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Portwein ist nicht gleich Portwein

Portwein ist nicht gleich Portwein
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Was macht den weltberühmten, meist süßen portugiesischen Portwein so einzigartig? Von Stephan Mertens

Was macht den weltberühmten, meist süßen portugiesischen Portwein so einzigartig?

Auffallend am Portwein ist der likörartige Geschmack und der relativ hohe Alkoholgehalt, der um die 20 Prozent  beträgt. Auch wenn er inzwischen etliche Nachahmer gefunden hat, darf sich nur Portwein nennen, wer aus dem oberen Douro-Tal östlich von Porto stammt. Denn die Herkunftsbezeichnung ist gesetzlich geschützt.

Tanks mit hochprozentigem Alkohol

Auch wenn der ungewöhnliche Weinstil in der letzten Zeit leider etwas aus der Mode geriet, kann er auf eine lange Tradition zurückblicken, die etwa bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zurückgeht. Das Besondere an dieser Weinart liegt in seiner Vinifikation: Meist werden rote, sehr reife Trauben mit hohem Zuckergehalt verwendet. Der Gärungsprozess der Maische wird unterbrochen und der so nur teilweise vergorene Saft in den Fässer bzw. Tanks mit hochprozentigem Alkohol (manchmal bestehend aus portugiesischem Branntwein) in einem bestimmten Verhältnis (meist 1 zu 4) versetzt. Dadurch ist der spätere Wein hochprozentiger und immer noch süßer als üblich.

Beim roten Portwein muss die so gespritete Maische zudem zusätzlich noch gestampft werden, damit die Farbstoffe extrahiert werden. Hierzu wird traditionell noch immer die Fußarbeit bevorzugt. Denn sie sorgt für eine schonende Extrahierung der Farbstoffe aus den Beerenschalen. Die Qualität des fertigen Portweins richtet sich maßgeblich nach der verwendeten Rebsorte, ihrer Güte, Lage und Pflege.

Die wahre Reife des Portwein

Nachdem die Winzer und Kellereien an die lizenzierten Exporteure geliefert haben, liegen die Portweine noch mindestens drei Jahre, nicht selten aber sogar Jahrzehnte, in deren Lagerhäusern in Fässern und erlangen dadurch erst ihre wahre Reife. Ein Exporteur darf jährlich maximal ein Drittel seines Lagerbestandes auf den Markt bringen.

Doch Portwein ist nicht gleich Portwein. Denn auch hier gibt es Klassifizierungen. An der Spitze steht der Jahrgangsportwein (auch Vintage Port genannt), der zwischen 15 und 50 Jahre alt sein muss, bevor er diese Reife erreicht hat. Der eingefleischte Experte erweist diesem Getränk seinen besonderen Respekt, da es vor dem Trinkgenuss auch sorgfältig dekantiert werden muss.

Der Late Bottled Vintage ist ein Jahrgangsportwein, dessen hohe Qualität erst nachträglich erkannt wurde, weil er länger im Fass gelegen hat als der übliche. Weniger teuer hingegen ist der Port of Vintage Character, der eben nur den Charakter des Jahrgangsweins hat, meist aber tatsächlich aus den besseren Jahrgängen stammt.

Handelsüblicher Portwein ist trinkfertig

Der handelsübliche Portwein jedoch ist trinkfertig. Die bekanntesten Sorten sind der junge, fruchtige Ruby Port, der etwas länger gelagerte, reifere Tawney Port und der aus weißen Trauben hergestellte White Port (die englischen Namen haben sich wohl deshalb entwickelt, da die Briten als die wichtigsten Abnehmer und leidenschaftlichsten Trinker des Portweins gelten).

Da aber in den letzten Jahren die Nachfrage nach dem qualitativ hohen Portwein stark zurückgegangen ist, sind in der nordportugiesischen Region immer mehr Winzer dazu übergegangen, dem stetig steigenden Konsum trockener Rotweine Genüge zu tragen und ebendiesen zu erzeugen.

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