Standesamt, Kirche oder Golfplatz
Bei der Trauform haben Paare die freie Wahl

Standesamtliche Trauung oder Freie Trauung?
Wie möchten Sie heiraten? FOTO: Shutterstock.com / SunKids
Die Entscheidung ist gefallen: Ja, wir wollen heiraten! Aber wie: standesamtlich, kirchlich oder in einer freien Zeremonie? Die Wahl der Trauform ist so individuell wie die Menschen, die eine Ehe miteinander eingehen. Von Barbara Jakoby

Die standesamtliche Trauung

Düsseldorf scheint ein heirats-freundliches Pflaster zu sein. Während im Bundesdurchschnitt die Zahl der standesamtlichen Trauungen kontinuierlich sinkt, ist sie in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt mit rund 2.700 Paaren pro Jahr seit 2010 konstant. Zwölf Standesbeamte, davon acht Frauen, dürfen in der Landeshauptstadt Eheschließungen beurkunden. Fester Bestandteil des Verwaltungsaktes ist die Frage an beide Partner, ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen. Bejahen das beide, erklärt der Standesbeamte das Paar "Kraft Gesetzes für rechtmäßig verbundene Eheleute".

Rund 15 bis 20 Minuten stehen pro Zeremonie zur Verfügung - nicht genug, um individuell auf das jeweilige Paar eingehen zu können. "Vorgespräche können wir wegen der Vielzahl der Trauungen leider nicht führen", bedauert Michael Ryczek, Leiter des Sachgebiets Heirats- und Lebenspartnerschaftsbuch der Stadtverwaltung. Jeder Standesbeamte habe aber den Anspruch, in seiner Ansprache dem festlichen Anlass gerecht zu werden. Wenn gewünscht, kann auch ein Angehöriger oder Freund des Paares einige persönliche Worte sagen. 

Zehn Orte stehen in Düsseldorf für Trauungen zur Auswahl. Neben dem Standesamt an der Inselstraße sind das auch "Orte mit besonderem Ambiente" wie die Schlösser Benrath und Eller. Wer nicht anwesende Freunde und Verwandte an dem Ereignis teilhaben lassen möchte, dem bietet das Düsseldorfer Standesamt einen besonderen Service an: Eine Webcam im Trauzimmer an der Inselstraße überträgt auf Wunsch die Zeremonie übers Internet in jeden Winkel der Welt.

Die katholische Trauung

Für die katholische Kirche gilt die Ehe als eines der sieben Sakramente. Viele Paare, die Heribert Dölle traut, wählen diese Zeremonie, praktizieren ihren Glauben in einer Gemeinde und wollen ihren Lebensbund vor Gott besiegeln lassen. Noch mehr aber hätten schon lange keine Kirche mehr von innen gesehen, weiß der Pfarrer der Katholischen Kirche Derendorf Pempelfort in Düsseldorf.

Entsprechend wirklichkeitsfremd seien deshalb oftmals die Vorstellungen von der katholischen Trauung. "Manche Paare glauben, man könne sich eine schöne Location suchen und den Pfarrer dann einfach dazu buchen", erzählt Dölle schmunzelnd. Dass katholische Trauungen im Erzbistum Köln nur in Kirchen oder Kapellen stattfinden dürfen, werfe so manche Planung über den Haufen.

Zwei bis drei Mal trifft sich der 57-jährige Pfarrer mit dem Paar zum vorgeschriebenen Traugespräch. Dabei bespricht er mit ihm den Ablauf der Trauung, die Auswahl der Lieder und der Musik, den Blumenschmuck und die mögliche Einbeziehung von Freunden oder Verwandten in die Zeremonie. Im Wesentlichen aber geht es um die Grundlagen der katholischen Trauung.

So muss das Paar unter anderem die Unauflösbarkeit der Ehe bis zum Tod bejahen, die "Hinordnung auf das gegenseitige Wohl und auf Nachkommenschaft" sowie die Freiwilligkeit der Eheschließung. Die Eheleute müssen sich verpflichten, ihre Kinder im katholischen Glauben taufen zu lassen und zu erziehen, "so weit es in ihrer Ehe möglich ist".

Grundsätzlich ist eine katholische Trauung nur zwischen Mann und Frau möglich. Eine Heirat von Geschiedenen gibt es nicht. Mindestens ein Partner muss katholisch sein und das, genauso wie das noch Ledigsein, mit einem Taufschein belegen. Ist er nicht getauft, kann eine Sonderregelung erwirkt werden. Ein Nachweis der Firmung ist nicht mehr nötig. Anders als bei der standesamtlichen Trauung sind Aufgebot und zwei Trauzeugen (egal welcher Konfession) Pflicht.

