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Avocado
Das grüne Wunderei

Avocado: Rezepte und Dips
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Düsseldorf. Der Absatz von Avocados ist in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen. Gesundheitsbewusste schätzen ihre wertvollen Fette und sogar den Kern. Von Martina Stöcker

Beim Einkauf im Supermarkt ist sie in der Gemüseabteilung ein beliebtes Fotomotiv. "Woher all dieser Hass", schreiben die Witzbolde dann unter das Foto bei Facebook. Oder: "Hass-Avocados sind trotzdem liebenswert."

Das sind entzündungshemmende Lebensmittel FOTO: missy & the universe, via Flickr

Von den mehr als 400 Avocado-Sorten ist die "Hass" - benannt nach ihrem Entdecker Rudolph Hass - die in Deutschland am meisten verkaufte. Denn ihre Schale ist relativ hart, also unsensibel für den langen Transport, ihr Fleisch hingegen zartschmelzend weich. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Verbrauch der birnen- oder eierförmigen Früchte in Deutschland nahezu verdoppelt. Besonders in der veganen oder vegetarischen Küche spielt sie eine große Rolle - und gesund ist sie außerdem, selbst wenn sie wegen ihres Fettgehalts eine Kalorienbombe ist. "Sie ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren", betont Christel Rademacher, Professorin im Fachbereich Oecotrophologie an der Hochschule Niederrhein. Dies wirke sich günstig aus auf den Fettstoffwechsel und schütze zudem die Blutgefäße. Zudem findet sich in der Frucht ein Dutzend Vitamine, dazu noch Mineralstoffe.

Ob die Avocado angesichts ihrer inneren Werte wirklich ein sogenanntes Superfood ist, sieht Rademacher kritisch - allerdings nicht wegen ihrer Nährstoffe, sondern wegen des Begriffs. "Man sollte einem einzelnen Lebensmittel nicht zumuten, dem Körper alle Nährstoffe zu geben", sagt sie. Die Avocado könne ein Teil der gesunden Ernährung sein, sie sei aber dafür nicht essenziell. "Es geht mit ihr, aber auch ohne sie." Trotzdem sagen ihr Ernährungswissenschaftler die Fähigkeit nach, sie steigere die Laune und das Wohlbefinden.

Avocados kennen viele nur aus dem mexikanischen Dip Guacamole. Dabei kann sie viel mehr: Sie schmeckt auf Brot, harmoniert perfekt mit Ei, passt auf Pizza, zur spanischen Tortilla oder zu Nudeln. Selbst in süßen Gerichten entfaltet sie ihre geschmackliche Wirkung. So gibt es Kokos-Avocado-Eis oder eine Avocado-Tarte mit Nüssen, und in Smoothies sorgt sie für einen sahnigen Schmelz. Was sie gar nicht mag, ist Luft - dann läuft sie unappetitlich bräunlich an. Dagegen helfen ein paar Spritzer Zitrone oder Limette. Oder der Kern. Lässt man ihn in der Avocado stecken, behält sie ihre Farbe. Die Grün-Schattierung der Schale gibt Aufschluss über den Reifegrad: Je grüner und heller sie ist, desto länger muss die Frucht noch reifen. Man kann den Prozess beschleunigen, indem man sie zum Beispiel mit einem Apfel in Zeitungspapier einwickelt. Das hilft zwar nicht binnen Stunden, aber innerhalb von ein bis zwei Tagen.

Superfoods und ihre Eigenschaften FOTO: Shutterstock/marilyn barbone

Im Internet empfehlen mehrere Foodblogger, auch den Kern zu sich zu nehmen. Man müsse ihn nur von der dünnen braunen Haut befreien und könne ihn dann zum Beispiel - schon ein wenig auf einem Brett in Stücke gehackt - mit Gemüse und Obst in einem Smoothie pürieren. Es wird auch vorgeschlagen, den Kern zu reiben, zu trocknen und dann in Joghurt zu geben oder als Tee aufzubrühen. Christel Rademacher sieht solche Empfehlungen allerdings mit Skepsis. Botanischer Sinn eines Kerns sei schließlich, dass daraus wieder eine Pflanze werden solle. "Mir ist nicht klar, warum man den Kern essen soll", sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Es sei vielmehr erst zu prüfen, ob es eventuell Stoffe darin gebe, die gesundheitsschädlich für den Mensch sein könnten. "In der Literatur finden sich keine Begründungen für Inhaltsstoffe im Kern, die man nicht auch woanders her bekommen würde", stellt sie fest. Der positive Effekt des Kerns sei aus wissenschaftlicher Sicht unklar.

Christel Rademacher sieht eher die Verletzungsgefahr beim Zerschneiden der Kerne als den gesundheitlichen Nutzen. Wer den Kern zu schön zum Wegwerfen findet: Er lässt sich relativ leicht mit einem Schnitzmesser bearbeiten. Wem auch das zu gefährlich ist, der setzt ihn - mit Hilfe von Zahnstochern - auf ein Glas mit Wasser und wartet, bis er keimt. Dann kann man den Kern einpflanzen in der Hoffnung, dass ein Avocado-Baum daraus wächst.

Rezept: Scharfe Avocado-Fusilli

Zutaten für 4 Personen: 1-2 rote Peperoni 1 walnussgroßes Stück Ingwer 1-2 Knoblauchzehen 6 EL natives Olivenöl 400 g Fusilli Salz, Pfeffer 30 g Haselnüsse 2 Hass-Avocados Saft von 1 Limette 3-6 Stiele frischer Koriander

Peperoni längs aufschlitzen, putzen, abspülen und in dünne Streifen schneiden. Ingwer schälen und fein reiben. Knoblauch pellen. 3 EL Olivenöl erhitzen. Peperoni und Ingwer darin 2-3 Minuten dünsten. Knoblauch dazu pressen. Fusilli in reichlich gesalzenem Wasser nach Packungsanweisung al dente kochen.

Haselnüsse grob hacken und in dem restlichen Olivenöl rösten. Avocados halbieren, entkernen, schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. Mit dem Limettensaft mischen und mit Salz und Pfeffer würzen. Pasta abgießen und zurück in den Topf geben. Würz-Öl und Haselnuss-Öl zufügen, mischen und kurz erhitzen. Abschmecken. Avocados locker unterheben. Koriander-Blättchen von den Stielen zupfen. Unter die Pasta mischen und servieren.

Quelle: RP
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