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Nemo`s Garden Project
Wenn Erdbeeren in der Meerestiefe wachsen

Das sind die ersten Gewächshäuser im Meer
Das sind die ersten Gewächshäuser im Meer FOTO: Ocean Reef Group
Düsseldorf . Der Raum unter dem Meer übt auf Menschen eine ähnliche Faszination aus, wie das Weltall. Welche ungeahnten Möglichkeiten bietet es noch? - Ein Italiener hat eine der Antworten gefunden: Vor der italienischen Küste hat er in acht Metern Tiefe Meeresgärten angelegt. Darin züchtet er Erdbeeren, Basilikum und Salat.   Von Susanne Hamann

Um die Ozeane ranken viele Geschichten, Ideen und Mythen. U-Boote, versunkene Schiffe, Riesenkraken und immer wieder die Hoffnung das Salzwasser doch irgendwann als Süßwasser nutzbar zu machen, sind nur einige davon. Der Italiener Sergio Gamberini, Geschäftsführer der Ocean Reef Group, hat nun einen wesentlichen Schritt in Richtung Umsetzung solcher Zukunftsvisionen gemacht. 

Rund 70 Kilometer vor Genua in acht Metern Tiefe, hat er einen voll funktionsfähigen Garten im Meer angelegt. Die Pflanzen wachsen und sprießen dort in gläsernen Ballons und werden von Tauchern betreut. Heraus kommen verzehrtaugliche Obst- und Gemüsesorten.

Die Idee für Nemos Garden entstand vor rund drei Jahren. Damals kam der leidenschaftliche Taucher mit dieser Vision von einem Urlaub zurück, und machte sich sofort ans Werk. Das Konzept: Unter Wasser sind Pflanzen nicht nur vor Einflüssen wie Sturm, Starkregen oder Schädlingen geschützt. Sie bekommen auch alles was sie brauchen: Wärme, Licht und Wasser. Ressourcen, die unter Wasser ohne Aufwand zugänglich sind.

Doch wie können die Pflanzen unter Wasser aufbewahrt werden? Dafür hat sich Gamberini etwas einfallen lassen. Er entwickelte große und längliche Glasballons, die auf dem Meeresgrund verankert sind. Ihr Durchmesser ist groß genug, um einem Taucher darin Platz zum Arbeiten zu bieten. Am unteren Rand sind die Ballons offen. So kann das Meerwasser verdunsten, am Kuppeldach kondensieren und dann als Süßwasser in die Pflanzentropfen. Die Temperatur beträgt hier rund 26 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 83 Prozent. Ziemlich perfekte Werte für ein Gewächshaus. 

Bereits zwei Jahre lang experimentiert Gamberini mit den Meeres-Gewächshäusern. Derzeit hat er sieben davon in Betrieb. Darin kultiviert er unter anderem Erdbeeren, Basilikum, Bohnen und Kopfsalat. Alle Ballons sind mit Sensoren und einem Web-Livestream ausgestattet, sodass Gamberini auch an Land per Computer arbeiten kann. 

Rückschläge gab es natürlich auch. Schon vier Mal hat der Italiener die gesamte Ernte verloren. Dramatisch war das aber wohl nicht, weil die Pflanzen in der Tiefe sehr schnell wachsen, sagte sein Sohn Luca Gamberini der Washington Post

Obwohl die Gamberinis die Meeres-Ernte von Jahr zu Jahr gesteigert haben, verkaufen sie ihre Lebensmittel bislang noch nicht an Supermärkte. Nur die Frau des Forschers benutzt sie regelmäßig für Parties und zaubert dann etwa ein Meeres-Basilikum-Pesto für die Gäste. 

Grund dafür ist zum einen, dass sich lokale Unternehmen an die Sience-Fiction-artige Idee bislang nicht heran gewagt haben. Zum anderen, bringt die Biosphäre derzeit nur zwischen Mai und September eine Ernte hervor. Für diese Monaten hat Gamberini ein Abkommen mit der italienischen Regierung und darf die Plantage bewirtschaften. Auf lange Sicht, hofft er aber auf einen größeren Durchbruch, wie ebenda zu lesen ist. Denn mit seiner Erfindung wolle er vor allem etwas für zukünftige Generationen beisteuern. 

Die größte Chance sieht Gamberini für das Projekt Nemos Garten in Entwicklungsländern. "Länder deren Klima zu schwierig ist, um Nutzpflanzen zu züchten, könnten großen Nutzen daraus ziehen", so der Sohn. Erste Angebote gab es bereits, doch noch lehnen die beiden Tüftler ab. "Wir wollen alles erst testen", sagt er der Zeitung. "Denn wir wollen das richtig angehen."

Weniger verhalten zeigt sich interessanter Weise so mancher Meeresbewohner. So suchen Kraken gerne in den Glocken Unterschlupf, zahlreiche Seepferdchen verstecken sich dort und auch Krabben nutzen die Ballons als Wohnort. Schädlich für die Pflanzen waren die Tiere bislang aber nicht. 

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