Unter bestimmten Umständen kann vom Aufgebot abgesehen werden. Auch Paare, die bereits Kinder haben, können getraut werden. "Oft feiern wir dann die Hochzeit und die Taufe der Kinder gleichzeitig", erzählt Dölle. Zwei Varianten der Zeremonie gibt es: die Heilige Messe mit Eucharistie-Feier, sprich Wandlung und Kommunion, und den Wortgottesdienst. Eine Trauung im Rahmen eines Wortgottesdienstes kann auf Wunsch auch unter Beteiligung eines Pfarrers einer anderen christlichen Konfession gefeiert werden.

Gebühren werden für eine katholische Trauung nicht erhoben. Viele lassen sich die Feier aber dennoch einiges kosten, engagieren Chöre oder Sänger, die Kirche wird festlich nach dem Geschmack des Brautpaares geschmückt. Den Wunsch jedes Paares, dieses Ereignis "besonders schön" zu gestalten, kann Dölle gut nachvollziehen. Und wann ist für den Priester eine kirchliche Trauung besonders stimmig?

"Wenn dem Paar bewusst ist, dass es in seiner Liebesgeschichte mit etwas in Berührung gekommen ist, das es selbst nicht steuern konnte; wenn es spürt, dass es füreinander bestimmt ist. Das macht dann die Tiefe dieses Moments aus."

Die evangelische Trauung

Die evangelische Trauung ist ein Gottesdienst anlässlich der Eheschließung mit Gebeten, Liedern, Worten aus der Bibel, Predigt und dem Segen. Wie dieser Gottesdienst gestaltet wird, kann das Brautpaar auch hier mitbestimmen. "In der Regel klären wir das in einem längeren Gespräch mit dem Paar, das dann noch mal durch Mails oder Telefonate vertieft werden kann", sagt Mathias Bonhoeffer, Pfarrer an der Kölner Kartäuserkirche.

Auch gleichgeschlechtliche Paare, die in eingetragenen Partnerschaften leben, können in vielen evangelischen Gemeinden ihre Verbindung segnen lassen. "Wir nennen es gottesdienstliche Begleitung, aber alles läuft genauso ab wie bei jeder anderen Trauung", erläutert Bonhoeffer. Der Nachweis der standesamtlichen Eheschließung oder der Eingetragenen Partnerschaft ist Voraussetzung für die kirchliche Trauung.

Weitere Bedingung bei den Protestanten: Mindestens ein Partner ist Mitglied der evangelischen Kirche. Mit Partnern verschiedener Konfessionen kann ein ökumenischer Gottesdienst auch mit Beteiligung des Geistlichen der anderen Konfession gefeiert werden. Wenn über das katholische Pfarramt eine Befreiung (Dispens) von der Eheschließungsform (Formpflicht) eingeholt wurde, werde die evangelische Trauung auch von der katholischen Kirche als Eheschließung anerkannt, erläutert Bonhoeffer.

Anders als bei den Katholiken können geschiedene evangelische Christen eine kirchliche Trauung feiern, wenn sie eine neue Ehe schließen. Ein Aufgebot gibt es bei der evangelischen Trauung nicht, und auch Trauzeugen sind nicht mehr nötig. Die evangelische Trauung in der Heimatgemeinde eines Ehepartners ist grundsätzlich gebührenfrei.

Die Freie Trauung

"Viele möchten so heiraten, wie sie es in amerikanischen Filmen gesehen haben: in der freien Natur, unter einem Rosenbogen, eingebettet in eine Party mit vielen Gästen", erzählt Peter Bungenberg. Bei einer Freien Trauung ist das möglich. Vor Bungenberg haben sich schon Männer und Frauen am Strand, auf Schlössern und in Hotels, in privaten Gärten und auf Schiffen das Ja-Wort gegeben.

Der Neusser Hochzeitsredner und Diplom-Theologe erfüllt Paaren den Wunsch, abseits von Standesamt und Kirche in einer feierlichen Zeremonie den Bund fürs Leben zu schließen. Ihn engagieren Menschen, die keine kirchliche Zeremonie wünschen oder denen eine kirchliche Trauung verwehrt ist, etwa weil sie geschieden sind. Oder eben Paare, die sich einen besonderen Ort für dieses Ereignis wünschen.

Rechtsverbindlich ist eine Freie Trauung nicht, und sie ersetzt auch nicht den kirchlichen Segen oder ein Sakrament. "Es gibt zwar Zeremonien, bei denen auf Wunsch des Brautpaares ein Gebet gesprochen wird, aber das ist ein ganz privater Akt", betont der Diplom-Theologe.

Bei der Planung hat das Paar die freie Auswahl: Wie soll die Zeremonie ablaufen? Welche Symbole, welche Texte sollen verwendet werden? Welchen Wortlaut hat das Eheversprechen, das sich das Paar gibt? Sollen Gäste in die Zeremonie einbezogen werden? "Es gibt keinerlei feste Vorgaben, und jede Zeremonie ist einmalig", sagt Bungenberg. Hochzeitsredner wie er arbeiten auf Honorarbasis.