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Wozu das Dokument gut ist
Ausweis für Schwerbehinderte
Wozu das Dokument gut ist: Ausweis für Schwerbehinderte
Knapp sieben Millionen Menschen sind in Deutschland derzeit als schwerbehindert anerkannt. FOTO: RPO
Düsseldorf (RP). Manche gesundheitlich gehandicapten Arbeitnehmer scheuen einen Antrag auf Anerkennung als Schwerbehinderte. Doch gerade in Krisenzeiten kann der Schwerbehindertenausweis Vorteile bringen – bei Kündigungen, Renten oder Urlaub. Von Rolf Winkel

Knapp sieben Millionen Menschen sind in Deutschland derzeit als schwerbehindert anerkannt – und noch deutlich mehr könnten einen Antrag auf eine offizielle Anerkennung ihrer Handicaps stellen. Das lohnt sich gerade in Zeiten, in denen Arbeitsplätze bedroht sind.

Antrag: Der Antrag auf eine Schwerbehinderten-Anerkennung wird beim Versorgungsamt gestellt. Der Arbeitgeber wird über die Antragstellung nicht informiert, er wird auch vom Amt nicht befragt. Auch davon, dass ein Arbeitnehmer offiziell als schwerbehindert anerkannt wird, erfährt er nichts – es sei denn, der Betroffene teilt es dem Chef mit. Wer sich allerdings scheut, seine Schwerbehinderung zu offenbaren, muss dem Arbeitgeber nichts mitteilen. Dann hat er aber natürlich auch keinen Anspruch auf die mit der Schwerbehinderten-Anerkennung verbundenen Vergünstigungen im Betrieb. Dies sind folgende Punkte:

Extra-Urlaub: Dazu gehört etwa ein Zusatzurlaub von einer Woche (fünf Arbeitstagen), der Schwerbehinderten zusteht.

Kündigungsschutz: Außerdem haben Schwerbehinderte einen besonderen Kündigungsschutz. Bevor ein Arbeitgeber einen Behinderten entlassen darf, muss er die Zustimmung des Integrationsamtes (früher: Hauptfürsorgestelle) einholen. Eine Kündigung kann etwa abgewendet werden, indem dieses Amt andere Lösungen ins Spiel bringt: So kann das Amt etwa eine behindertengerechte Anpassung des Arbeitsplatzes oder eine Arbeitsassistenz ganz oder teilweise finanzieren. Diabetikern, die als Folge ihrer Krankheit keine schweren Gewichte im Lager mehr heben können, kann das Amt zum Beispiel mit der Einrichtung von Hebehilfen unterstützen. Der besondere Kündigungsschutz gilt – wie das Bundesarbeitsgericht 2006 verkündete – wenn die Betroffenen ihren Arbeitgeber binnen drei Wochen nach Erhalt des Kündigungsschreibens über ihre Schwerbehinderung informieren (Az.: 2 AZR 539/05 ).

Schwerbehindertenrente: Gerade für ältere Arbeitnehmer bringt die Anerkennung als Schwerbehinderte noch ein zusätzliches Plus: Denn die gesundheitlichen Handicaps sind für die Rente bares Geld wert. Schwerbehinderte können derzeit nämlich noch mit 63 Jahren ein abschlagsfreies vorgezogenes Altersruhegeld erhalten. Ansonsten geht das erst mit 65. Mit Abschlägen gibt es die Schwerbehindertenrente (noch) ab 60 Jahren. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Betroffenen 35 Versicherungsjahre vorweisen können.

Quelle: RP
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