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Ein langer Weg zum Turniererfolg

Sie tanzen durch das Dressurviereck, überwinden elegant die bunten Stangen des Springparcours und jagen blitzschnell durch die Natur - bei großen Turnieren wie dem CHIO können die Zuschauer die Vielseitigkeit des Pferdesports hautnah erleben. Von Brigitte Bonder

Reitturniere erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit, besonders bei internationalen Championaten wie dem CHIO in Aachen sind die Tickets begehrt. Während in Reiterkreisen die Dressur die beliebteste Disziplin ist, begeistert sich das Nichtfachpublikum besonders für die Springprüfungen, deren Bewertung für Laien leichter nachzuvollziehen ist. Doch so einfach, wie es bei Spitzenreitern, etwa Isabell Werth in der Dressur oder Marcus Ehning im Springen, oftmals aussieht, ist der Sport nicht. Reiter und Pferde haben bereits eine lange Ausbildung hinter sich, wenn sie an großen Prüfungen teilnehmen dürfen.

"Beim Nationenpreis im Dressurreiten, dem CDIO in Aachen, dürfen laut Ausschreibung nur Reiter starten, die bei zwei verschiedenen CDI3*/CDI4* innerhalb der letzten zwölf Monate ein Ergebnis von mindestens 64 Prozentpunkten im Grand Prix erreicht haben", erklärt Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei. Die Abkürzung CDI steht für Concours de Dressage International und bezeichnet ein international ausgerichtetes Turnier im Dressurreiten. Die verlangten Prüfungslevel 3 und 4 sind bereits äußerst anspruchsvoll und reichen bis zum sogenannten Grand Prix Special, der schwersten internationalen Dressurprüfung mit festgelegtem Prüfungsablauf. Bis dahin ist es besonders für den Leistungssportler Pferd ein langer Weg.

Im Rahmen des CHIO gehen die weltbesten Reiter und Pferde an den Start, die alle mal klein angefangen haben. "Wir unterscheiden Einsteiger- und breitensportliche Turniere, klassische nationale Turniere und internationale Turniere im In- und Ausland", erklärt Peiler. "Für alle gibt es ganz unterschiedliche Teilnahmebedingungen, die jedoch alle das Ziel haben, in den jeweiligen Prüfungen homogene Starterfelder zu erzeugen." Das bedeutet, dass alle Pferde und Reiter in der Dressur- oder Springprüfung auf einem ähnlichen Leistungsstand unterwegs sind.

Bis ein Pferd jedoch beim CHIO ins Dressurviereck oder in den Parcours einziehen darf, dauert es mehrere Jahre. "Im deutschen Turniersystem spiegelt sich die Entwicklung über die wachsenden Anforderungen von der Anfangsstufe A über leichte, mittlere und schwere Prüfungen wider", sagt der Experte. "Im Idealfall klettert ein Pferd bei entsprechendem Talent und konsequentem Training jedes Jahr eine Stufe nach oben, vierjährig beginnend mit der Klasse A."

Um in der schweren Klasse starten zu dürfen, muss ein Pferd national somit mindestens sieben Jahre alt sein, oftmals sind die teilnehmenden Tiere jedoch älter. Zahlreiche Serien bereiten Reiter und Pferde systematisch auf die anspruchsvollen Aufgaben eines großen Turniers vor. Auch innerhalb der schweren Klasse gibt es weitere Abstufungen, für die die Pferde entsprechende Reife und Erfahrung brauchen. "Beim Großen Preis von Aachen im letzten Jahr war das jüngste Pferd neun, das älteste 18 Jahre alt", sagt Peiler. "Ein Drittel aller Pferde war zwischen zehn und zwölf Jahren alt."

Hinter jedem der Erfolgspferde steckt auch ein gutes Management. Dazu gehören neben der richtigen Fütterung auch eine sportmedizinische Betreuung und der passende Hufbeschlag. Das Training muss abwechslungsreich gestaltet werden, außerdem erfolgt eine gezielte Saisonplanung mit einem dosierten Turniereinsatz in Richtung Saisonhöhepunkt und entsprechenden Erholungspausen dazwischen. "Wer wann und wie häufig startet, hängt dann individuell von jedem einzelnen Pferd ab", sagt Peiler.

Quelle: RP
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