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Ratgeber
Viele Tiere haben Verdauungsprobleme

Über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Magen- und Darmerkrankungen bei Hunden und Katzen informierte Dr. Peter Engelhardt von der Tierklinik Neandertal in Haan die RP-Leser. Von Ilka Platzek

Das weite Feld der tierischen Verdauungsprobleme stieß bei den RP-Lesern auf großes Interesse: Kaum waren die Leitungen geschaltet, klingelten die beiden Telefone um die Wette. Herrchen und Frauchen aus dem ganzen Rheinland nahmen gerne längere Wartezeiten in der Leitung in Kauf, um dem Experten Dr. Peter Engelhardt die Probleme ihrer Lieblinge zu schildern.

Die beiden Anruferinnen, die als erste durchkamen, berichteten von Katzen, die unter Verstopfung leiden: Ein 9-jähriger Kater aus Erkelenz und eine 16 Jahre alte Katzendame aus Langenfeld - beide Freigänger - sind von diesem Übel betroffen. Die Katze sondere nur alle drei bis vier Tage harten Kot ab, berichtete die besorgte Besitzerin. Der Kater habe offenbar mit Nassfutter Probleme und verdaue Trockenfutter besser. Hier rät der Tierarzt, lieber letzteres zu geben, und bei anhaltender Verstopfung Laktose zuzufüttern. Die gäbe es in Saftform beim Tierarzt und wirke abführend. Helfe das nicht, müssten internistische Ursachen wie zum Beispiel Herzerkrankungen oder Stoffwechselstörungen abgeklärt werden.

Bei der Katzenoma war der Fall schwieriger. Dr. Peter Engelhardt empfahl der Anruferin, Kot und Blut untersuchen zu lassen. Auch eine Engstelle im Darm käme als Ursache in Betracht. Die könne aber erst durch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Endoskopie festgestellt werden. Engstellen könnten etwa durch Tumore entstehen.

Durchfall kommt bei Hunden häufiger vor, als bei Katzen: In vielen geschilderten Fällen sind dafür Futtermittelunverträglichkeiten verantwortlich. Im Falle eines siebenjährigen Beagles, der bereits ein Spezialfutter vom Tierarzt bekommt, und trotzdem Verdauungsprobleme hat, riet Engelhardt, eine Bedarfsberechnung von tierärztlichen Ernährungsberatern erstellen zu lassen.

Auch der anderthalb Jahre alte Retriever einer Dormagenerin scheint Allergiker zu sein: Er neigt zu Ohren- und Hautentzündungen und schmatzt nachts vernehmlich. Aktuell wird er - im Rahmen einer Ausschlussdiät wegen der Hautprobleme- mit Süßkartoffeln und Pferdefleisch gefüttert. Engelhardt vermutet eine Übersäuerung des Magens, da zwischen dem Abendessen und dem Frühstück ein relativ langer Zeitraum liege. Dagegen helfen kürzere Fütterungsintervalle oder gegebenenfalls zusätzlich ein Medikament gegen die Magenübersäuerung. Auch eine Bauchspeicheldrüsen- oder Darmentzündung könne die Ursache sein.

Mehrere Hunde und Katzen litten unter Giardien (einzelligen Parasiten), zum Beispiel die fast 20 Jahre alte Katze einer Frau aus Grevenbroich: Seit Juni muss die Katzen-Seniorin zwei Medikamente einnehmen, darunter ein Antibiotikum. Das könne doch nicht gesund sein, befürchtet die Besitzerin. Der Veterinär erklärt: Giardien sind hartnäckig und überleben auch bis zu sieben Wochen ohne Wirtstier.

Meist wird der Parasit eliminiert, allerdings stecken sich die Tiere nach der Behandlung erneut wieder an. Er vermutet, dass sich die Katze immer wieder neu infiziert, und empfiehlt eine gründliche Desinfizierung von Decken, Näpfen, Katzenklo und so weiter. Ob eine Behandlungsresistenz vorliegt, kann man nur herausfinden, wenn kurz im Anschluss an die Behandlung eine erneute Kontrolle des Kotes erfolgt. Im Falle einer Behandlungsresistenz muss eventuell auf Medikamente zurückgegriffen werden, die eigentlich nicht für den Hund zugelassen sind, denen aber eine Wirksamkeit gegen Giardien nachgesagt wird. Für betroffene Hunde wie Katzen gilt: Wenn sich überhaupt keine Besserung einstellt, sollten weitere Untersuchungen gemacht werden: Erst ein Blutbild, dann Ultraschall und zuletzt eine Darmspiegelung.

Auch die übergewichtige und, wie Frauchen zugibt, träge Katze einer Leserin leidet an Verstopfung. Hier hilft nur eins: "Weniger füttern, als auf der Packung steht, am besten Diätfutter und Scheuchen", sagt der Experte am Telefon.

Quelle: RP
 
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