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Mein grünes Wohnzimmer (Serie)
Kräuter als Medizin gegen Schädlinge

Die beste Schädlingsbekämpfung für Balkonpflanzen
FOTO: staschik (archiv)
Düsseldorf. Schimmel, Raupen, Läuse - Balkonpflanzen haben viele Feinde. Da kann man die Gewächse noch so liebevoll umsorgen, wenn Schädlinge mit im Spiel sind, ist guter Rat teuer. Doch es gibt natürliche Waffen. Von Jessica Kuschnik

Der Balkon ist eine Ruhezone - da sollte man sich nicht hetzen. Das denken sich wohl auch die Raupen. Gemächlich kriechen sie über die noch jungen Salatblätter im Pflanzenkasten. Und hinterlassen ihre Spuren: löchrige Blätter oder gähnende Leere. Wie auch immer: Auf dem Teller landet das Grünzeug garantiert nicht mehr. Und auch der Tomatenstrauch ist in Gefahr, wenn man nicht mit Chemie gegen die braunen und grünen Kriechtiere vorgehen will. Doch es gibt Alternativen aus der Natur.

"Pflanzen helfen Pflanzen, so könnte die treffende Zusammenfassung lauten", sagt Birgit Königs vom Naturschutzbund (Nabu) in NRW. Sie weiß, wie man Ungeziefer und Schimmel von Balkonpflanzen und Gemüse fernhält. "Die Nutzung heimischer Wildpflanzen als Brühe angesetzt hilft den Balkon- und Gartenpflanzen, mit Schädlingen oder Schimmelbefall besser fertig zu werden."

So fühlen sich Kräuter richtig wohl FOTO: dpa, may

Die bekannteste und meist genutzte Pflanze für eine "heilende" Brühe ist die Brennnessel. Das Gewächs wird zu einer Jauche angesetzt und dann auf die Blumenerde gegeben. "Am besten nutzt man dazu frisches Kraut, das von Frühjahr bis weit in den Sommer geschnitten werden kann", sagt Königs. "Samentragende Pflanzen sind aber unbrauchbar." Da man für Balkone oder Stadtgärten meist nur kleine Mengen benötigt, könne man auch auf getrocknetes Brennnesselkraut aus Teebeuteln zurückgreifen. Das Kraut einfach mit Regenwasser oder abgestandenem Leitungswasser übergießen, zwei bis drei Wochen an einem sonnigen Platz stehen lassen und ein- bis zweimal am Tag umrühren. Das kann allerdings unangenehm riechen. "Dagegen hilft Steinmehl, das man über die Oberfläche streut", rät Königs.

Bevor man die Jauche als Dünger über die Pflanzenerde gießt, sollte die Brühe im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt werden. Und auch wenn der Schädling der Feind ist: Die Tierchen sollten zunächst eingesammelt und umgesiedelt werden. "Wer die Jauche zur Stärkung über die Blätter gießen möchte, muss die Brühe vorher durchsieben, um Pflanzenreste zu entfernen. Die Jauche wirkt allgemein ausgleichend und stärkend, fördert das Wachstum, und Regenwürmer lieben Böden, die mit Brennnesseljauche behandelt wurden", erklärt die Expertin.

Nach diesem Grundrezept lassen sich noch weitere Wildkräuterbrühen ansetzen. So hilft die Schachtelhalmbrühe gegen die Blattfleckenkrankheit sowie gegen Grauschimmel bei Erdbeeren, Mehltau und andere Pilzerkrankungen wie Sternrußtau bei Rosen (schwarze Flecken auf den Blättern). Dazu die Brühe mehrere Tage hintereinander auf die befallenen Blätter sprühen. Wermut- oder Rainfarnbrühe hilft gegen Erdflöhe und Erdraupen, insbesondere Rainfarnbrühe auch gegen Weiße Fliege bei Geranien, Fuchsien, Primeln und bei Zimmerpflanzen. Beinwellbrühe wird zur allgemeinen Stärkung der Pflanzen auch mit Brennnesseljauche gemischt.

Wem die Raupen und Läuse schon so sehr auf der Nase herumtanzen, dass er keine drei Wochen auf die fertige Brühe warten kann, dem helfen auch andere Hausmittelchen. Knoblauch etwa können viele Schädlinge gar nicht ausstehen. Eingepflanzt in einen Blumenkasten vertreibt er Raupen und Co. wie das Knollengewächs in Filmen Vampire in die Flucht schlägt. Auch Algenkalk, der um die Pflanzen herum verstreut wird, kann helfen.

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Die Deutsche Wildtier Stiftung hat noch einen anderen Rat: "Ein natürlicher Feind der Blattläuse ist der Marienkäfer. Eine einzige Marienkäfer-Larve frisst bis zu 150 Blattläuse am Tag", sagt Sprecherin Eva Goris. Die Larven kann man im Internet bestellen, um sie dann auf den "verlausten" Pflanzen auszusetzen. Auch Florfliegen, Raub- und Spinnmilben seien nützlich im Kampf gegen Schädlinge. Zudem wird empfohlen, auf dem Balkon eine kleine wilde Ecke wachsen zu lassen, in der sich Insekten wohlfühlen.

Vorbeugend ist es wichtig, seine Balkonpflanzen genaustens zu beobachten. Gelbe und deformierte Blätter können auf einen Schädlingsbefall hindeuten. Gekräuselte oder verkrümmte Blätter sind ein untrügliches Zeichen für Blattläuse. Auch die Blütenknospen und Triebspitzen können befallen sein. Diese Deformierung entsteht, wenn die Blattlaus ihren Rüssel in die Pflanze sticht, um den Saft herauszusaugen.

Wenn alles nichts hilft, führt der Weg ins Gartencenter. Dort gibt es Insektizide mit unterschiedlichen "Härtegraden" - von der schonenden Mischung bis hin zur Chemiekeule. Wichtig: Nicht jedes Mittel hilft gegen jede Krankheit. Der Experte im Gartencenter hilft gerne weiter.

Quelle: RP
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