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Kais Restaurant im Test
Der Kopfsalat bei Kai schmeckt wie bei Oma

Kais Restaurant im Test: Der Kopfsalat bei Kai schmeckt wie bei Oma
FOTO: Shutterstock.com/ Gordana Sermek
In Kais Restaurant in Mülheim kommt nur auf den Tisch, was der Gastgeber selbst gerne isst. Und der Mann hat Geschmack.

Wenn wir ehrlich sind, gibt es nicht so furchtbar viele Gründe, Mülheim zu besuchen. Zugegeben - die Stadt hat ein paar nette Uferareale an der Ruhr, und sie ist in ihrem Umland überraschend grün mit riesigen Feldern, Wiesen und Wäldern. Aber sonst?

Die City ist selbst zu Geschäftszeiten deprimierend leer und beweist mehrere Jahrzehnte verfehlter Stadtplanung, überall zeugen leerstehende Industrieruinen vom Glanz vergangener Zeiten, lassen jedoch ahnen, was man aus ihnen machen könnte. Aber immerhin ist Mülheim die Heimat des schrägen Komikers Helge Schneider und der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft - beides kann freilich, je nach Sicht Vor- und Nachteil sein. Mitten in der Stadt (Wertgasse 36) gibt es zudem einen Ableger der Düsseldorfer Hausbrauerei Uerige in einem wunderschönen alten Fachwerkhaus, eins-zu-eins das Angebot des Mutterhauses präsentierend.

Und es gibt Kais Restaurant. In einer früheren Lederfabrik (davon gab es einst Dutzende in Flussnähe!) hat sich Gastronom Kai Bräsch vor einigen Jahren einen Traum erfüllt - er peppte das in Teilen verrottete Gemäuer geschickt auf, kombinierte Altes und Neues und schuf eine ansprechende Atmosphäre in mehreren Räumen. Die Karte, so sein Credo, sollte nur das enthalten, was er selbst gerne isst.

Wenn er das durchgezogen hat, kann man nur sagen - der Mann hat Geschmack, buchstäblich. Schon beim Lesen passiert das, was man sonst nicht so oft erlebt - auf der Zunge bildet sich ein Pfützchen, weil leicht vorstellbar ist, wie das munden könnte, was da sehr anschaulich und erfreulich unprätentiös angepriesen wird.

"Unsere 20-Stunden-Bolognese", "Omas Kopfsalat" (wahlweise auch Gurke), ein paar weitere Pastasorten, eine Antipasti-Platte für zwei, Kais Tagliatelle - da klingt durch, was der Chef versprochen hat: Was auf den Teller kommt, hat er im persönlichen Test genossen und für gut befunden.

Schon das vom angenehm verbindlich-kompetenten Service sehr schnell servierte warme und krosse Brot mit einer dezent gewürzten Frischkäsepaste machte Appetit, die als "Gruß aus der Küche" gereichte eiskalte, pikante Gazpacho erfrischte an diesem heißen Sommerabend.

Der Vorspeisenteller für zwei (21,50 Euro) hätte zusammen mit dem Brot schon ausgereicht, wenn es nur nach der Vernunft und nicht nach der puren Lust am Genuss gegangen wäre. So kosteten wir noch aus reiner Neugier Omas Kopfsalat (5,50), der tatsächlich nur aus sehr frischen Blättern und zarten Herzen bestand und uns in die Kindheit zurückschoss - das Dressing war süß wie damals im Rheinlande üblich mit Sauerrahm angemacht. Heute schwer vorstellbar, aber schlicht - lecker!

Die Karte lockt noch mit mehreren Burgern von australischem Rindfleisch (16,50/17,50 Euro) und Wiener Schnitzel vom Kalb, aber wir entschieden uns für das Rinderfilet (200 gr, Ladies Cut, 32,50), das wir "medium rare" orderten. Der Koch bewies Talent am Grill - das tadellos-zarte Fleisch war perfekt gegrillt, wie es der Vorgabe entsprach. Dass wir zudem die "Scampi Pfanne" bestellten, lag gewiss nicht an ihrem Namen, der eher nach Ausfluglokal oder Kantine erinnert. Bereut haben wir es nicht: Die Scampi waren exakt gegart und wurden in einer leichten Tomatensauce mit Chili und Knoblauch serviert - beides intensiv genug, um den Geschmack zu unterstreichen, aber dezent genug, um die Meerestiere nicht nochmals zu töten.

Ein anerkennender Gruß an die Küche also, verbunden mit der Hoffnung, dass viele sich entschließen, für Kais Restaurant nach Mülheim zu fahren - es lohnt sich! Sollten die neuen Gäste dann draußen sitzen, wird ihnen allerdings vermutlich auffallen, dass die Terrassenmöbel durchaus aufgemöbelt werden könnten.

Aber vielleicht mag der Chef ja auch das gerade so - und nicht anders.

INFO Kais Restaurant, Düsseldorfer Straße 269, 45481 Mülheim-Saarn, Tel. 0208 84 84 007 gastgeber@kais-mh.de Mo-Fr 12-15 Uhr, Mo-Do 18-23 Uhr ; Fr-Sa 18-1 Uhr, So Ruhetag. Feiertage ab 18 Uhr.

Quelle: RP
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