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Gartenserie
Gemüse aus dem eigenen Beet

Mönchengladbach. Gärtnern macht Spaß, und das Radieschen aus dem Garten schmeckt auch besser. Ein Experte gibt Anbau-Tipps. Von Verena Bretz

Ein frisch gepflückter Salat oder duftende Kräuter aus dem eigenen Gemüsegarten schmecken nicht nur besser als aus dem Supermarkt. Es macht auch einfach Spaß, "Grünzeug" anzubauen, zu pflegen und natürlich auch zu ernten. "Viele Menschen glauben, ein Gemüsegarten bedeute einen Riesen-Aufwand. Man müsste viel Zeit investieren und jede Menge wissen", sagt Bio-Gemüsebauer Joachim Kamphausen vom Lenßenhof in Mönchengladbach. "Aber das ist Unsinn." Wer sich nicht zu viel auf einmal vornimmt und ein paar Tipps befolgt, kann schon bald seine ersten Radieschen ernten.

Ein Anfängerfehler, den Kamphausen oft beobachtet: "Die Leute wollen alles auf einmal: Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Kräuter, Gurken, Zucchini und, und, und . . . Sie legen einen riesigen Nutzgarten an, pflanzen alles voll, haben viel Arbeit, und am Ende gelingt das meiste nicht." Dann kommt der Garten-Frust. Besser: Anfänger sollten sich auf wenige und unproblematische Sorten beschränken. "Eine gute Anfängermischung besteht aus Salat, Radieschen, Kohlrabi und Steckzwiebeln", erklärt der Fachmann. Auch ein Vorteil: "Alle Sorten wachsen rasch und sind in etwa gleichzeitig erntereif. Sie haben also mit einem Gang durch den Garten die Zutaten für einen leckeren Salat zusammen."

Vor der Ernte kommt allerdings die Planung. Wie viel Gemüse esse ich überhaupt? "Es bringt ja nichts, wenn man 20 Salate pflanzt, und am Ende alles faul wird." Ist der Bedarf geklärt, muss der geeignete Standort gefunden werden. "Der Platz sollte sonnig sein und sich nicht unter Nadelbäumen befinden", erklärt Joachim Kamphausen. "Denn dort ist der Boden meist leicht sauer, das mag das Gemüse nicht. Eine freie Lage ist ideal." Manche Leute quetschten ihren Gemüsegarten auch einfach in eine Ecke, mit der sie sonst nichts anzufangen wissen. "Nach dem Motto: Ach, da ist noch Platz, da pflanze ich mal ein bisschen Gemüse hin", erzählt Kamphausen. "Aber Nutzpflanzen sind anspruchsvoll!"

Wenn jedoch der Standort gut und der Boden perfekt vorbereitet ist, gelingt der Rest viel leichter. Indiz für einen guten Boden sind viele Regenwürmer. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann den Boden vorab untersuchen lassen. "Die NRW-Landwirtschaftskammer bietet diesen Service beispielsweise an", sagt der Gemüsebauer. Hat der Boden genügend Nährstoffe und ist frei von Unkraut, kann gesät und gepflanzt werden. Das Frühjahr ist ideal, um das Freiland-Saatgut auszubringen. Der Boden sollte locker und feucht sein, aber nicht nass. Der Experte empfiehlt die Spatenprobe: "Man sollte mit dem Spaten ohne große Anstrengung mindestens 30 bis 50 Zentimeter in den Boden stechen können." Hobbygärtner sollten auch bedenken, dass viele Sorten Platz brauchen und nicht zu eng stehen dürfen. Bei Salat etwa empfiehlt der Fachmann, an der Seite 15 Zentimeter Platz zu lassen. "Dazwischen kann man gut Radieschen pflanzen. Die wachsen schneller als der Salat, werden bei der Ernte komplett entfernt und brauchen wenig Nährstoffe." Bei Blumenkohl, Wirsing und Brokkoli ist es anders: "Die brauchen sehr viel Platz und jede Menge Nährstoffe. Sie würden den Salat behindern."

Der Boden muss nun regelmäßig geharkt und gewässert werden. Vor dem Gießen sollte die Erde gelockert werden. Am besten gießt man in Intervallen statt in einem Riesenschwall. Sonst kann das Wasser nicht einziehen. "Wenn man nicht mehr mit der Hand darin graben kann, ist die Erde zu nass." Etwa alle zwei Wochen wird das Beet oberflächlich "geschuffelt", um Beikräuter zu beseitigen, ohne die Pflanzen zu beschädigen.

Und wann kann ich ernten? "Verlassen Sie sich auf ihr Auge", rät Joachim Kamphausen. Außerdem gibt es spezielle Saisonkalender. "Wenn die Blätter gelb sind, ist das Gemüse schon überreif." Pflanzenreste dürfen nicht auf dem Beet liegen bleiben oder untergegraben werden. "Dann können Krankheiten entstehen", erklärt Kamphausen. Pflanzenreste gehören in den Kompost. Wer Platz hat, dem empfiehlt er eine Fruchtfolge. Also regelmäßig verschiedene Pflanzen an derselben Stelle zu säen. "Auch das verhindert Krankheiten." Zuletzt noch ein Tipp gegen Schädlinge: Ein breiter Streifen Sand rund ums Beet hält Schnecken ab. Denn mit ihrem Schleim kriechen sie ungern durch Sand. Außerdem schwört Joachim Kamphausen auf sogenannte Kulturschutznetze, die er über das Beet legt und am Rand mit dicken Steinen beschwert. "Die Netze halten Tauben, Kaninchen, Schmetterlinge, Fliegen und Läuse ab."

Quelle: RP
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