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Tipps für Tierfreunde
Wann Igel Hilfe brauchen
Überwintern auf der Igelstation
Überwintern auf der Igelstation FOTO: Thomas Lammertz
Berlin. Im Herbst gehen Igel nachts verstärkt auf Futtersuche. Sind die Tiere bei Frost auch tagsüber zu sehen, sind sie vermutlich krank. Den Igel im Haus aufzunehmen und durchzufüttern, geht aber oft schief. Berater in einer Igelstation können in diesem Fall helfen. Von Julia Kirchner

Kleiner Körper, großer Krach: Wer einen Igel im Garten hat, kann den Stachelball kaum überhören. Er schnauft und schmatzt, raschelt und hustet. Bis in den Herbst hinein durchforsten Igel Erde und Laubhaufen nach Essbarem, um sich ein ausreichend dickes Polster für den Winterschlaf anzufressen. Denn sobald die Temperaturen unter null sinken, ist der Zeitpunkt für die Winterstarre gekommen. Ist im Garten dann immer noch ein Igel unterwegs, ist er vermutlich krank. Den Insektenfresser allein durch den Winter zu bringen, ist aber nicht ratsam. Dies sollte nur unter Anleitung geschehen, etwa in Absprache mit einer Igelstation.

Sind Igel auch noch bei Frost aktiv, haben die Tiere in den Wochen davor zu wenig gefressen oder sind durch Parasiten geschwächt. Aber noch ein paar weitere Anzeichen weisen darauf hin, dass das Säugetier krank ist. "Der Igel wirkt apathisch, zeigt kein Fluchtverhalten", sagt Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Kommt man ihm nahe, rollt er sich nicht zusammen. Weitere Merkmale sind ein schwankender, torkelnder Gang und eingefallene Augen.

Tiere nicht unnötig aufnehmen

Wie viel der Igel auf die Waage bringt, ist kein guter Anhaltspunkt. Unter 500 Gramm sind die Tiere zwar sehr leicht: "Ein Jungtier kann aber nur 400 Gramm wiegen und gesund sein", sagt Heiermann. Solche Tiere würden dann unnötigerweise vom Menschen aufgenommen.

Wer Zweifel hat, wie fit der Igel ist, bringt ihn am besten zu einer Igelstation oder zum Tierarzt. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, setzen ihn Finder am besten in einen Karton: "Er sollte ohne Löcher und Aussparungen sein, also kein Umzugskarton", rät Verena Wendt von der Igelstation Weilheim. Denn sonst könne das Tier durch die Aussparung klettern und darin hängen bleiben. Als Untergrund eignet sich am besten Zeitungspapier. Katzenstreu oder Sägemehl kann dagegen die Stacheln verkleben.

Vor allem Wärme tut entkräfteten Igeln gut: "Ist der Igelbauch kälter als die eigene Hand, ist das Tier unterkühlt", sagt Wendt. Am besten sei es, ihn auf eine lauwarme, mit einem Tuch umwickelte Wärmflasche zu setzen. Nach etwa drei bis fünf Stunden habe das Tier dann wieder seine normale Körpertemperatur erreicht.

Etwas Futter bekommen Igel am besten erst, wenn sie sich erholt haben und zum Beispiel nicht mehr schwankend laufen. Denn ein geschwächtes Tier kann das Futter nicht richtig schlucken und daran ersticken. Mit einer Schale Wasser und einem kleinen Unterteller mit Katzenfutter oder einem Esslöffel ungewürztem Rührei sind sie gut versorgt. Ungeeignet ist dagegen Milch: Denn die darin enthaltene Laktose können Igel nicht verdauen, und sie bekommen Durchfall. Auch Obst und Gemüse vertragen die Tiere nicht.

So niedlich das Stacheltier im Karton auch aussehen mag: Ihn in Eigenregie aufzupäppeln, geht meistens schief: "Ich bekomme so viele Anrufe von Leuten, die nicht wissen, was sie mit dem Tier machen sollen", sagt Wendt. Denn der Igel will bemuttert und gefüttert werden, täglich muss seine Box gesäubert werden: "Das sind keine angenehmen Gerüche", sagt Heiermann.

Besser sei es da, das Tier unter Anleitung aufzupäppeln oder in einer Igelstation abzugeben. Wieder gesund, hält er dann am besten im Freien Winterschlaf, zum Beispiel in einer Holzbox im Gartenhaus oder einem Stall. Denn die Ruhe während der kalten Monate ist wichtig für ihre Gesundheit: "Der Stoffwechsel fährt runter, dadurch sterben Parasiten wie Würmer ab", sagt Heiermann. Fehlt Tieren diese Unterbrechung, sterben sie oft im kommenden Frühjahr.

Blätter zu Haufen aufschichten

Wer die Tiere unterstützen will, kann vor allem im eigenen Garten viel tun: "Je natürlicher der ist, desto besser", findet Claudia Rösen, Umweltpädagogin und Buchautorin aus Mölln. Statt akkurat gestutzter Hecke und blank gefegtem Rasen sollte es ein bisschen unordentlich sein: "Blätter lieber nicht wegbringen, sondern rechen und zu Haufen aufschichten." Auch heruntergefallenes Obst und tote Äste bleiben besser liegen. Denn sie ziehen Insekten und Kleintiere an, die der Igel dann schmatzend verputzen kann.

Mit ein paar Handgriffen lässt sich auch ein Unterschlupf für die Igel selbst bauen: Dazu wird ein jeweils 45 Zentimeter langes und breites Brett auf zwei kleine Baumstämme gelegt. Eine umgestülpte Kiste, die mit Laub oder Stroh gefüllt wurde, bietet einen trockenen Schlafplatz. Nun muss nur noch ein kleines Zugangsloch gegraben werden, damit der Igel in sein Haus kriechen kann. "Am besten wird die Igelburg an einem windgeschützten Platz aufgestellt, also nicht mitten auf dem Rasen", sagt Rösen.

Tabu sollte im Garten im Herbst vor allem ein Störenfried sein: der Laubsauger. "Der Sauger kann den Igel verschlucken", warnt Heiermann. Doch auch Hundebesitzer sollten ihr Tier im Blick haben: Hunde gehen mit einem Igel nicht gerade zimperlich um. Sie graben ihn aus und können ihn mit ihren Eckzähnen verletzen.

Quelle: dpa
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