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Porrdige
Diesen Brei müssen Sie auslöffeln!

Porrdige: Rezepte und Tipps
FOTO: Klaus Maria Einwanger
Düsseldorf . Porridge, Overnight Oats und Smoothie Bowls erobern den Frühstückstisch. Haferflocken sind Hauptbestandteil – doch in diesem Fall sind sie weder pappig noch geschmacklos. Von Leslie Brook

Um diesen heißen Brei sollte man nicht lange drumherum reden, sondern ihn einfach probieren – denn mit dem verhassten Haferschleim aus der Kindheit, an den sich manch einer nur mit einem leichten Würgereflex erinnern kann, hat Porridge nicht viel gemein. Abgesehen von seinem wohlklingenden englischen Namen, der ohne fiese Begriffe wie Schleim oder Brei auskommt und der es so leichter machen dürfte, sich auf das Experiment einzulassen, ist die warme Masse weder pappig noch trocken oder geschmacklos. Versprochen.

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Porridge ist ein nahrhafter Haferbrei, der ursprünglich aus Schottland stammt und in früheren Jahrhunderten "Pottage" hieß: Grobe Haferflocken werden mit der doppelten Menge Milch oder Wasser sowie einer Prise Salz unter ständigem Rühren aufgekocht – bis es eine warme, breiige Masse ergibt. Dann in eine Schüssel füllen und mit braunem Zucker bestreuen. Inzwischen gibt es auch Flocken speziell für die Mikrowelle – für Traditionalisten ist das aber keine Alternative, denn nur frisch zubereitetes Porridge, das mit einem Spurtle (spezieller Holzstab, erfunden im 15. Jahrhundert), im Uhrzeigersinn (alles andere bringt Pech) gerührt wird, damit es nicht klumpig wird, schmeckt wirklich.

Längst ist Porridge nicht mehr das Frühstück der Arbeiter. Der warme Haferbrei ist zum Trendessen avanciert, wird in stylischen Läden auf den Frühstückskarten gelistet und in bunten Schalen oder Einmachgläsern serviert – und es gibt sogar Cafés, die ausschließlich Porridge anbieten. Im Berliner Café "Haferkater" wechseln die Zutaten monatlich – Nüsse, Beeren und andere Früchte. In London gibt es das "26 Grains", das "Darwin" und die "Sky Pod Bar", zu der man zunächst 36 Etagen hinauf muss, bevor man im Porridge-Himmel ankommt. Dort wird dann etwa ein Schälchen Mandelmilch-Porridge mit Manuka-Honig (gewonnen aus der Südseemyrte) kredenzt. Welche kreativen Dinge man sonst noch anstellen kann, zeigt der englische Spitzenkoch Jamie Oliver. In seinem neuen Kochbuch findet sich ein Porridge aus schwarzem Quinoa, Leinsamen und Haferflocken, das mit Beeren der Saison garniert wird.

Porridge ist eben nicht mehr einfach Porridge. Haferflocken bilden zwar weiterhin die Basis, doch gibt es inzwischen unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Wichtig beim Porridge 2.0 ist, dass ausschließlich natürliche Zutaten verwendet werden. Andere Samen und Körner – besonders beliebt sind Chiasamen – werden mitgekocht, darüberstreuen kann man dann teils exotische Früchte wie Mangostücke oder Granatapfelkerne.

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Auf diese Weise zubereitet, ist Porridge ein abwechslungsreiches und vor allem ausgewogenes Frühstück. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn rät dazu, sich für eine ballaststoffreiche Ernährung das Müsli aus Haferflocken oder anderen Vollkornflocken selbst zusammenzustellen und es mit frischem Obst, Leinsamen, Sonnenblumenkernen, Sesamsamen, Trockenfrüchten oder Nüssen anzureichen. Beim Porridge werden diese Zutaten gemischt und gekocht.

Welchen Flockentyp – grob, medium oder zart – man verwendet, ist Geschmackssache, auch über das Verhältnis zur Milch oder zum Wasser gibt es unterschiedliche Auffassungen. 3:1 wenn es matschiger werden soll, 2:1 für eine zähere Masse. Generell gilt: Alle Flockentypen werden aus dem vollen Korn hergestellt, das heißt, alle Bestandteile werden verarbeitet, somit bleibt das Nährstoffgefüge erhalten. Der Gehalt an einigen Vitaminen und Mineralstoffen deckt die empfohlene Tageszufuhr zu einem großen Teil.

Da Haferflocken glutenfrei sind, eignen sie sich auch für Menschen mit Zöliakie. Zudem kann Porridge nicht nur mit Kuhmilch, sondern wahlweise auch mit Mandel-, Soja- oder Hafermilch und alternativ mit Wasser und Agavendicksaft zubereitet werden, so dass auch Laktose-intolerante oder Veganer den gesunden Frühstücksbrei essen können. Da dieser viel Eiweiß enthält, bietet er auch für Sportler eine passende Grundlage. Porridge hält lange satt, denn die Haferflocken werden nur langsam abgebaut.

Wer wenig Zeit hat, um sich morgens ein frisches Porridge zu kochen, der sollte auf so genannte Overnight Oats (deutsch: Nachtflocken) setzen. Dabei werden die Haferflocken bereits am Vorabend eingeweicht. Etwa so: Joghurt und Heidelbeeren mit einem Stabmixer verquirlen. Die Haferflocken unterrühren und in ein Glas füllen. Die Mangos und die restlichen Heidelbeeren darauf legen. Glas verschließen und über Nacht ziehen lassen. In anderen Rezepten wird statt Joghurt Kefir, Milch oder Quark genommen. Die deutschen "Overnight Oats"-Pioniere, das Ehepaar Jutta und Jens Fischer, essen jeden Morgen ein Schälchen und veröffentlichen ihre Rezepte in einem Blog (overnight-oats.de). Die beiden schätzen an diesem Frühstück, dass es abwechslungsreich und kalorienarm ist und lange satt macht.

Die Schüssel als Gefäß haben nun auch Smoothie-Fans für sich entdeckt. Ein Teil der Zutaten – vorrangig Obst oder Gemüse, aber auch Gewürze oder Pasten wie Erdnusscreme oder Acai-Püree – werden wie gewohnt in einem Mixer zum Smoothie verarbeitet, der etwas dicker ist und deswegen gelöffelt statt getrunken wird. 20 Rezeptideen finden sich in dem neuen Buch "Smoothie Bowls" (EMF Verlag). Der Fruchtbrei bekommt ein Topping in Form von Kiwischeiben, Nüssen, Sesamsamen oder Mandelstiften – und man hat nun auch was zum Beißen.

Das englische Frühstück ist in Deutschland nicht sehr beliebt, vielen ist ein "cooked breakfast" mit Würstchen, Speck, Eiern und Bohnen zu viel am Morgen, dagegen dürften Porridge und Co auch hierzulande viele (gesundheitsbewusste) Fans finden.

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