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Hand- und Heimwerk
Möbel selbst lackieren

Möbel selbst lackieren
Neu lackierte Möbelstücke sind individuell und sorgen für Abwechslung. FOTO: jcsmilly/Shutterstock.com
Mit Lacken aus dem Baumarkt kann man den eigenen Möbeln einen neuen Anstrich verpassen. Wir erklären euch, was ihr dabei beachten müsst. Von Annika Brockhaus

Wenn ein Möbelstück nicht mehr gefällt (zu alt, zu gebraucht, zu langweilig, unschöne Farbe...), heißt das nicht, dass es ersetzt werden muss. Wie wäre es stattdessen mit einem Umstyling? Mit etwas Lack kann es ganz individuell dem eigenen Geschmack angepasst werden und sieht danach aus wie neu. Doch damit die Umlackierung gelingt, müssen einige Dinge beachtet werden.

Der richtige Lack

Bevor man sich an's Werk macht, muss zunächst das richtige Produkt her. Wer seine Möbel für den Innenraum lackieren will, ist mit Acryllack gut bedient. Dieser ist umweltfreundlich, trocknet schnell und hält auch Stöße aus ohne direkt abzublättern. Acryllack wird auf Wasserbasis hergestellt, während Kunstharzlack lösemittelbasiert ist. Dieser riecht also mehr und die Werkzeuge sind nachher schwieriger zu säubern. Doch Kunstharzlack verläuft gleichmäßiger und trocknet härter, weshalb er sich für stark beanspruchte Oberflächen eignet. Für die Lackierung von Möbeln im Außenbereich bietet sich Wetterschutzlack an.

Eine Grundierung sorgt dafür, dass die Lackierung besser haftet und länger hält. Diese muss entweder einzeln gekauft werden, oder ist in 2in1-Lacken bereits integriert. Je nach Material gibt es einige Dinge zu beachten. Bestimmte Holzarten wie Astkiefer oder Eiche können durch ihre Inhaltsstoffe den neuen Anstrich verfärben. Um das zu verhindern, braucht man eine Kunstharz-Grundierung, die einen sogenannten "Sperrgrund" zwischen Holz und Farbe bildet. Mitteldichte Faserplatten (MDF) benötigen eine füllende Grundierung. Möbel aus Kunststoff sind hingegen sehr glatt und bieten dadurch keine Haftung. Dafür gibt es entsprechende "haftvermittelnde" Grundierungen, bei Kunststoffen wie Hart-PVC eignet sich eine 2in1-Rostschutz-Grundierung.

Die Möbel vorbereiten

Damit das Umstyling des Möbelstücks von Dauer ist, muss dieses vor der Lackierung richtig vorbereitet werden. Dafür wird die Oberfläche gesäubert und von Staub und Fett befreit. Je nach Möbelstück müssen Türen und Schubladen abgenommen werden, damit keine unschönen Ränder entstehen. Wen das nicht stört oder dies als besonderen Effekt erwünscht, der muss zumindest die Scharniere zum Schutz mit Klebeband abkleben. Auch Glasflächen werden mit Kreppband abgeklebt.

Der Anstrich hält besser, wenn die Oberfläche des Möbels mit einem Schleifpapier aufgeraut wird. Bei Holzmöbeln immer in Maserungsrichtung schleifen, dann sollte dieser Schritt keine Schwierigkeit darstellen. Anschließend wird der entstandene Staub entfernt und die Grundierung aufgetragen – bei wasserbasierten Lacken kann das Holz aufquellen. Deshalb müssen die Schritte Schleifen und Grundieren gegebenenfalls zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Werkzeug und Anstrich

Damit sich der Lack gut verteilen lässt, braucht es das richtige Werkzeug. Für Acryllacke eignen sich Pinsel aus Kunststoffborsten, für Kunstharzlacke welche aus Naturborsten. Bei größeren Flächen kann der Lack mit Schaumstoff-Rollen verteilt werden. Wer mit Pinseln arbeitet, kann die Farbe direkt aus der Dose aufnehmen, für die Rollen eignet sich eine Lackwanne besser. Außerdem sollte man in einem sauberen Raum arbeiten, damit sich kein Staub in die Lackschicht einschließt. Beim Lackieren muss zudem immer für genügend Frischluft gesorgt werden.

Um eine möglichst gleichmäßige Oberfläche zu erhalten, darf nicht zu viel Lack aufgenommen werden, sonst verläuft dieser und es entstehen "Nasen". Außerdem sollte man immer nass in nass arbeiten, das heißt, immer in kleinen Flächen vorarbeiten und keine Flächen trocknen lassen, bevor die Übergänge gemalt sind. Mit einer zweimaligen Lackierung wird das beste Ergebnis erzielt, dadurch wird die Oberfläche gleichmäßiger und deckt gut.

Viele Gestaltungsmöglichkeiten

Bei dem Farbton gibt es inzwischen eine große Auswahl. Im Baumarkt gibt es Weißlacke und fertig getönte Buntlacke oder die Möglichkeit, sich seine Wunschfarbe frisch zusammenmischen zu lassen. Zusätzlich werden sogenannte Effektlacke angeboten, die beim Trocknen eine spezielle Oberflächenstruktur entwickeln. Metallic-, Holz- oder Marmorlacke pimpen das Möbelstück optisch auf. Auch künstlerische Oberflächen wie Spachtel- oder Crackle-Effekte oder ausgefallene Rost-Effekte sind möglich. Beliebt sind auch lasierende Farben, die die ursprüngliche Oberflächenstruktur (wie Holzmaserung) durchscheinen lassen.

Wer nicht die gesamte Fläche seines Möbelstücks lackieren will, kann mit punktuellem Auftrag von speziellen Lacken einen Antik- oder Used-Look erzielen. Alternativ gibt es verschiedene Motive zu kaufen, die ähnlich wie Wandtattoos funktionieren, jedoch speziell für Holzoberflächen entwickelt sind. Bei einem Möbelstück mit vielen Türen oder Schubladen bietet es sich auch an, nur ausgewählte Flächen zu lackieren und so einen interessanten Patchwork-Look zu erhalten.

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