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Interview
Reiten schult das Selbstbewusstsein

Interview: Reiten schult das Selbstbewusstsein
Reiten verbessert unter anderem den Gleichgewichtssinn, sagt Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. FOTO: FN
Im Interview erklärt Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, wie Kinder vom Reiten profitieren können.

Verschiedene Studien sind zu dem Ergebnis gekommen: Pferde haben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Warum ist das so?
Maria Schierhölter-Otte: Pferde sind Lebewesen, da wecken auch der Geruch oder das Fell ganz anders das Interesse eines Kindes, als wenn es einen Tennisschläger in die Hand nimmt. Ein Pferd bietet die komplette Schulung der Sinne: Geruch, Gehör, Tastsinn, Bewegungs- und – ganz wichtig – Gleichgewichtssinn. Kinder holen das nie wieder auf, wenn sie in jungen Jahren nicht ihren Gleichgewichtssinn testen oder schulen. Reiten ist eine prima Gesundheitsförderung: Ich muss mich bewegen, denn das Pferd bewegt mich. Das fängt schon beim Putzen an. Ich muss mich bücken und strecken, die linke und die rechte Hand benutzen. Natürlich wirkt sich der Umgang mit dem Pferd auch auf das Sozialverhalten aus. Zum einen, wenn Kinder den Umgang von Pferden untereinander beobachten – wie diese sich gegenseitig respektieren und ablehnen, sich das Fell pflegen. Zum anderen aber auch dadurch, wie das, was ich tue, beim Pferd ankommt.

Wie profitieren auch Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten vom Reiten?
Maria Schierhölter-Otte: Gerade in diesen Bereichen kann Reiten so viel bewirken, das ist manchmal wirklich unglaublich. Da fangen bisher sehr stille Dreijährige plötzlich nach ein paar Stunden auf dem Pferderücken an zu sprechen. Oder aber ein Junge, der vielleicht Anpassungsschwierigkeiten wie ADHS hat, lernt, sich selbst zu organisieren, auf andere einzugehen und sich an Regeln zu halten. Denn das Pferd spiegelt ganz unmittelbar das Verhalten seines menschlichen Gegenübers. Kinder merken sehr schnell: Da kann ich nicht einfach rumschreien oder laut in die Hände klatschen – dann legt das Pferd die Ohren an oder erschrickt sich.

FOTO: Alexia_Khrushcheva

Welche guten Eigenschaften sagt man Reitern im Vergleich zu Nicht-Reitern nach?
Maria Schierhölter-Otte: Ursula von der Leyen, selbst leidenschaftliche Reiterin, hat einmal folgenden schönen Satz gesagt: "Pferde vermitteln Werte und lehren Geduld, Demut und Beharrlichkeit." Das stimmt, denn ich kann nur gemeinsam mit meinem Pferd etwas erreichen. Es kommt auf uns beide an. Für Kinder gesprochen, schult Reiten das Selbstbewusstsein: Allein schon selbst ein Pferd zu führen, die Hufe auszukratzen, das macht stolz. Dann bekommen sie viel in Sachen Natur- und Tierschutz mit auf den Weg. Sie lernen: Wann fühlt mein Pferd sich wohl? Was braucht es dafür? Verantwortung und Sorgfalt sind weitere Eigenschaften: Habe ich ein eigenes Pferd, dann muss ich mich kümmern, auch an Weihnachten oder wenn ich Urlaub habe – ich muss dann jemanden organisieren, der es versorgt. Ehrgeiz, aber auch den Umgang mit Niederlagen lerne ich ebenfalls, zumindest wenn ich im Turniersport unterwegs bin. Der Unternehmensberater Jochen Kienbaum sagt, er stellt am liebsten Reiter ein. Denn die seien leidensfähig, wüssten, das Leben laufe nicht immer geradeaus und blieben auch dran, wenn es mal schwierig werde.

Das Gespräch führe Birthe Rosenau.

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