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| 18.15 Uhr

Rabiate Praxis
US-Katzenbesitzer streiten über Krallen-Amputation

Katzen-Krallen amputieren: Amerikaner streiten über Eingriff
Katzenkrallen können schmerzhafte Kratzer hinterlassen - aber ist es deshalb richtig, sie amputieren zu lassen? FOTO: dpa, fe_lmb rho
New York. Katzenkrallen sind scharf - für ihre Besitzer kann das lästig werden. Viele US-Amerikaner lassen die Krallen ihrer Tiere deshalb vom Tierarzt entfernen. In New York soll das jetzt verboten werden. 

Viele Katzen in den USA teilen das Schicksal von Kitty Samtpfote, der krallenlosen Gefährtin des "Gestiefelten Katers" in dem DreamWorks-Film von 2011: Ihnen wurden die Klauen amputiert, damit sie nicht mehr Möbel zerkratzen, Gardinen zerfetzen oder ihren Besitzern weh tun können. Doch die Prozedur ist nicht mit der Nagelmaniküre beim Menschen vergleichbar, es ist eine Amputation. In New York gibt es nun eine Gesetzesinitiative, das aus Tierschutzgründen zu verbieten. Die Meinungen darüber sind geteilt.

Hunden werden die Stimmbänder entfernt

Amerikaner lieben ihre Haustiere, sind aber mitunter pragmatisch, wenn es um sie störende Begleiterscheinungen geht. Hunde bellen nun mal; bellen sie zu oft, geht man zum Tierarzt, um Bello die Stimmbänder entfernen zu lassen. Und Katzenkrallen sind scharfe Waffen, mit denen verhaltensgestörte oder -auffällige Stubentiger Schaden und Verletzungen anrichten können.

Die New Yorker Initiative ist die erste US-weit, das Amputieren von Katzenkrallen auf Staatsebene zu verbieten. New York ist in der Regulierung vom Zusammenleben von Mensch und Tier schon vorangegangen, indem es Hundebesitzern erlaubt hat, ihre Vierbeiner mit auf Terrassen von Restaurants nehmen zu dürfen. In einigen Staaten ist das Entfernen der Stimmbänder von Hunden mittlerweile verboten, und in allen 50 Staaten ist Tierquälerei inzwischen ein Straftatbestand.

Emotionale Debatte

Die Katzenkrallen-Debatte wird emotional geführt. Etliche sind der Auffassung, dass es den Staat nichts angehe, was Tierbesitzer mit ihren Tieren machen. Und auch Tierärzte sehen in der Amputation ein letztes Mittel, um schwer vermittelbaren Tieren Tierheim oder Einschläfern zu ersparen.

"Niemand von uns liebt diese Prozedur" sagt der Tierarzt Richard Goldstein von einer New Yorker Tierklinik. "Wenn die Alternative aber ist, die Katze zu Tierheim oder Tod zu verurteilen? Deshalb machen wir das." Auch Veterinärorganisationen in den US-Staaten und auf Bundesebene sind deshalb gegen ein Verbot von Krallenamputationen.
Die Entscheidung darüber sollte Tierhaltern und Tierärzten vorbehalten bleiben und nicht per Gesetz vorgeschrieben werden, sagen sie.

Es ist die brutale Realität der Prozedur, die Tierschützer nach einem Verbot rufen lässt. Katzenkrallen sind mit dem Knochen verbunden. Um sie zu entfernen, muss der Tierarzt Glieder, Sehnen und Nerven durchtrennen. "Es ist Amputation. Es ist gleichbedeutend damit, den Zigarrenabschneider zu nehmen und das Ende des Gelenks abzutrennen", erklärt die kalifornische Veterinärin Jennifer Conrad, der für ein Verbot eintritt.

So manche Besitzer würden die Prozedur nicht noch einmal machen lassen. Die Direktorin einer Brooklyner Grundschule, Lisa Fernandez, sagt, sie habe ihrer Katze die Krallen entfernen lassen, ohne zu wissen, wie schwer dieser Eingriff ist. Ihre Schüler beteiligen sich nun an einer Kampagne gegen das Amputieren von Katzenkrallen. Als ihr klar geworden sei, was das Entfernen bedeute, sei sie entsetzt gewesen, sagt Fernandez nun.

"Es gibt eine Welle zunehmenden gesellschaftlichen Bewusstseins zum Tierschutz", stellt der Vorsitzende der Humanen Gesellschaft der USA, Wayne Pacelle, fest. "Wir haben bewiesen, dass die amerikanische Öffentlichkeit über das Wohlergehen der Tiere zutiefst besorgt ist - seien es diejenigen, mit denn wir leben oder jene, die zur Nahrungsproduktion dienen."

In mehreren europäischen Staaten, unter anderem Deutschland, und Australien ist die Amputation von Katzenkrallen gesetzlich verboten.
In den USA wird das bisher auf kommunaler Ebene geregelt; entsprechende Verbote gibt es in Los Angeles und einigen anderen kalifornischen Städten. Schätzungen zufolge verlieren rund ein Viertel aller Hauskatzen in den USA irgendwann in ihrem Leben ihr Krallen. Von der Nachrichtenagentur AP befragte Tierärzte sagen, die Nachfrage nach dieser Prozedur lasse aber allmählich nach.

Oft gibt es nach einer Amputation andere Probleme

In einem Tierheim in Manhattan sind nach Angaben der stellvertretenden Direktorin Kendra Mara zehn Prozent der zu vermittelnden Katzen krallenlos. Einfacher im Umgang sind sie deshalb nicht unbedingt, sagt sie: Einige werden nach der Amputation bissig, andere meiden das Katzenklo, weil es ihren Wunden schmerzt. "Es ist nie eine einfache Anpassung", sagt Mara. "Man muss immer an dem Verhaltensproblem arbeiten."

Einer von mehreren von der AP interviewten Katzenhalter, Brian Gari aus Manhattan, sagt, er habe seine Katze von seinem verstorbenen Vater übernommen und die Krallen entfernen lassen, weil ihm seine Möbel wichtiger als das Wohlfühlen des Tiers gewesen sei. Doch nun benutze Kiki nicht mehr das Katzenklo, weshalb er ein Zimmer mit Zeitungen ausgelegt habe. "Es ist ein totaler Alptraum. Ich muss das irgendwie lösen. Sie ist ja trotzdem süß. Aber sie ist völlig durch den Wind", seufzt er.

(ap)
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