| 12.14 Uhr

Live-Stream der Geburt
Warum das Internet einer schwangeren Giraffe zuschaut

Zoo zeigt Geburt eines Giraffenbabys live im Netz
April, die schwangere Giraffe, in ihrer Box. FOTO: Screenshot/ Animal Adventure Park
Harpursville. Millionen Menschen in aller Welt schauen derzeit einer Giraffe in ihrem Stall zu. Die 15-jährige April wird in Kürze ihr Junges zur Welt bringen - wann genau weiß allerdings niemand. Der eher ereignisarme Livestream hat auf manche Zuschauer eine meditative Wirkung.  Von Judith Conrady

Wer eine Giraffengeburt miterleben möchte, braucht Geduld. Das haben Millionen Internetnutzer in den vergangenen Tagen gelernt. Seit Mittwoch hat der Animal Adventure Park, ein Zoo in Harpursville im US-Staat New York, eine Webcam eingerichtet, die den Stall von Giraffe April zeigt.

 

April ist 15 Jahre alt und erwartet ihr viertes Junges. Diverse Facebook-Seiten haben den Livestream inzwischen übernommen und zeigen ihn ebenfalls. Wieviele Leute insgesamt zuschauen, ist inzwischen kaum mehr zu messen. Es sind Millionen. Wann genau es bei April so weit ist, kann jedoch niemand sagen. Vielleicht erst in ein paar Tagen. 

Es geht los! Ach, nee, doch nicht.

Es heißt also: abwarten. Die #giraffewatch ist zur Lieblings-Nebenbeschäftigung vieler Internetnutzer geworden. Die meiste Zeit steht April recht bewegungslos in ihrer Box. Manchmal legt sie sich für einige Minuten auf den Boden, manchmal frisst sie etwas. Ab und zu versetzt sie die Zuschauer durch eine kleine Bewegung in Aufruhr, die für den Laien aussieht, als gehe es jeden Moment los. Eine Serie von Fehlalarmen. 

Für die hochträchtige April dürften die Stunden des Wartens wenig angenehm sein - für viele Zuschauer sind sie geradezu meditativ. "Es ist erstaunlich, wie friedlich es sich anfühlt, dieser Giraffe zuzuschauen", hat eine Amerikanerin den Youtube-Stream des Zoos kommentiert. "Trotz all der Dinge, die in unserem Land gerade passieren. Ich fände es gut, wenn der Name des Babys etwas mit Friede, Freude oder Einheit zu tun hätte." 

Andere fühlen sich nicht ganz so beseelt vom Anblick der weitgehend regungslosen Giraffe und vertreiben sich die Zeit mit Witzen, Anfeuerungsposts und Spekulationen über den Geburtsvorgang. So ein Giraffengeburtslivestream wirft völlig neue Fragen auf - was zum Beispiel bedeutet ein Emoji mit rot verkniffenem Gesicht in diesem Zusammenhang? Normalerweise steht es für Wut. Doch das Zeichen wurde von den Facebook-Zuschauern umgedeutet und bedeutet jetzt: "Pressen, April!". Ständig kommen neue Zuschauer dazu, posten ihren Standort: "Good Evening from Singapore!", "Good Morning from Baltimore!" 

Tierschützer beschwerten sich bei Youtube

Allerdings gab es auch schon Ärger um den Livestream. Einige Nutzer hatten sich am Mittwoch über das Video beschwert, daraufhin nahm Youtube es vorübergehend offline. Zoobesitzer Jordan Patch schrieb auf der Facebook-Seite des Tierparks, "eine Handvoll Extremisten und Tierschutzaktivisten" hätten sich beschwert, das Video sei "explizit sexuell". 

Ob das der wirkliche Grund für den Ärger der Tierschützer ist, blieb offen. Wenn Nutzer ein Video bei Youtube melden möchten, bietet das Unternehmen einen festgelegten Katalog von Begründungen zur Auswahl an - einer davon ist die Darstellung von Nacktheit. 

Wer es schafft, im richtigen Moment online zu sein und hinzuschauen, den erwartet ein interessantes Schauspiel: Giraffen bekommen ihre Jungen im Stehen. Aus fast zwei Metern Höhe fallen die Neugeborenen auf den Boden, ohne sich dabei zu verletzten. So funktioniert das seit tausenden von Jahren. Nur die Aufregung ist dabei normalerweise deutlich geringer. 

 
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