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Eigenes Pferd
"Mein Ausbilder ist der wichtigste Berater beim Pferdekauf"

Eigenes Pferd: "Mein Ausbilder ist der wichtigste Berater beim Pferdekauf"
Thomas Ungruhe FOTO: Kaup
Thomas Ungruhe ist seit 15 Jahren Abteilungsleiter Breitensport/Vereine/ Betriebe bei der FN und selbst aktiver Reiter. Er ist 52 Jahre, verheiratet, hat drei Kinder, ist Diplom-Sportlehrer und seit 25 Jahren im Hause der FN, zunächst als Geschäftsführer des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten. Im Interview nennt er die wichtigsten Punkte, auf die man achten sollte, will man ein Pferd kaufen.

Herr Ungruhe, wann ist die Zeit für ein eigenes Pferd gekommen?

Thomas Ungruhe: Aus den Betrieben und Vereinen hören wir, dass viele nach rund zwei Jahren intensiven Trainings und Lernens Wünsche nach einem eigenen Pferd oder einer anderen Entwicklungsmöglichkeit äußern.

Wie sollte derjenige dann vorgehen?

Ungruhe: Er sollte sich an vertraute Leute in seinem Reitbetrieb wenden, an den Vereinsvorstand und an seinen Ausbilder. Gerade er (oder sie) wird denjenigen gerne beraten, und er kann ihn auch richtig einschätzen, einen Pferdetyp mit ihm verbinden. Er weiß, ob der Reiter einen sportlichen Typ Pferd braucht oder eher einen ruhigen fürs Ausreiten.

Welche Fragen muss der Kaufwillige sich selbst beantworten?

Wer sich ein Pferd kaufen möchte, sollte seinen Ausbilder zum Probereiten mitnehmen. FOTO: Sonya Etchinson/Thinkstock

Ungruhe: Zunächst die Frage nach der Zeit: Wie viel Zeit kann ich wirklich aufbringen? Dann muss er wissen, wo er das Pferd unterbringen möchte, wo soll es trainiert und weiter ausgebildet werden? Das ist das Grundgerüst. Fragen nach Rasse und Preisvorstellung sind ebenfalls wichtig, diese sollte man mit seinem Ausbilder erörtern, eventuell die Vorstellung auch korrigieren. Ich muss wirklich wissen, was ich mit dem Pferd machen möchte. Dabei gilt immer: erfahrener Reiter auf junges Pferd, unerfahrener Reiter auf ausgebildetes Pferd.

Und dann?

Ungruhe: Hofbetreiber und Ausbilder, auch Vereinsvorstände haben Kontakte zu Züchtern und Händlern ihres Vertrauens, oft arbeiten sie schon seit Jahrzehnten zusammen. Sie sollte man ansprechen und Termine zum Anschauen vereinbaren. Möglichst viele Pferde anschauen, rate ich immer. Zum Probereiten immer den Ausbilder mitnehmen! Er kann das Paar beurteilen und sich auch selbst auf das Pferd setzen, um sich eine Meinung zu bilden. Wenn man sich für ein Pferd interessiert, ist es wichtig, sich keinen Zeitdruck machen zu lassen! Sacken lassen! Ein guter Verkäufer setzt seinen Kunden nicht unter Druck, sondern stellt ihm womöglich das Pferd für ein paar Tage zum Ausprobieren zur Verfügung.

Worauf sollte der Kunde achten?

Ungruhe: Eine Ankaufsuntersuchung beim Tierarzt meines Vertrauens ist natürlich Pflicht. Das Interieur lässt sich gut anhand akustischer und optischer Signale testen, ein paar Gelassenheitsübungen sind auch nicht schlecht. Der Ausbilder sollte auch überzeugt sein, bevor es zu einem Kauf kommt. Wir haben bei der FN Standard-Kaufverträge ausgearbeitet und hinterlegt, aber hier kommt es immer auf die individuelle Vereinbarung an, Vorgaben gibt es neben den gesetzlichen keine.

Wie stehen Sie zu Reitbeteiligungen?

Ungruhe: Sie sind eine gute Alternative zu einem eigenen Pferd, ich habe selbst eine. Gerade, wenn man nicht die Zeit für ein eigenes Pferd hat, sind Beteiligungen ideal. Im Prinzip gelten dieselben Regeln wie oben beschrieben: Was will ich? Wie viel Zeit habe ich? Was für ein Pferd soll es sein? Auch der Betrieb ist wichtig: in meiner Nähe, mit Halle und langen Öffnungszeiten könnten Kriterien sein. Wenn alles stimmt und Sie mit dem Pferdebesitzer einig geworden sind, ist ein schriftlicher Vertrag unumgänglich – und zwar für beide Seiten! Anfangs mag immer alles ganz einfach und klar erscheinen, aber nach einiger Zeit kann es zu Konflikten kommen.

Es gibt immer mehr Beteiligungen, bei denen die Leute Geld dafür bezahlen, das Pferd zu pflegen und den Stall auszumisten – ohne zu reiten … Müsste hier nicht eher der Pferdebesitzer für Hilfe oder Dienstleistung bezahlen?

Ungruhe: Das ist das alte Spiel von Angebot und Nachfrage. Es gibt inzwischen einen großen Markt mit dem Titel "Umgang mit dem Pferd", das hat einenhohen Wert. Viele Menschen beteiligen sich an den Kosten fürs Pferd, um es zu pflegen und mit ihm spazieren zu gehen. Da geht es weniger ums Reiten. Hier ist ein gesellschaftlicher Wandel in vollem Gange, den wir als FN nicht nur wahrnehmen, sondern auch sehr eng begleiten.

Inwiefern?

Ungruhe: Wir fordern beispielsweise Stallbetreiber auf, eigene Kurse für diese Kunden anzubieten: Führen und richtiges Longieren, etwa. Wie hole ich ein Pferd richtig aus der Box? Wie verlade ich es? Wir helfen, die entsprechenden Fachleute an die Ställe zu vermitteln, die dafür nötig sind. Diese Kurse werden gern angenommen und sollten vor allem Eltern von reitenden Kindern angeboten werden.

Gökçen Stenzel führte das Gespräch.

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