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Expertentelefon
Kommandos positiv verknüpfen

Expertentelefon: Kommandos positiv verknüpfen
Hundetrainer Thorsten Schedwill gab den zahlreichen Anrufern beim Expertentelefon viele Tipps. Von Deniz Karius

Vergangenen Samstag stand das Telefon nicht still. Viele Leser nutzen die Gelegenheit und fragten beim Expertentelefon unserer Zeitung Hundetrainer Thorsten Schedwill um Rat zum Thema "Unerwünschtes Verhalten beim Hund". Vor allem Fragen zu ängstlichen und schlecht führbaren Hunden beantwortete der Inhaber der Düsseldorfer Hundeschule "Richtig verknüpft".

So berichtete eine Anruferin von der panischen Angst ihrer Mischlingshündin vor Silvesterfeuerwerken. Diese habe sich so verschlimmert, dass die Hündin auch an ganz normalen Abenden kaum noch zum Hinausgehen zu überreden ist. Um die Hündin ein bisschen sicherer zu machen, sollte die Halterin versuchen, sie zu desensibilisieren. "Sie muss das Knallen mit etwas Positivem verknüpfen", sagte Schedwill. So solle die Halterin zu Hause einfach auch mal etwas fallen lassen und der Hündin dann gleich ein Leckerchen geben. Auch mit einem nach und nach immer stärker aufgeblasenen Luftballon können sie trainieren, dass Lärm etwas Gutes hat. Aber: "Das fürs Training benutzte Leckerchen muss ein ganz Besonderes sein, eins, das sie sonst nicht bekommt. Und man muss es rasch geben – die Assoziationszeit bei Hunden beträgt maximal drei Sekunden", sagt Schedwill. Am besten beginne man das Training in nur einem Raum. Wenn es dort dann gut klappe, könne man den Radius nach und nach erweitern.

Grundsätzlich rät Schedwill Haltern von Hunden, die unter Silvesterstress leiden, in dieser Situation gar nicht mit dem Tier zu reden, und wenn es sich irgendwo verstecken will, dies auch zu erlauben.

Eine andere Halterin berichtete von ihrer Hündin, die sich beim Spazierengehen immer wieder umdreht und offenbar Angst vor Fahrrädern hat. Dieser empfahl Schedwill, erst einmal im Garten ein Kommando einzuüben, das über ein Leckerchen zu etwas Positivem für die Hündin wird. Später reiche es dann aus, in für das Tier angenehmen Situationen nur noch das Kommando zu geben. Nach und nach werde dieser Befehl so positiv verknüpft, dass er auch in Stressmomenten beruhigend wirke.

Viele Leserfragen beschäftigten sich zudem mit dem Thema Rangordnung. Ein älterer, sonst sehr folgsamer Rüde zum Beispiel kommt zwar von sich aus an, um sich streicheln zu lassen, knurrt aber und fletscht die Zähne, wenn er genug hat und geht dann weg. "In solchen Fällen ist es ganz besonders wichtig, dass der Mensch jede Aktion mit dem Hund beginnt und auch beendet", erklärte Schedwill. "Denn ansonsten steht es immer mindestens 1:0 für den Hund. Der Halter muss ihm aber immer ein paar Tore voraushaben." So riet der Hundetrainer, den Hund, wenn er von sich aus kommt, wegzuschicken.

Wenn er dann aber auf Zuruf kommt, bekommt er ein Leckerchen und wird gestreichelt, bis der Halter ihn wieder wegschickt. Später kann man auf die Leckerei verzichten, und dennoch wird der Hund immer dann ankommen, wenn die Hand des Halters nach unten geht. Ebenfalls um die Rangordnung ging es bei dem Dackel, der nur mit dem Vater, nicht aber mit der Tochter alleine rausgehen will. Dieser Familie riet Schedwill, der Vater solle der Tochter beim gemeinsamen Spaziergang den Hund übergeben und später auch wieder zurücknehmen. Das sollten sie so lange üben, bis der Hund die Tochter wie den Vater als ranghöher ansieht.

Das Verhalten des Hundes steuern, das ist auch beim Thema Leinenführigkeit entscheidend. Ein Beispiel: Geht der Hund seiner Nase nach mal nach rechts und links, will er sein Revier abgehen. Er muss aber lernen, sich auf die Halterin zu konzentrieren und ihr auch dann zu gehorchen, wenn er einen anderen Hund sieht und ihn begrüßen will. "Am besten suchen Sie sich für das entsprechende Training eine Wiese, auf der nicht so viel los ist", riet Schedwill der Anruferin. "Auf der gehen Sie mit dem Hund im Kreis.

Sucht das Tier dann Kontakt zu Ihnen, geben Sie immer das gleiche Kommando und belohnen ihn. Kommt er zuverlässig auf Sie zu, können Sie auf der Wiese auch mal einen geraden Weg gehen." Klappe das Kommando auch dann, werde das Kommando auch an allen anderen Orten das erwünschte Verhalten hervorrufen. "Man kann viel selbst mit dem Hund erarbeiten", sagte Schedwill. "Aber wenn er aggressiv gegenüber Kindern ist, sollte man sich unbedingt professionelle Hilfe suchen."

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