| 15.57 Uhr

Wein, Weib und Gesang – Vom Wandel der Werte und Worte

Wein, Weib und Gesang – Vom Wandel der Werte und Worte
FOTO: oneinchpunch/shutterstock.com
War der Slogan "Wein, Weib und Gesang" noch vor etwa 50 Jahren der Inbegriff deutscher Ur-Gemütlichkeit, so hat sich dies im Laufe der Jahre komplett geändert. Während der Begriff "Wein" noch am Glimpflichsten davongekommen ist und sich der edle Tropfen nach wie vor hoher Beliebtheit erfreut, ist das Wort "Weib" heute eindeutig negativ, gar sexistisch behaftet. Von Stephan Mertens

"Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!"

Dabei war es zu Großvaters Zeiten ganz normal vom "Weib" zu sprechen, wenn man seine Ehefrau meinte. Etwa Schopenhauers denkwürdiger wie armseliger Spruch "Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!" zeugt noch heute davon.

Und mit dem Gesang sieht es auch nicht besser aus. Zwar erfreut sich DSDS ("Deuschland sucht den Superstar") und ähnlicher Blödsinn hoher Einschaltquoten, doch etwa der Chorgesang beklagt jährlich starke Mitgliederrückgänge. Aber gut, wen wundert's angesichts der heutigen Mobilität und des mehr als reichhaltigen Freizeitangebots?

Offener Aufruf zum puren Alkoholismus

Anderseits laden viele Texte des seltsamen Liedguts nicht gerade ein. Wenn es etwa frisch, fromm, fröhlich und frei (noch so ein Spruch) heißt: "Süßen Wein wir trinken, das ist eine Freud. Denn er macht uns froh ein Leben lang.", dann klingt das eher nach einem offenen Aufruf zum puren Alkoholismus!

Und wenn in einem Weinlokal plötzlich lautstark ein Chor losträllert, wird das nicht als Geselligkeit verstanden, sondern von vielen Gästen eher pikiert aufgenommen und manchmal gar als übertrieben spießig deklariert. Dabei macht Singen ebenso viel Spaß wie Wein.

Das gilt natürlich auch für Frauen!

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wein, Weib und Gesang – Vom Wandel der Werte und Worte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.