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| 10.14 Uhr

Expertentelefon Tierklinik Neandertal
Früh erkannt, lässt sich Krebs oft gut behandeln

Expertentelefon Tierklinik Neandertal : Früh erkannt, lässt sich Krebs oft gut behandeln
FOTO: Olaf Staschik
Zwei Tierärzte der Tierklinik Neandertal beantworteten Leserfragen beim Expertentelefon unserer Zeitung. Von Deniz Karius

Zu den häufigsten Krebsarten bei Hündinnen gehören Tumore am Gesäuge. Diese Tatsache spiegelte sich auch beim Expertentelefon mit Dr. Peter Engelhardt und Dr. Dorothee Muschinski von der Tierklinik Neandertal wider, zu dem unsere Zeitung vergangene Woche eingeladen hatte. Die Nachfrage zu diesem Thema war entsprechend groß.

"Es gibt 14 verschiedene Karzinom-Arten am Gesäuge, einige ähneln gutartigen Veränderungen", erklärte Dr. Engelhardt einer Anruferin. Und bei 50 Prozent aller Gesäugeknoten handele es sich um eine bösartige Wucherung. Grundsätzlich sei eine gründliche Diagnostik erforderlich, führte der auf Onkologie und Weichteilchirurgie spezialisierte Fachtierarzt für Kleintiere aus. Dazu gehören zum einen Gewebeproben, die als Schnelldiagnostik per Punktion oder unter lokaler Anästhesie oder unter einer schonenden Narkose als Stanzprobe genommen werden. Mit letzterer lasse sich die Tumor-Art genau bestimmen und damit auch die weitere Vorgehensweise festlegen. "Ich rate stets dazu, auch die Lunge zu röntgen. So lässt sich feststellen, ob und wie weit der Krebs bereits gestreut hat und ob eine Operation sinnvoll ist", erklärte Dr. Engelhardt.

Komme eine Operation infrage, so müsse individuell entschieden werden, wie viele Zitzen entfernt werden, um die Krankheit einzudämmen beziehungsweise zu heilen. Ist ein hinten sitzender Knoten mehr als einen Zentimeter groß, sollten auf jeden Fall die drei hinteren Zitzen entfernt werden. Das diene der Prophylaxe, da damit nicht nur der Knoten selbst, sondern auch mögliche Tumorzellen in den entsprechenden Lymphbahnen und Lymphknoten entfernt würden. "Weist die Gewebeuntersuchung einen hoch aggressiven Tumor nach, kann es sinnvoll sein, die gesamte Leiste zu entfernen", sagte Engelhardt, der mit Dr. Marcus Hess die Tierklinik in Haan leitet. Und: Die Operation sollte immer möglichst bald stattfinden, und dabei sollte das Gewebe großzügig entfernt werden, um eine Neuerkrankung zu vermeiden.

"Wenn ein Tumor durch eine Operation nicht beseitigt werden kann, kann eine Chemotherapie helfen", erklärte Dr. Dorothee Muschinski einer weiteren Anruferin. Diese werde allerdings verhältnismäßig mild dosiert. "Man kann dem Tier schließlich nicht erklären, warum es ihm schlecht geht", sagte Dr. Dorothee Muschinski. "Bei der Chemo- geht es wie auch bei allen anderen Therapien zur Krebsbehandlung um eine Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität, nicht aber um jeden Preis."

Auch Katzen können, zum Beispiel an Leberkrebs, erkranken. "Dabei muss man aber, insbesondere, wenn es sich um ein älteres Tier handelt, abklären, ob es sich tatsächlich um einen Tumor oder um altersbedingte Umbauprozesse wie eine Zirrhose oder Bindegewebseinlagerungen handelt", sagte Dr. Engelhardt. Auch in einem solchen Fall seien neben der Ultraschalluntersuchung des Bauchraums eine minimalinvasiv gewonnene Gewebeprobe und eine Röntgenaufnahme die Diagnosemittel der ersten Wahl.

Grundsätzlich rät Dr. Engelhardt Haltern zu Aufmerksamkeit, wenn ihr Tier Knoten in der Haut, Verdickungen oder Schwellungen hat. Auch ein unerklärlicher Nasenausfluss kann auf Krebs deuten. Weitere, teils auch indirekte Signale, sind laut Dr. Engelhardt unter anderem nicht heilende Wunden, Blutungen, starker Mundgeruch, Schluckprobleme oder auch Lahmheiten. "Wer solche Symptome bemerkt, sollte sein Tier auf jeden Fall beim Tierarzt vorstellen. Denn oft lässt sich noch eine Menge machen, wenn die Erkrankung früh genug erkannt und behandelt wird."

Quelle: RP
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