kalten Temperaturen um die zehn Grad werden Handschuhe nötig. Vor Feuchtigkeit sollten Betroffene ihre Hände im Herbst und Winter unbedingt durch Gummihandschuhe schützen. Nässe begünstigt die Kälte auf der Haut und kann einen Raynaud-Schub so noch schneller auslösen.

Quelle: RP
 
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