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| 08.20 Uhr

Übergewichtige Tiere
Wenn die Katze zu rund ist

Kontrolliert abspecken: Was Tierhalter gegen Übergewicht bei Samtpfoten tun können. Von Ilka Platzek

Es gibt einige wenige Zeitgenossen, die Filme oder Fotos erschreckend dicker Stubentiger in den sozialen Netzwerken zur Schau stellen und die Aufnahmen dieser unbeweglichen bis hilflosen Tiere, die sich kaum noch rühren können, lustig finden. Den meisten Besitzern korpulenter Exemplare ist dieser Umstand eher unangenehm und sie spielen das Übergewicht ihrer Lieblinge herunter. "Das ist der Kastratenbauch. Da kann man nichts gegen tun", sagen sie dann.

"Kann man doch. Die Fettmasse zwischen den Beinen muss nicht sein", sagt Tierarzt Karl-Heinz Schulte aus Krefeld. Der 2. Vizepräsident des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (BPT) behandelt in seiner Praxis regelmäßig "Katzen vom Modell Sofakissen". Die Katzen seiner Kunden kommen in der Regel einmal im Jahr zum Impfen in die Praxis und werden bei ihrem Besuch immer gewogen.

"Normal große Katzen wiegen drei bis vier Kilogramm, Kater vier bis fünf Kilogramm. Wenn ein Tier innerhalb eines Jahres von 4,8 auf 5,2 Kilogramm zunimmt, ist das ein leichter Fall. Das sind immerhin fast zehn Prozent des Körpergewichts", erklärt Schulte. Adipös beziehungsweise fett sind normal große Katzen, die zehn und mehr Kilogramm wiegen. "Da reden wir dann drüber."

Zuerst einmal werde abgeklärt, ob es organische Ursachen (etwa Stoffwechselstörungen) für die Zunahme gibt, die dann behandelt werden müssten, sagt Schulte. Ist das nicht der Fall, sei Diät angesagt. Das Problem dabei seien oft die Besitzer: "Die sagen dann: 'Ich habe mehrere Katzen. Bei uns steht immer Futter bereit. Wie soll das gehen?'" Wenn die Besitzer nicht mitmachen und konsequent sind, kann der Arzt auch nicht helfen. Erklären sich die Besitzer bereit, die Samtpfote beim Abspecken zu unterstützen, rät er ihnen erst einmal dazu, den Tieren "mehr Bewegung und weniger Futter" zu geben. Und, ganz wichtig: "Keine Leckerlis."

Oft sind es Wohnungskatzen, die zu dick sind. Gerade, wenn sie Einzelkatzen sind, liegen sie viel herum, schlafen und - fressen. Es ist ein Teufelskreis: Je dicker das Tier, desto weniger verspüre es Lust, sich zu bewegen. Fressen - etwa Trockenfutter - verstecken, ist eine Möglichkeit. Man kann es auch werfen oder (in kleinen Mengen) auf einem "Fummelbrett" ablegen, von dem es sich die Katzen erst herunterfummeln müssen. Mehrere Hersteller bieten diese Spielbretter an. "Insgesamt sollten die Besitzer weniger Futter geben und sich auch nicht durch Quengeln erweichen lassen", rät der Tierarzt. Bei Tieren mit starkem Übergewicht müsse ein Diätplan aufgestellt werden.

Welche Diätfuttermittel ihren Namen verdienen und nicht nur die Produzenten gut verdienen lassen, wissen Tierärzte. Ein gutes Diätfutter enthalte "wenig Kalorien, wenig Fett und viel Sättigungsmittel", erläutert der Krefelder Veterinär. Adipöse Katzen sollten nur unter der Aufsicht eines Tierarztes abspecken.

Wichtig: "Zu schnelles Abnehmen schadet der Leber, weil sie mit Fett überflutet wird", sagt Tierärztin Astrid Behr. Die Sprecherin des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (BPT) hat es oft genug in ihrer Praxis gesehen. "Katzen, die zu dick sind, bekommen massive gesundheitliche Probleme." Sie sterben früher als ihre schlanken Artgenossen und müssen sich mit zahlreichen Gebrechen plagen: "Fett lagert sich um die inneren Organe an und engt sie ein. Übergewicht geht auf die Gelenke und führt zu schmerzhaften Gelenkerkrankungen." Es ist wie beim Menschen: "Bewegungsmangel und Übergewicht verursachen Herz- und Kreislaufprobleme."

Trockenfutter im Übermaß könne Harnstein produzieren und bis zum Harnröhrenverschluss führen, mahnt Astrid Behr. Und: Wer nichts gegen das Übergewicht seiner Samtpfote unternimmt, riskiert eine weitere schwere Krankheit: Diabetes. Unbehandelte Katzen "leiden unter Heißhunger und saufen viel, weil die Nährstoffe nicht mehr in die Zellen kommen." Nicht selten erblinden die Tiere.

Quelle: RP
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