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Trollinger – Württemberger Cuvée-Traube

Trollinger – Württemberger Cuvée-Traube
FOTO: Juergen Faelchle/shutterstock.com
Selten kommt der rote Trollinger allein daher, meistens schwenken wir einen Trollinger-Lemberger im Glas. Er ist der Inbegriff des schwäbischen Viertel und steht für die bodenständige Weinkultur im Württembergischen. Von Brigitte Bonder

Wein- und Tafeltraube

Der Name "Trollinger" entstand vermutlich aus dem Begriff Tirolinger, denn die beliebte Rotweinsorte stammt ursprünglich aus Südtirol und wird dort als Vernatsch bezeichnet und angebaut. Von dieser Rebsorte sind zahlreiche Variationen bekannt und so wird beispielsweise der Großvernatsch, der über ausgesprochen volle Trauben verfügt, unter dem Namen "Black Hamburg" weltweit auf riesigen Flächen angebaut und als Tafeltraube verkauft. Die Reben zur Weingewinnung sind jedoch nur in Südtirol und Baden-Württemberg zu finden.

Cuvée mit Blaufränkischen Reben

Bereits die Römer brachten die Rotweinsorte aus Südtirol an den Rhein, heute liegt das deutsche Hauptanbaugebiet der Trollinger-Traube in Württemberg. Gute Trollingerweine sind rubinrot und schmecken aufgrund der hohen Säurewerte frisch und saftig. Sie müssen kaum gelagert werden und sind so oftmals bereits nach einem Jahr trinkreif. Allerdings reicht das Mostgewicht des Trollingers selten für die Herstellung von Prädikatsweinen aus und so wird der Großteil des Weines mit Lemberger-Weinen verschnitten.

Die auch unter dem Begriff "Blaufränkisch" bekannten Lemberger-Trauben stammen eigentlich aus Österreich und liefern sehr dunkle, gerbstoffreiche Weine mit fruchtigem Bukett. Bei diesem Verschnitt macht der Trollinger zumeist den größeren Anteil aus, der Wein wird dann als Trollinger-Lemberger bezeichnet.

Die umgekehrte Variante – Lemberger-Trollinger – kommt deutlich seltener vor. Lemberger-Trauben werden in Deutschland praktisch ebenfalls nur im Weingebiet Württemberg angebaut, daher ist die Cuvée auch nur bei den Winzern der Region zu finden. Der Trollinger kommt dabei als hellroter Wein mit eher weißweinartigem säurebetonten Geschmack daher, der Lemberger wird wegen seiner dunklen Farbe und des rotweintypischen Geschmacks hinzugegeben.

Urige Weintradition

Im Weinbaugebiet Württemberg ist der Trollinger die meist angebaute Rebsorte und daher der Inbegriff des schwäbischen Viertele-Weines. Ein Viertele ist im süddeutschen Sprachraum ein Viertelliter Wein, der oftmals aus traditionellen Henkelgläsern getrunken wird. Ein Fünftelliter wird spaßeshalber im Hinblick auf die Sparsamkeit der Schwaben als Schwäbisches Viertele bezeichnet, in anderen Regionen gibt es auch ein Gutes Viertele, das den Füllstrich bei 0,25 l oftmals überschreitet.

Der Trollinger ist derart stark mit der Region verwurzelt, dass es seit 2001 auch den beliebten Trollinger-Marathon in Heilbronn gibt, der heute zu den größten Landschaftsläufen Deutschlands zählt. Traditionell erhält jeder Teilnehmer eine Flasche Trollinger als Präsent, wie bei anderen Weinläufen wird an den Verpflegungsständen neben den üblichen Sportgetränken auch Wein ausgeschenkt!

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