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Hundetrainerin beantwortet Leserfragen
Hilfe, ich bekomme meinen Hund einfach nicht ins Auto!

Hundetrainerin beantwortet Leserfragen: Hilfe, ich bekomme meinen Hund einfach nicht ins Auto!
Knapp acht Millionen Deutsche sind Hundebesitzer (Symbolbild). FOTO: Shutterstock.com/ Jess Wealleans
Düsseldorf . Neben der Katze ist der Hund das liebste Haustier der Deutschen. Aber manchmal wissen Herrchen und Frauchen nicht weiter. Einmal pro Woche stellen wir einer Hundetrainerin die Fragen unserer Leser. 

Leserfrage: Meine Jack Russel Hündin ist im Welpenalter drei Mal von einem Hund gebissen worden. Seitdem ist sie draußen anderen Hunden gegenüber aggressiv und lässt sich auch nicht beruhigen. Was kann ich machen?

Kirstin Müller Beißvorfälle wie in Ihrem Fall sind für jede Mensch-Hund-Beziehung ein einschneidendes Erlebnis. Der Mensch ist geschockt, verunsichert und verängstigt. Beim Vierbeiner ist es ähnlich. Eines der wichtigsten Dinge, die ein Halter seinem Hund geben sollte, ist Schutz, der in diesen Momenten jedoch nicht vorhanden war. Der Hund hat somit gelernt: Der Mensch kann mich in derartigen Situationen nicht beschützen. Ich muss also selbst sehen, wie ich mich rette. Wird sein Besitzer fortan bei jeder Hundebegegnung nervös, ist das zwar nachvollziehbar, aber alles andere als gut, weil der Vierbeiner diese Unsicherheit sofort spürt. Es ist daher zwingend notwendig, dass Sie Stärke und Gelassenheit ausstrahlen und für Ihren Hund zu einem Anker werden. Agieren Sie auf keinen Fall laut oder hektisch, denn wenn Sie selbst aufgeregt sind, wird sich der Hund nicht beruhigen lassen. Wollen Sie das unerwünschte Verhalten Ihres Hundes abstellen, müssen Sie ihm durch souveränes Handeln Sicherheit vermitteln. Ein effektives Training für Hund und Halter kann diesbezüglich sehr hilfreich sein.

Warum rüpelt mein Rüde (1,5 Jahre alt) Welpen und Junghunde an? Ist es Dominanz? Wie soll ich es am besten unterbinden? Eigentlich ist er ein sehr lieber Hund und hört gut. Nur bei manchen Welpen wird er aufmüpfig, und ich muss die Situation beenden. Ich würde es gerne verstehen und abstellen können.

Müller Zuerst einmal muss ich sagen, dass das Wort Dominanz leider viel zu oft sehr negativ behaftet ist, weil es die meisten Menschen irrtümlicherweise nur mit Aggressivität und Ungehorsam verbinden. Aber den dominanten Hund gibt es nicht. Dominanz ist keine Charaktereigenschaft, sondern beziehungsspezifisch, zudem zeit- und situationsabhängig. Dominant zu sein, bedeutet nichts anderes, als sich in einer bestimmten Situation gegenüber einem anderen Individuum durchzusetzen. Voraussetzung dafür ist also, dass jemand da ist, der sich dominieren lässt. In Ihrem Fall hört es sich ganz danach an, als würde der junge Schnösel gerade verstärkt seine Grenzen testen. Hunde, die im Welpen- oder Junghundealter mit dem Pöbeln beginnen und dabei Erfolg haben, hören damit mit zunehmenden Alter nicht von alleine wieder auf. Es ist wichtig, das unerwünschte Verhalten zu unterbinden und ihn in die Schranken zu weisen. Allerdings: Ohne mir vor Ort ein Bild von Ihnen und Ihrem Hund gemacht zu haben, kann ich leider nicht mit einem Allheilmittel dienen. Denn was für den einen Hund in gewissen Situationen gut ist, kann für einen anderen verkehrt sein. Sie benötigen auf jeden Fall Ruhe, Ausdauer und Entschlossenheit. Mit der nötigen Konsequenz wird auch diese anstrengende Phase vorübergehen.

Ich bekomme meinen Hund einfach nicht ins Auto. Was kann ich tun?

Müller Pauschal lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten. Zunächst wäre es gut zu wissen, warum der Hund nicht ins Auto einsteigen möchte. Ist die Kofferraumkante zu hoch, so dass er nicht sieht, wohin er springt? Bestehen gesundheitliche Probleme, die ihm das Reinspringen erschweren? Hat er negative Erfahrungen gemacht, gab es beispielsweise mal einen Verkehrsunfall, bei dem der Hund mit im Auto saß oder andere unschöne Momente, die er mit dem Auto verknüpft? Leidet er an der Reisekrankheit, bei der ihm immer übel wird? Man sollte einen Hund unbedingt schon in den ersten Lebensmonaten ans Auto gewöhnen. Wurde dies versäumt, kann man ihm dennoch beibringen, gerne in den Wagen zu steigen. Er sollte lernen, das Auto mit positiven Dingen zu verknüpfen. Um dies zu erreichen, gibt es diverse Möglichkeiten. Eine konkrete Empfehlung kann ich Ihnen an dieser Stelle aber nicht geben, weil ich Ihren Hund nicht kenne. Eventuell könnte auch eine Einstiegshilfe nützlich sein.

Bekannte bekommen bald Nachwuchs, aber deren Hund mag keine Kinder. Was kann man da machen?

Müller Mit solchen Fällen habe ich leider häufiger zu tun. Für mich ist es immer wieder unbegreiflich, warum man sich nicht bereits weit im Voraus mit dem bestehenden Problem befasst. Spätestens wenn eine Schwangerschaft bekannt ist, sollte man die Ursache des unerwünschten Verhaltens anpacken - nicht erst ein paar Wochen vor der Geburt. Mit Handauflegen oder per Knopfdruck bekommt man die Problematik nicht in den Griff. Hier kann ich nur dringend dazu raten, sich schnellstens professionelle Unterstützung an die Seite zu holen, damit das Zusammenleben von Hund und Baby nicht im Chaos endet oder es gar zu einem schlimmen Vorfall kommt.

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