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Hundetrainerin beantwortet Leserfragen
Unser Boxer schmeißt unsere Kinder um - was tun?

Hundetrainerin beantwortet Leserfragen: Unser Boxer schmeißt unsere Kinder um - was tun?
FOTO: Shutterstock.com/ Jess Wealleans
Düsseldorf . Neben der Katze ist der Hund das liebste Haustier der Deutschen. Kein Wunder, dass da auch Fragen rund um die Tiere aufkommen. Wir haben einer Hundetrainerin die Fragen unserer Leser gestellt.  Von Susanne Hamann

Wann sollte ein Hund normalerweise stubenrein sein?

Kirstin Müller Bis der Hund etwa ein Jahr ist, kann immer mal ein Malheur passieren. Damit er lernt, möglichst schnell stubenrein zu werden, sollte man anfangs tagsüber alle zwei Stunden mit ihm nach draußen gehen. Das ist eine grobe Faustregel. Grundsätzlich gilt: lieber einmal mehr, als einmal zu wenig. Insbesondere nachdem er aufgewacht ist, er getrunken, gefressen oder gespielt hat, wenn er aufgeregter oder aktiver als üblich ist und wenn er beginnt, am Boden zu schnüffeln, ist ein guter Zeitpunkt, um rauszugehen. Den Zeitraum sollte man dann Stück für Stück verlängern. Wichtig ist, keine Welpenpads im Haus zu nutzen. Der Hund soll lernen, sich draußen zu lösen. Das muss man ihm von Anfang an beibringen. 

Ab wann sollte man mit der Erziehung eines Hundes anfangen?

Müller Sofort nach dem Einzug. Das ist für ihn etwas ganz Natürliches, da seine Mutter ihm von Anfang an auch Regeln und Grenzen gesetzt hat. Leider scheuen sich viele Hundehalter davor, den Hund von Anfang an einzugrenzen und ihm Regeln zu geben, weil er so süß ist. Wer dem Hund aber nicht klar macht, dass er zum Beispiel an Schuhen nicht knabbern soll und ihm auch sonst alle Freiheiten lässt, darf sich nicht wundern, wenn mit zunehmendem Alter des Hundes die Probleme immer größer werden. Ich höre auch immer wieder das Argument, der Welpe müsse doch erstmal die Welt entdecken. Das ist aber Quatsch. Ein Kind erzieht man ja auch nicht erst ab der Schulzeit, sondern beginnt von klein auf. 

Wie lange darf man mit einem Welpen spazieren gehen?

Müller Es gibt die Pauschalregel, dass man fünf Minuten pro Lebensmonat aufschlagen soll. Ich halte davon aber nicht viel. Es kommt einfach auf den Hund an und darauf, wie alt er ist. Manche können direkt 20 Minuten laufen, andere nur fünf. Nur direkt 30 Minuten oder eine Stunde sollte man nicht mit einem Welpen laufen. 

Was hat es zu bedeuten, wenn der Welpe einen in der Wohnung ständig verfolgt?

Müller Gerade in den ersten Wochen ist es völlig normal, dass er die Nähe zum Rudel sucht, denn in der freien Natur wäre er sonst hilflos, zumal er am Anfang auch noch nicht so weit sehen kann. Später hat dieses Verhalten weniger mit einer engen Bindung zu tun, sondern eher mit Kontrolle. Mit zunehmendem Alter sollte man ohnehin beginnen, ihm das Alleinbleiben stückweise anzutrainieren. Tut man das nicht, läuft der Hund später möglicherweise Amok, wenn die Halter mal außer Haus sind.

Mein letzter Tierarzt riet mir dazu, meinem Hund kein rohes Fleisch zu geben, da er an Vitaminmangel leidet. Ist das richtig?

Müller Dass der Hund deswegen Vitaminmangel bekommen hat, halte ich für Blödsinn. Nur wenn man rohes Fleisch gibt, muss man auf die Zusammensetzung achten. Das heißt, es müssen Öle, Kräuter, Obst oder Gemüse hinzugefügt werden. Ich halte das für eine wesentlich gesündere und ausgewogenere Ernährung als Fertigfutter. 

Unser Hund hat diverse Macken. Mit den meisten davon können wir leben, auch wenn er uns manchmal den letzten Nerv raubt. Was uns aber sehr stört: Er zieht draußen beim Spazierengehen massiv an der Leine. Noch schlimmer wird es, wenn er andere Hunde sieht. Was können wir dagegen tun?

Müller Leider höre ich recht häufig, dass Hundehalter alle möglichen Macken ihres Hundes in Ordnung fänden, nur diese eine nicht. Ich kann dazu nur sagen: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Man muss im Ganzen für Ruhe und Ordnung sorgen. Entweder bin ich der Chef oder nicht. Einen Halb-Chef gibt es nicht. Also muss man an allen Punkten, die nicht in Ordnung sind, mit dem Hund arbeiten. Dann funktioniert es auch. 

Der Boxer meines Vaters reagiert sehr wild auf meine Kinder (1, 5 und 7 Jahre alt) und ist wahnsinnig ungestüm. Er ist nicht aggressiv, aber er schmeißt sie durch sein Gewicht um, springt sie an, leckt sie ab "vor lauter Freude", aber das ist natürlich kein Zustand, und die Kinder haben Angst. Momentan ist die einzige erträgliche Lösung, den Hund wegzusperren. Wie kann man das angehen?

Müller Ich kann das Problem sehr gut nachvollziehen. Aber hier hilft nur, dem Hund konsequent beizubringen, dass er sich auch kleinen Menschen respektvoll und vorsichtig nähern muss. Ich verstehe auch, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als den Hund auszusperren, aber so lernt er nicht dazu. Man muss dem Hund Regeln setzen und ihm zum Beispiel beibringen, dass im Haus nicht getollt wird, sondern nur im Garten. Dann kann man ihm einen eigenen Platz in der Wohnung zuweisen, an dem er sich auch zurückziehen kann - aber auch lernen muss zu bleiben. An diesem Ort sollte der Hund vor den Kindern auch mal seine Ruhe haben können. Man sollte den Hund auf jeden Fall nicht anschreien, denn das symbolisiert für ihn Schwäche. Besser ist, immer wieder mit Ruhe und mit Entschlossenheit die Regeln zu wiederholen. Wenn nötig, muss man ihn eben gefühlte 50 Mal zurück an seinen Platz bringen, denn der Hund muss lernen, dass das Herrchen das letzte Wort hat. 

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