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Tiere als Weihnachtsgeschenke
"Man unterschätzt die Arbeit, die ein Haustier macht"

Tiere als Weihnachtsgeschenke: "Man unterschätzt die Arbeit, die ein Haustier macht"
Viele Tiere landen nach Weihnachten wieder im Tierheim, wenn ihre Besitzer sie nicht mehr haben wollen. FOTO: dpa, hka thn
Köln/Düsseldorf. Tiere eignen sich nicht als Weihnachtsgeschenke, sagen Tierschützer. Viele Familien unterschätzen die Arbeit, die ein Hund, eine Katze oder ein Kaninchen machen kann. Am Ende landen die geschenkten Vierbeiner oft im Tierheim.  Von Franziska Hein

Ein Huhn, das per Post kam - das ist das verrückteste Tiergeschenk, von dem Claudia Bauer je gehört hat. Die Tierpflegerin arbeitet im Konrad-Adenauer-Tierheim in Köln Zollstock. Welpen und Katzenbabies liegen immer noch oft unterm Tannenbaum. Doch wenn die Tierbabies größer werden, werden sie ihren Besitzern oft zu viel. Im Kölner Tierheim gibt es daher über Weihnachten einen Vermittlungstopp. 

Frau Bauer, warum vermitteln sie kurz vor Weihnachten keine Tiere? 

Bauer Wir wollen nicht, dass Tiere zu Weihnachten in Familien vermittelt werden und sie dann nicht dort bleiben können. Viele Menschen unterschätzen es, was es heißt, für ein Tier dauerhaft Verantwortung zu übernehmen. Und vor Weihnachten sind Eltern vielleicht auch etwas eher geneigt, Kinderwünschen nachzugeben. Viele haben ja auch zwei oder drei Wochen frei und sind entspannt. Aber wenn der Alltag einsetzt, merken sie, dass es schwer ist, sich um das Tier zu kümmern. 

Und dann landen die Tiere ganz schnell wieder bei Ihnen? 

Bauer Die Tiere landen in der Regel nicht sofort nach Weihnachten und Silvester wieder bei uns. Das dauert meistens ein halbes Jahr. Wir haben oft an Pfingsten die meisten Abgaben von Tieren unter einem Jahr. Da gehen wir davon aus, dass die als Geschenk unterm Weihnachtsbaum lagen. 

Werden denn vor Weihnachten mehr Tiere gekauft oder bei Ihnen angefragt als sonst? 

Bauer Viele Züchter produzieren extra zu Weihnachten Würfe, damit sie Welpen verkaufen können. Im Internet werden jetzt fast überall Tierbabies angeboten. Die super süßen Bilder von Katzenbabies und Hundewelpen tun ihr übriges. Da können viele nicht widerstehen.

In welchem Zustand sind die Tiere denn, wenn Sie bei Ihnen ankommen? 

Bauer Meistens sind sie nicht verwahrlost oder schlecht gepflegt. Es ist eher so, dass die Tiere schlecht erzogen sind. Gerade bei Hunden ist das meistens der Fall. Die gehorchen nicht. Die Besitzer haben sich nicht genug mit ihnen beschäftigt. Die Tiere sind chronisch unterfordert und nicht ausgebildet. Sie fangen dann an, zuhause etwas kaputt zu machen. Das ist den Leuten dann zuviel und auch die Kinder verlieren die Lust am Tier, wollen nicht ständig Gassi gehen oder den Käfig sauber machen. 

Ist es eigentlich egal, ob man Hunde und Katzen oder ein Kaninchen schenkt? 

Bauer Man muss sich klarmachen, dass Kaninchen und Meerschweinchen sehr alt werden können. Manche Tiere leben bis zu zwölf Jahre. Hunde sind aber am aufwendigsten in der Haltung, gerade wenn man keine Erfahrung mit der Tierhaltung hat. Leute neigen dazu, vor Weihnachten kurzfristig ein Tier anzuschaffen und sind sich über die langfristigen Folgen nicht im Klaren. 

Was ist das Kurioseste, was Sie im Zusammenhang mit geschenkten Tieren erlebt haben? 

Bauer Es ist bereits vorgekommen, dass Menschen am ersten Weihnachtsfeiertag zu uns ins Tierheim kamen und nach Futter fragten. Sie hatten ein Tier geschenkt, aber kein Futter besorgt. Und einmal hat ein Mann ein Huhn bei uns vorbei gebracht, das ihm jemand in einem Karton per Post geschickt hatte. Der Mann konnte damit überhaupt nichts anfangen, er hatte nicht mal einen Garten. 

 
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